Archive for May 2007

 
 

“Österreich” im Doping-Fieber(wahn)

Was hat sich “Österreich” die letzten Tage nicht alles zur Doping-Affäre einfallen lassen, um sich als Opfer zu präsentieren. Am Samstag, 26. Mai 2007 schrieb Wolfgang Fellner noch in einer Kolumne:

Muss der beste Ski-Präsident gehen, um Olympia zu retten? Der Doping-Bericht des IOC zieht immer weitere Kreise. Die Situation für das Sportland Österreich wird untragbar. Die Weltpresse schreibt über uns als “Doping Country”, das IOC (…) will ein Opfer.

Auch die nächsten Tage war klar, bei der Doping-Affäre handelt es sich schlicht um eine Intrige. Das ÖOC, um Leo Wallner, wollte den ÖSV-Präsidenten Peter Schröcksnadel stürzen. Peter Schröcksnadel trat gestern schließlich auch zurück. Da haben alle Rettungsmaßnahmen “Österreichs” nichts genutzt.

Grund genug für “Österreich” heute noch einmal nachzutreten, Fairplay muss sein. “Österreich” versendet heute in der E-Mail-Kolumne eine E-Mail an Jaques Rogge, den Präsidenten des IOC, darin heißt es:

Hoffe, Sie sind zufrieden mit der zugegebenermaßen späten Selbstgeißelung Ihrer österreichischen Filiale, dem Abgang des von Ihnen offensichtlich nicht sehr geschätzten Ski-Präsidenten und der Schlachtung von 14 Bauernopfern.

Moment, vielleicht ist es nicht schlecht an dieser Stelle schon einmal einzuhaken, hatte Wolfgang Fellner am Dienstag, 29. Mai nicht selbst gefordert:

Alle im Doping-Verdacht stehenden Athleten, Betreuer und Ärzte müssen sofort auch für alle Kader und Rennen des Ski-Verbandes gesperrt werden.

Und einen Tag später Werner Schima:

Zero Tolerance für Doper – sicher ein vorbildliches Motto.

Soviel also zu den Bauernopfern. Weiter beschwert sich “Österreich” in der Kolumne darüber, dass andere Sportarten verschont bleiben, vor allem natürlich der Radsport.

Sie sollten, Monsieur Rogge, da genauso auf den Tisch hauen – auch wenn Ihr Heimatland Belgien (…) hier einigermaßen erfolgreich ist.

Tja, und am Ende kommt er dann doch noch der Satz, auf den alle warten, wenn auch kursiv geschrieben:

Mit uns Kleinen kann man´s ja machen …

Übrigens: Belgien ist flächenmäßig deutlich kleiner als Österreich.

Und das alles wäre jetzt nur halb so interessant, hätte Franz Klammer heute keine Kolumne im Sportteil, wo er über die Doping-Affäre schreibt. Sicher, als Gast-Autor muss Klammer nicht völlig im Sinne der Blattlinie schreiben. Aber, dass er so daneben liegen darf?

Hört bitte mit diesem “Warum gehen die immer uns arme Österreicher an?”-Zeug auf – schließlich haben wir dem ÖOC nach den Vorkommnissen in Salt Lake City 2002 und vier Jahr später in Turin genug Grund gegeben, der Sache auf den Grund zu gehen. Entschuldigungen wie “Schaut einmal, was bei den Radfahrern in Deutschland passiert”, haben unsere Situation nicht verbessert. Man darf nicht woanders hinschauen, man muss im eigenen Stall ausmisten und nicht schauen was der Nachbar macht.

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Außenpolitik mal anders (2)

Dass den AußenpolitikredakteurInnen von “Österreich” und der “Kronenzeitung” letzthin nicht mehr zu Kasachstan eingefallen ist als “Borat”, die Kunstfigur des britischen Komikers Sacha Baron Cohen, ist ja schon traurig genug.

Dass aber die Zuständigen bei “Österreich” es mittlerweile noch immer nicht fertig gebracht haben, halbwegs ernsthafte Assoziationen mit dem Staat herzustellen und daher den von Interpol gesuchten Botschafter sogar so nennen, ist eigentlich ziemlich bedenklich:

borat2.jpg
Ausriss: “Österreich”

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Eine Geschichte über Paris Hilton in drei Ausrissen – Sammelsurium Spezial

Zusammenfassung eines Beitrags über Paris Hilton aus “Österreich” vom 29. Mai 2007:

Für die Hotelerbin wird es langsam ernst, der

Knast-Countdownbeginnt. So sehr sie auch versucht uns zu vermitteln, sie sei nur eine

Harmlos-Blondinewissen wir doch alle:

Sie ist und bleibt ein

Luxus-Luder

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Insider wissen mehr

In der gestrigen Ausgabe von “Österreich” beschäftigt sich der Kommentator Gerhard Plott, betitelt als “Politik-Insider”, aus gegebenem Anlass mit Menschenhandel in Portugal. Er eröffnet seinen Text so:

menschenhandel.jpg

Ausriss: “Österreich”

Nun verhält es sich mit dem Verfassen von Kolumnen ja so: sie spiegeln einerseits die Meinung des Einzelnen wider, andererseits erscheinen sie auch meistens im Rahmen einer Blattlinie. Dazu gehört dann nicht nur die politische Einstellung, sondern natürlich auch die journalistische Ethik, die die jeweilige Zeitung nun vertritt.

Dass Personen, die nicht wirklich vom Fach sind, deren Meinung aber für Österreich doch was zählt, manchmal kleine Ausrutscher passieren, kann ja mal vorkommen.

Wenn allerdings ein “Politik-Insider” seine Kolumnen so schreibt, dass er bei Google die Wörter “Menschenhandel” und “Portugal” eingibt und den Inhalt des ersten Treffers dann als Quelle für seine Kolumne beinahe wortwörtlich wiedergibt, das wirft dann schon ein gewisses Licht auf die bei einer Zeitung herrschende journalistische Ethik.

Nur mal zum Vergleich, hier der Text vom “Portugal Reiseblog”:

Menschenhandel war in Portugal bis ins 18. Jahrhundert an der Tagesordnung, in einigen Regionen – so den damals noch portugiesischen Kapverden – bis in 19. Jahrhundert hinein. Der Wert, den ein Menschenleben während dieser Zeit darstellte, war nur gering. Zehn Sklaven für ein Pferd war schon ein stolzer Preis und unterstreicht nur wie menschenverachtend gehandelt wurde.

Übrigens gut, dass es sich bei “Politik-Insider” um keinen akademischen Grad handelt. Denn gerade jetzt, wo sich selbst der österreichische Wissenschaftsminister mit Plagiatsvorwürfen herumschlagen muss, wohlgemerkt auch nur in dem Maße, dass schlampig zitiert wurde, wäre wortwörtliches Zitieren ohne jegliche Quellenangabe glatt Grund genug einen Titel abzuerkennen.

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Sammelsurium (3)

Wortkreationen aus der Welt des Boulevards

  • Aus der “Österreich”-Ausgabe vom 27./28. Mai 2007 über das Formel 1-Rennen in Monaco und die beiden Teamkollegen Fernando Alonso und Lewis Hamilton:

Brutal-Duell

  • Robert Löffler in seiner Krone-Kolumne “Tagebuch” vom 27./28. Mai musste sich sicher einige Mühe geben folgenden Satz so zu formulieren:

Bingen

Mogel-Contest

  • “Österreich” vom 25. Mai 2007 über einen Unbekannten, der verdächtigt wird ein Mädchen schwer verletzt zu haben:

Rasta-Raser

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“Österreich” p(f)eift auf andere Meldungen

Juventus

Ausriss: “Österreich”

Wie “Österreich” dazu kommt die Überschrift so zu formulieren, wirft doch einige Fragen auf, denn nur “Österreich” vermittelt den Eindruck der Trainer Didier Deschamps sei gefeuert worden. In anderen Medien klingt die Geschichte ein wenig anders:

Kicker:

“Der Trainer und der Klub haben festgestellt, dass die Grundlagen für eine beiderseitig zufriedenstellende Arbeit nicht mehr gegeben sind. Deswegen haben beide Seiten in freundschaftlicher Atmosphäre entschieden, dass Vertragsverhältnis zu beenden”, ließ der Verein verlauten.

Standard:

Juventus Turin und Trainer Didier Deschamps haben sich am Samstagabend “in beiderseitigem Einvernehmen” getrennt, wie es in einer Mitteilung der Turiner hieß.

Spiegel-Online:

Der Vertrag mit dem Coach sei in beiderseitigem Einvernehmen gelöst worden, da es keine gemeinsame Basis für eine weitere Zusammenarbeit geben würde, hieß es in einer Pressemitteilung.

Anders als “Österreich” behauptet kam die Vertragsauflösung auch nicht wirklich überraschend, denn schon eine kleine Recherche hätte genügt, um herauszufinden, dass es schon länger Schwierigkeiten zwischen Trainer Deschamps und Sportdirektor Secco gab.

So gab es bereits am 15. Mai Spekulationen, ob Deschamps aus Unzufriedenheit über den Verein Juve verlassen werde.

Also entweder war der zuständige Redakteur oder die zuständige Redakteurin schlicht zu faul für eine kleine Recherche, oder einfach nur ignorant gegenüber den anderen Meldungen

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“Österreich” und die “Pornografisierung”

Die “Österreich”-Ausgabe am Samstag schmückte eine kleine Buch-Beilage, die “BuchWoche”. Aufmacher der aktuellen Ausgabe ist das neue Buch von Alice Schwarzer “Die Antwort”. Als Highlight gibt es sogar den Vorabdruck eines Kapitels, mit dem Titel “Ich bin viel zu dick”.

Am Ende versucht ein BuchWoche-Redakteur bzw. eine BuchWoche-Redakteurin Alice Schwarzers Buch in einer kurzen Zusammenfassung in einer Mischung aus Zitaten und Kommentar auf den Punkt zu bringen. Zwei Beispiele:

Doch sie nimmt auch Frauen in die Pflicht, wenn sie die “Pornografisierung” der Gesellschaft kritisiert, die “weibliche Menschen zu Waren degradiert”.

Oder an anderer Stelle:

Glauben Frauen, sich mit der angesagten Nutten-Mode (…) im Bett für ihre Emanzipation in der Welt entschuldigen zu können? Begreifen sie denn gar nicht, dass ein Mann noch nicht einmal bis zum Mülleimer gehen würde in solchen Schuhen, mit denen Frauen Tag für Tag ihre Füße verkrüppeln und in denen sie kaum gehen, geschweige denn große Schritte machen können?

Tja, und was könnte Alice Schwarzer damit wohl gemeint haben? Ob sie vielleicht an das Oe24-Busen-Voting gedacht hat?

Voting

Screenshot: www.oe24.at

Vielleicht hat sie aber auch nur auf der Woman-Seite von oe24.at gesurft und es sind ihr weitere Beiträge aufgefallen. Lang hätte sie jedenfalls nicht suchen müssen um die hier gezeigten Beiträge zu finden. Es sind drei der fünf vordersten Teaser.

Pimp

Schuhe

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Sammelsurium (2)

Wortkreationen aus der Welt des Boulevards

  • “Österreich” vom 20. Mai 2007. Bezeichnung für die Schauspielerin Bai Ling, siehe auch den Medienschelte-Beitrag Luderalarm:

Festival-Luder

  • “Österreich” vom 19. Mai 2007 über eine Mutter, die ihre drei Kinder vernachlässigte:

Müllmutter

  • “Österreich” vom 19. und 20. Mai über einen mutmaßlichen Mörder:

190-Kilo-Killer

190-Kilo-Koloss

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