Wenn sich “Österreich” entschuldigt

Nach 270 Tagen ÖSTERREICH ist ein erstes redaktionelles “Sorry” nötig.

So eröffnet Wolfgang Fellner in der heutigen Ausgabe von “Österreich” die Kolumne “Das sagt Österreich”.

Grund für das erstmalige “Sorry” ist die offensichtliche und auch ziemlich peinliche Falschmeldung von gestern, wo “Österreich” schon am Titelblatt verkündete, wer neuer Direktor der Staatsoper sein wird. Blöd nur, dass es der Falsche war.

Aber “Österreich” wäre nicht “Österreich”, wenn es die ganze Schuld auf sich nehmen würde. Klar, falsche Meldung abgedruckt, aber schlussendlich waren sie ja doch die Guten. So Fellner weiter:

Die Prognose basierte auf der Tatsache, dass Kanzler Gusenbauer noch Dienstag gegenüber Vertrauten und Medienvertretern Shicoff als absolut “fix bezeichnet hatte.

Darum also auch diese Meldung auf der heutigen Titelseite:
kanzlerfall.jpg
Ausriss: “Österreich”

Doch damit nicht genug! Fellner nutzt die Gunst der Stunde, um gleich mal kräftig auszuteilen:

Wir lernen daraus: “Fix” ist beim Kanzler offenbar nicht unbedingt “sicher” – so wie ja auch die Abschaffung von Studiengebühren und Eurofightern vorher “fix”, in der Regierung aber nicht “beschlossen” war.

Und was lernen wir daraus? “Österreich” ist beleidigt, wenn sich herausstellt, dass eine schlampig abgesicherte Story platzt.

Aber Fellner schreibt ja noch weiter, denn kein “Sorry” ohne ein “Eigentlich hatten wir eh recht”:

So sehr wir uns für die falsche Prognose Shicoff entschuldigen – so stolz sind wir darauf, im gestrigen ÖSTERREICH schon den richtigen Operndirektor Dominique Meyer genannt zu haben.

Äh ja. Hier der ausgiebige Beitrag über Dominique Meyer aus dem gestrigen “Österreich”:

Dieser “Überraschungskandidat” könnte der aktuelle Direktor des Pariser Theatre des Champs Elysees, Dominique Meyer, sein.

Dass “Österreich” in den nächsten zwei Sätzen auch noch die möglichen KandidatInnen Helga Schmidt, Christian Thielemann und Franz Welser-Möst nennt, beweist wie außerordentlich treffsicher diese journalistische Glanzleistung wirklich war.

Leider muss “Österreich” sich diesen Erfolg auch mit anderen Zeitungen teilen, zum Beispiel dem “Standard”, der gestern sogar ein Bild Dominique Meyers auf dem Titelblatt hatte:
standardoper.jpg
Ausriss: “Der Standard”

Schließlich bedankt sich Fellner auch noch beim blatteigenen Kolumnisten Karl Löbl:

Er – der die Oper kennt wie kein anderer – hat vom ersten Tag an in ÖSTERREICH für Welser-Möst als idealen “Musikdirektor” der Staatsoper gekämpft. Löbl hat – als weiteres Highlight seiner Journalistenkarriere – wieder einmal recht behalten.

Doch was nutzt einem der beste Journalist, wenn selbst das eigene Blatt ihn ignoriert.

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One Response to “Wenn sich “Österreich” entschuldigt”

  1. Gravatar of Christina Christina
    7. June 2007 at 12:09

    GENIAL!! ich liebe medienschelte!

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