Ist doch egal

Uschi Fellner hat eine Kolumne in der LIFE&STYLE-Beilage von ÖSTERREICH. Jeden Montag macht sie Platz für Reaktionen der LeserInnen. Auch heute wieder. Das sieht dann so aus:

leser.jpg
Ausriss: LIFE&STYLE

Wieso Uschi Fellner aber darauf besteht, dass die Reaktionen von “Lesern” kommen, nicht aber von “Leserinnen”, wo doch alle Reaktionen von Frauen unterschrieben sind, ist nicht ganz klar.

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13 Responses to “Ist doch egal”

  1. Gravatar of helge helge
    18. June 2007 at 16:04

    vielleicht weil das wort “leser” alle leser umfasst, egal welchen geschlechts? wenn von “personen” (=weiblich) die rede ist, fühlst du dich doch auch angesprochen, oder?

  2. Gravatar of barn barn
    18. June 2007 at 16:24

    Das Wort “Leser” kann nicht alle Leser und Leserinnen umfassen, da es eine weibliche Form gibt, nämlich “Leserin”. Es hat sich bei uns nur seit dem 19.Jh. eingebürgert, dass wir Frauen (nicht nur hier, aber auch) in der Sprache marginalisieren. Deshalb wird auch empfohlen (Gender Mainstreaming) Wörter wie “Personen” zu verwenden. Und es ist nicht damit getan zu sagen, “ich habe ja beide Geschlechter gemeint”.

  3. Gravatar of helge helge
    18. June 2007 at 18:41

    dass der grammatikalische genus (von dem es übrigens drei gibt) im unterschied zum biologischen (nur zwei) erst seit dem 19. jh. existiere, wäre mir neu.

    das phänomen ist auch nicht auf maskuline generika beschränkt, es gibt auch feminine: katzen, waisen, personen, hexen, gänse, etc.

    aus einem beitrag in der newsgroup de.etc.sprache.deutsch:

    Genau so, wie Deverbalabstrakta auf ‘-ung’ immer feminines Genus haben, haben Nomina agentis auf ‘-er’ maskulines Genus. Da alle Deverbalabstrakta auf ‘-ung’ Feminina und alle Nomina agentis auf ‘-er’ Maskulina sind, ist das Genus hier eindeutig morphologisch und NICHT außersprachlich, also durch den Sexus des Beschriebenen bestimmt.

    in diesem sinne umfasst die verwendung des grammatikalische maskulinums “leser” durchaus auch leser weiblichen geschlechts, umgekehrt würde “leserinnen” aber männliche ausschließen.

  4. Gravatar of ma ma
    18. June 2007 at 22:56

    “the never ending struggle” zwischen Layouter und gender-bewußter Berichterstattung (Leserinnen hätte eine Umformatierung erfordert) – übrigens: ursprünglich wurden Gender-Schreibweisen zu Beginn der 20er Jahre in erster Linie zur Verminderung von Lücken beim Blocksatz eingeführt

  5. Gravatar of barn barn
    19. June 2007 at 11:21

    helge, tut mir leid, es handelt sich um ein missverständnis. denn du beziehst dich auf eine grammatikalische kategorie, die so nicht auf geschlecht übertragbar ist. das wort “person” bezieht sich nicht auf frauen, weil es einen weiblichen artikel hat, sondern schliesst männer und frauen mit ein. “der” mensch oder “der” gast bezeichnet ebenfalls männer und frauen. ein beispiel: studenten bezieht sich auf männer, studierende auf beide geschlechter. frauen als “leser” zu bezeichnen ist deshalb eine marginalisierung. frauen sichtbar zu machen ist ein wesentliches moment der emanzipation.
    ich habe mich bei meiner antwort aber auf außergrammatikalisches bezogen. allerdings gibt es natürlich schon eine verbindung zur grammatik: “In der Grammatik wird das Geschlecht der Möglichkeit der Klassifizierung von Phänomenen verstanden, als ein gesellschaftlich vereinbartes System der Unterscheidung und nicht als objektive Beschreibung inhärenter Wesenszüge.” (Joan Scott)
    wenn du von zwei biologischen geschlechtern sprichst, fände ich es interessant, wie du hermaphroditismus bzw das phänomen der intersexualität erklärst :) .
    im ernst, wichtig ist ein bewusstsein dafür zu schaffen, dass wir es uns nicht allzu leicht machen sollten, die diskussion ist einfach komplexer.

  6. Gravatar of helge helge
    19. June 2007 at 14:25

    liebe(r?) barn, (btw, echte namen, auch bei den postings, würden dieses blog meiner meinung nach aufwerten!)

    ich gebe dir recht, dass das thema ein komplexes ist, und sich in grammatik auch die ungerechtigkeit vergangener jahrhunderte manifestiert. es ist auch symbolträchtig, dass das grammatikalische genus, das personen beschreiben (nämlich alle, die auf -er enden), meist männlich ist.

    auch wenn die diskussion über diese tatsachen (auch unsere hier) im sinne der emanzipation wichtig ist, kann ich mich für binnen-i und andere lösungen trotzdem nicht erwärmen. denn die abschaffung der unterscheidung zwischen grammatikalischen und biologischen geschlechtern schadet letzten endes besonders den frauen – eben durch die mehrheitlich männlichen standardformen (die dann nur noch uns männern “gehören”).

    so wie wir österreicher uns nur deswegen nicht auch als deutsche (im sinne von deutschsprechenden) sehen, weil es ein land namens “deutschland” gibt, was zur verwechslung der beiden bedeutungen von “deutscher” führt, so liegt das problem der verwechslung zwischen grammatikalischem und biologischen geschlecht nur daran, dass die deutsche sprache drei artikel kennt, an denen dieses geschlecht sichbar wird. im englischen gibt es nur “the”, darum käme niemand auf die idee (meines wissens), dem grammatikalisch ebenfalls männlichen “the reader” ein weibliches “the readeress” gegenüberzusetzen.

    in diesem sinne ist es zwar legitim, die entscheidung von “österreich”, seiner leserinnen mit “leser” anzusprechen, infrage zu stellen – einen echten journalistischen fehler kann ich aber nicht entdecken.

  7. Gravatar of helge helge
    19. June 2007 at 14:29

    ps. wer rechtschreibfehler findet (davon sind mir eben ein paar passiert), darf sie behalten.

  8. Gravatar of Daniel Daniel
    20. June 2007 at 09:06

    Lieber Helge,

    du hast recht, ich hätte zumindest meinen namen verlinken sollen. jetzt ist es auf jeden fall eindeutig (barn=daniel).

    zwei sachen können so nicht stehengelassen werden: zum einen ist die -er sache genau der springende punkt. denn alle wörter mit -er bezeichnen männer und all diesen wörtern kann sehr leicht ein -innen angehängt werden. somit werden frauen sichtbar. und mal ehrlich, auch wenn du kein freund vom binnen-i bist, ist es zuviel verlangt “leser und leserinnen” zu schreiben, oder “leserinnen” zu schreiben, wenn uschi fellner weibliche personen meint?
    zum anderen, sicher es ist kein journalistischer fehler, aber gender mainstreaming ist kein spaß, sondern seit 1997 (amsterdamer vertrag) offizielles ziel der EU.

  9. Gravatar of helge helge
    20. June 2007 at 10:47

    hallo daniel, was ich meine ist: wer bei allen wörtern auf -er ein “und -innen” anhängt, der nimmt dem wort auf -er die biologisch übergeschlechtliche bedeutung. das finde ich schade – und schadend.

  10. Gravatar of medienschelte.at » Geschlechtsneutrale Sprache auf ÖSTERREICHisch medienschelte.at » Geschlechtsneutrale Sprache auf ÖSTERREICHisch
    11. February 2008 at 18:37

    [...] waren wir ja davon überzeugt, dass ÖSTERREICH keinen Wert auf geschlechtsneutrale Sprache legt. Doch anscheinend fehlte bisher nur ein Grund, mal so richtig [...]

  11. Gravatar of ma ma
    30. March 2008 at 16:00

    @ ma
    18. Juni 2007 um 22:56
    “…. übrigens: ursprünglich wurden Gender-Schreibweisen zu Beginn der 20er Jahre in erster Linie zur Verminderung von Lücken beim Blocksatz eingeführt”

    gibt es hierzu eine Quelle? vielen Dank für Hinweise

  12. Gravatar of medienschelte.at » Homo-Ehe für Schwule medienschelte.at » Homo-Ehe für Schwule
    27. April 2008 at 12:53

    [...] hatten die Diskussion bereits. Deshalb, eh schon wissen: Homosexuelle Frauen sind selbstverständlich auch gemeint. Und [...]

  13. Gravatar of Monika Monika
    28. April 2008 at 12:43

    @helge: Meine Nachbarin (wäre mittlerweile wohl 100) unterschied dreierlei: “Katze”, das war die Katze als Tierart. “Kater” war das männliche Tier, und “Kätzin” das weibliche.

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