Wenn die KRONE Trends erkennt

Es gibt ja zwei Arten von Journalismus, grob gesagt. Da wäre einerseits der Journalismus, der darauf aus ist, Neues zu vermitteln, allerdings erst nachdem über den Umweg der Recherche relativ fest steht, dass diese Neuigkeiten auch auf Tatsachen, die über Anekdotisches hinausgehen, beruhen.

Daneben gibt es dann Journalismus, der sich hauptsächlich so nennt, weil die Ergebnisse in einem periodisch erscheinenden Druckwerk publiziert werden. Was für Geschichten dieser Art nötig ist, ist in erster Linie eine Anekdote, um die der oder die zuständige JournalistIn dann passende Informationen sucht, die diese Anekdote in einen größeren Zusammenhang stellen sollen.

Die KRONE ist, nicht sonderlich überraschend, eher Anhängerin der letzteren Variante. Damit wären wir auch schon bei der Geschichte die sie heute in ihre Printausgabe gesteckt hat.

Ausriss: KRONENZEITUNG

Es gibt also einen neuen Trend, “Eyeballing” nennt das die KRONE. Übernommen hat sie diese Geschichte von der britischen DAILY MAIL, die ja, gelinde gesagt, nicht unbedingt als das seriöseste Blatt Großbritanniens gilt.

Die KRONE, immer dankbar für Geschichten über die verderbte Jugend, hat sich auch nicht die Mühe gemacht zu recherchieren, inwieweit dieser Trend wirklich Trend ist, oder ob die ganze Geschichte vielleicht nur auf der Erzählung einer ehemaligen Studentin und einigen selbstgedrehten Videos besteht.

Was den “Alarm” angeht, den heimische Ärzte angeblich schlagen, so hat sich die KRONE allerdings die Mühe gemacht, auf der gleichen Seite ein Mini-Interview mit einem Augenarzt zu drucken. Darin wird, nicht sonderlich überraschend, davor gewarnt, sich hochprozentigen Alkohol in die Augen zu gießen. Von einem Alarm, den heimische Ärzte schlagen, ist das aber meilenweit entfernt.

Das Einzige, das die KRONE mit dieser Aufregergeschichte erreicht hat, ist die Bekanntmachung dieser absurden Technik nun auch in österreichischen Haushalten. Nur für den Fall, dass die heimische Jugend noch nicht weiß, welchen Alarm sie nun schon wieder auszulösen hat.

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Jagd auf die Grippe

Eigentlich ist es ja nicht unsere Art, uns über Schreib-, Tipp- oder Grammatikfehler zu amüsieren. Das kann schließlich allen mal passieren. In dem Fall müssen wir aber eine Ausnahme machen. Macht da doch laut KRONENZEITUNG jemand Jagd auf die Grippe. Die Schweinegrippe wie wir vermuten.

Ausriss: KRONENZEITUNG, 1.1.2010

Ausriss: KRONENZEITUNG, 1.1.2010

Mit Dank an Thomas!

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Drei Gründe, warum der Presserat, noch vor seiner Konstituierung eine Farce ist

Der Presserat ist also wieder zurück in Österreich. 2002 aufgelöst, einigten sich nun der Verband Österreichischer Zeitschriften (VÖZ), die Journalistengewerkschaft und der Verein der Chefredakteure auf eine Neuauflage für das Jahr 2010. Ein Presserat als Instrument freiwilliger Selbstkontrolle war längst überfällig – nicht erst seit der Boulevard-Berichterstattung über Natascha Kampusch und den Kriminalfall von Amstetten. Dass die Boulevardmedien die Branche fest im Griff haben, zeigen die Fülle und die Auflagenstärke der Blätter, angefangen bei der kostenlosen U-Bahnzeitung HEUTE, der Fellnerschen BILD-Variante ÖSTERREICH bis hin zur auflagenstärksten Tageszeitung Österreichs, der KRONE.

Doch während sich die Branche feiert, stellt sich die Frage, ob der Kompromiss “Presserat neu” – mit vollem Namen “Verein der Selbstkontrolle der österreichischen Presse”  tatsächlich ein Grund zur Freude ist. Oder nur ein weiterer Beleg dafür, dass Kompromisse hierzulande nicht selten in einer Farce enden. Hier also drei Gründe, warum die Medienschelte nicht überflüssig wird und der “Presserat neu” schon jetzt eine Farce ist.

Punkt eins: Wer sich beim Presserat beschwert, muss darauf verzichten, in derselben Causa ordentliche Gerichte anzurufen.

Punkt zwei: Entscheidet der Presserat, dass die Berichterstattung einer Zeitung den Ehrenkodex der österreichischen Presse verletzt hat, muss die Zeitung den Spruch des Presserates veröffentlichen, wenn die Zeitung dem Verband Österreichischer Zeitschriften (VÖZ), dem Verband Österreichischer Zeitschriften- und Fachmedien (ÖZV) oder dem Verband der Regionalmedien Österreichs (VRM) angehört. Damit fällt speziell ÖSTERREICH aus dem System, das nicht Mitglied des VÖZ ist.

Punkt drei: Es geht nur um Print-Medien.

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Meta-Schelte: ÖSTERREICHs Superpraktikant

Wenn es in der ÖSTERREICH-Redaktion mal wieder langweilig ist und ohnehin nur noch ein ganz ganz kleiner Dreispalter fehlt und niemand mehr wirklich Lust hat, was zu schreiben, dann darf ein/e PraktikantIn ran. Thema egal, Hauptsache die Seite ist voll. Zufällig treibt sich der/die PraktikantIn auf Twitter herum und stolpert über dieses Update des “Links-Aktivisten” Sascha Klaus Werner-Lobo:

twitter_lobo

Und ein Anruf bei der ÖVP-Pressestelle später, war die Geschichte auch schon fertig:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

“Tja, so geht es Praktikanten in der” ÖSTERREICH-Redaktion …

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Außenschelte: KRONE Fotostory für #unsereuni

Wie erwartet, ist die KRONE von den anhaltenden Studierendenprotesten in Österreich nicht sonderlich angetan, und wie nun ein aufmerksames Mitglied der zur Protestbewegung gehörenden Facebookseite bemerkt hat, werden Bilddokumente vom Geschehen großzügig zugunsten der eigenen Blattlinie ausgelegt:

Ausriss: KRONE, Foto: unsereuni.at

Ausriss: KRONE, Foto: unsereuni.at

Mit Dank an Thomas J. und Stefanie N. für die Spürarbeit.

PS: Der Link zur Collage auf Facebook ist hier, weitere Fotos zu den Protesten gibt es auch auf Flickr, und zwar hier und hier. Für generelle Informationen zu den Protesten sei nochmals auf obige Seite unsereuni.at und den Twitteraccount unibrennt verwiesen, wer live dabei sein will, kann sich den Livestream direkt aus dem Audimax der Uni Wien zu Gemüte führen.
Update: Auch die Unibrennt-Seite schreibt nun über die eigenwillige Rechercherarbeit der KRONE.

Update 2: Und auch der deutsche BILDblog hat die Geschichte jetzt aufgegriffen.

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Außenschelte: Herr Jeannée und seine Neger

Trotz Verspätung wollen wir noch auf den Videocast von Robert Misik hinweisen, indem er sich mit dem Krone-Kolumnisten Michael Jeannée befasst. “Es muss ja einen Grund haben, warum jemand so wird”, meint Misik und listet, nicht unironisch, einige mögliche Faktoren für das Jeannée´sche Gewordensein auf. Als betont linker Autor treibt ihn die Frage um, wie man so wird, wie Jeannée.

Dabei haben wir doch grade die Phase der Re-Naturalisierung, die Biologie und die Neurowissenschaften erklären uns, warum wir so sind, wie wir sind, und nicht durch welche Umstände wir geworden sind, wie wir sind. Als Ergänzung schlagen wir daher noch Erklärungsansätze vor, die zumindest Gehirn und/oder Gene mit einbeziehen. Als Inspiration: Hans Markowitsch, Tatort Gehirn. Das würde dem Herrn Jeannée vielleicht auch gefallen.

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Die KRONE und Statistiken

“Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast” ist ja mittlerweile ein geflügeltes Wort. Dass es manchmal allerdings gar nicht nötig ist, eine Statistik zu fälschen, sondern sie einfach nur recht selektiv wiederzugeben, zeigt die KRONE in ihrer letzten Sonntagsausgabe. So wird groß getitelt:

Ausriss: KRONENZEITUNG

Ausriss: KRONENZEITUNG

Und im zugehörigen Artikel (Onlineversion) ist dann zu lesen:

Denn wie das Innenministerium bestätigte, wurden 2008 mit 2.120 Polizisten (lediglich 60 davon sind Verkehrsopfer) so viele Beamte wie noch nie bisher verletzt. Im Vergleich: 2005 erlitten 1.917 Beamte Blessuren.

Basis für diese Schreckensmeldung ist die parlamentarische Anfrage des Nationalratabgeordneten Johann Maier. Er stellt in seiner Anfrage [PDF] u.A. folgende Fragen:

Aviary parlament-gv-at Picture 1

Die Antwort des BMI [PDF] auf Fragen 1 und 2 sieht so aus:

anfragenantwort

Und tatsächlich, im Jahr 2008 wurden 2.123 PolizistInnen im Dienst verletzt. Und ja, im Jahr 2005 waren es nur 1.917. Dass sich die Zahl aber seit dem Jahr 2007 nur geringfügig erhöht, und die übrigen Jahresgesamtzahlen auch relativ nah beisammen liegen, verschweigt die KRONE lieber. Auch, dass die Zahl der aus den Verletzungen resultierenden Strafanzeigen im Vergleich zu den vier vorigen Jahren die Niedrigste ist.

Aber damit nicht genug. Wer Angst schüren will, schafft das nicht mit Zahlen allein. Also wird das Schreckgespenst des aggressiven Ausländers auch noch bemüht. So wird Nationalratsabgeordneter Maier – getreu der Blattlinie – zitiert:

„So bedauerlich es auch ist, dass viele Menschen immer aggressiver auf Polizisten reagieren, muss auch gesehen werden, dass viele dieser Personen aus einem Kulturkreis kommen, in dem ein Polizist nicht als ,Freund und Helfer‘ gesehen wird“, so  der Nationalrat.

[Hervorhebung von uns]

Abgesehen von der ethnologischen Expertise des Herrn Maier, verwundert uns auch sein Rückschluss auf die vielen Ausländer, die angeblich an diesem explosionsartigen Anstieg der Verletzungen Schuld tragen sollen. Denn auf die oben angezeigte dritte Frage, also wieviele Strafanzeigen gegen Ausländer nun aus den Verletzungen der PolizistInnen resultierten, meint das BMI in seiner Antwort nur lapidar:

ausländerstatstikenbmi

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Außenschelte: Kontrastreiches Programm

Angeblich wurde ja Markus Rogan in einer Disco in Rom verprügelt. Im Sommerloch jedenfalls eine Meldung, die es auf die Titelblätter von KRONE und ÖSTERREICH schaffte. Wie auf derStandard.at seit gestern nachzulesen und -sehen ist, scheinen die GrafikerInnen bei ÖSTERREICH im Gegensatz zur KRONE allerdings eine gewisse Zuneigung zum Kontrastwerkzeug zu hegen.

Mit Dank an Helge F. für den Hinweis.

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