Insider wissen mehr
In der gestrigen Ausgabe von “Österreich” beschäftigt sich der Kommentator Gerhard Plott, betitelt als “Politik-Insider”, aus gegebenem Anlass mit Menschenhandel in Portugal. Er eröffnet seinen Text so:

Ausriss: “Österreich”
Nun verhält es sich mit dem Verfassen von Kolumnen ja so: sie spiegeln einerseits die Meinung des Einzelnen wider, andererseits erscheinen sie auch meistens im Rahmen einer Blattlinie. Dazu gehört dann nicht nur die politische Einstellung, sondern natürlich auch die journalistische Ethik, die die jeweilige Zeitung nun vertritt.
Dass Personen, die nicht wirklich vom Fach sind, deren Meinung aber für Österreich doch was zählt, manchmal kleine Ausrutscher passieren, kann ja mal vorkommen.
Wenn allerdings ein “Politik-Insider” seine Kolumnen so schreibt, dass er bei Google die Wörter “Menschenhandel” und “Portugal” eingibt und den Inhalt des ersten Treffers dann als Quelle für seine Kolumne beinahe wortwörtlich wiedergibt, das wirft dann schon ein gewisses Licht auf die bei einer Zeitung herrschende journalistische Ethik.
Nur mal zum Vergleich, hier der Text vom “Portugal Reiseblog”:
Menschenhandel war in Portugal bis ins 18. Jahrhundert an der Tagesordnung, in einigen Regionen – so den damals noch portugiesischen Kapverden – bis in 19. Jahrhundert hinein. Der Wert, den ein Menschenleben während dieser Zeit darstellte, war nur gering. Zehn Sklaven für ein Pferd war schon ein stolzer Preis und unterstreicht nur wie menschenverachtend gehandelt wurde.
Übrigens gut, dass es sich bei “Politik-Insider” um keinen akademischen Grad handelt. Denn gerade jetzt, wo sich selbst der österreichische Wissenschaftsminister mit Plagiatsvorwürfen herumschlagen muss, wohlgemerkt auch nur in dem Maße, dass schlampig zitiert wurde, wäre wortwörtliches Zitieren ohne jegliche Quellenangabe glatt Grund genug einen Titel abzuerkennen.
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27. May 2008 at 17:02
[...] Tja, Insider wissen wohl wirklich mehr. [...]