Meinungs-Umbildung
Manchmal ist die Meinungsbildung bei Boulevardmagazinen nur schwer nachzuvollziehen. Vor allem für LeserInnen, die täglich das Blatt lesen, und wenn die Redaktion selbst nicht so genau weiß, wie sie ein Ereignis bewerten soll. Schließlich steht die Kategorie “neutral” nicht zur Verfügung, und es sind nur Superlative in beide Extreme erlaubt, wie “Mega-Pleite” oder “Riesen-Sieg”. Allerdings ist bei “Österreich” in letzter Zeit auch schon die Taktik bemerkt worden, gleichzeitig gegenteilige Meldungen zu bringen. So wird möglichen Falschmeldungen vorgebeugt, und erlaubt auf jeden Fall das Eigenlob: “Wir haben das als Erste gewusst”.
Vor dem Bewertungs-Problem stand nun die “Österreich”-Redaktion beim G8-Gipfel. “Österreich” entschied sich für folgende Lösung, und druckte gestern diese Überschrift:

Ausriss: “Österreich”
Für “Österreich” stand fest, dieser G8-Gipfel ist “Der Gipfel des Selbst-Lobs”, so die große Überschrift zum “Thema des Tages”.
Am Ende stand ein umstrittener Kompromiss, den die Politiker als “großen Erfolg” feiern”, während andere enttäuscht von einem “Mogelgipfel” sprechen. Der spärliche Inhalt des Klima-Übereinkommens der G 8: Man werde “in Betracht ziehen”, den CO2-Ausstoß bis 2050 zu halbieren.
Und heute? Ziemlich überraschend wird aus dem “Gipfel des Selbst-Lobs” heute ein “Gipfel-Sieg” für Angela Merkel.

Ausriss: “Österreich”
Gestern noch ein spärliches Übereinkommen, heute ein Erfolg.
Freundlich im Ton, aber beinhart in der Sache, hatte Merkel schon im Vorfeld des Gipfels klargestellt, dass sie beim heftig diskutierten Klimaschutz nicht lockerlasse. So ließ sich selbst US-Präsident George Bush dazu hinreißen, Bemühungen um den Klimaschutz unter dem Dach der Vereinten Nationen zu verhandeln.
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