Archive for June 2007

 
 

Wenn ÖSTERREICH Erfolge feiert

Seit 10. Juni nun berichtet ÖSTERREICH über “Parksheriffs”, die im Volks- und Burggarten das Liegeverbot auf den Wiesen kontrollieren. Bis gestern schließlich ein erster Erfolg zu verzeichnen war.

Erfolg

Ausriss: ÖSTERREICH

Was war passiert?

Die Diskussion entzündete sich, seitdem Gerd Koch, Verwalter der Bundesgärten, das Liegeverbot im Burggarten mithilfe von patroullierenden Security-Angestellten durchsetzen will. Seitdem werden alle, die außerhalb der Liegewiese im Gras sitzen vom Sicherheitsdienst angewiesen die Liegewiese zu benutzen, im schlimmsten Fall auch angezeigt.

ÖSTERREICH machte auf das Thema aufmerksam und kritisierte die Aktion sehr deutlich. Soweit kein Problem.

Unter anderem wählte ÖSTERREICH Titel wie:

Bund will die Wiener aus den Parks vertreiben

Auch schreckte ÖSTERREICH nicht davor zurück Leute auf der Liegewiese im Burggarten zu fotografieren, auf der liegen erlaubt ist,  und zu untertiteln mit:

Sonnenanbeter wollen sich von den Bundesgärten das Recht, in den Parks der City zu liegen, einfach nicht nehmen lassen.

Liegeverbot

Ausriss: ÖSTERREICH

[Unkenntlichmachung von uns]

Gestern nun ein erster Höhepunkt der Diskussion. SP-Umweltstadträtin Ulli Sima kündigte an, die Grünanlagenverordnung zu ändern, und das Liegeverbot in den städtischen Parks aufzuheben. Im Interview betonte sie:

Denn Wien exekutiert das antiquierte Liegeverbot auf 1.400 städtischen Grünflächen und Wiesen ohnehin längst nicht mehr.

Und auch im Standard hieß es dazu:

Damit werde nur der Status quo legalisiert, denn das Liegeverbot sei schon lange nicht mehr exekutiert worden.

Gut, das heißt, es ändert sich zwar nichts, dafür fällt die veraltetete Verordnung. Was wird mit den Bundesgärten Volks- und Burggarten? Richtig, hier ändert sich nichts, denn diese sind keine städtischen Parkanlagen, sondern Bundesgärten. Hier wird auch weiterhin die Einhaltung des Liegeverbots kontrolliert.

Fassen wir zusammen: Der Erfolg besteht also darin, dass ein Gesetz abgeschafft wird, welches seit Jahren nicht mehr exekutiert wird, während sich im Burggarten, an dem sich die Diskussion aufhängt, alles beim Alten bleibt.

Tja, so sieht also ein ÖSTERREICHischer Erfolg aus.

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ÖSTERREICH auf einem Festival

Am Wochenende fand mit dem Nova-Rock einer der Festival-Höhepunkte des Jahres statt. Klar, ÖSTERREICH war auch dabei, es gibt schließlich täglich eine Menge Seiten zu füllen.

Warum sich ÖSTERREICH bei der Zahl der Festivalbesucher nicht entscheiden kann, ist seltsam. Die Zahl schwankt zwischen 150.000 und 160.000, und wir würden nichts sagen, hätte ÖSTERREICH am Sonntag nicht beide Versionen in einer Ausgabe untergebracht. Beim Teaser auf der Vorderseite heißt es noch:

160.000 Fans sind in bester Stimmung beim Nova Rock.

Während der Bericht im Blattinneren betitelt war mit:

Besucher ÖSTERREICH
Ausriss: ÖSTERREICH

Vielleicht wollte ÖSTERREICH aber auch nur auf der Titelseite mit der KRONENZEITUNG mithalten, die zumindest durchgehend von 160.000 Festivalbesuchern schrieb.

Besucher KRONE

Ausriss: KRONE

Am Montag dann der Abschlussbericht. ÖSTERREICH bleibt diesmal konstant bei der Zahl 150.000, dafür hat die Redakteurin an anderer Stelle Recherche eingespart. Im Text schreibt sie:

“Keep that shit on!” jubelte Sänger Mike Shinoda dem tanzenden Publikum zu.

Und wir möchten nicht ausschliessen, dass Mike Shinoda, ein Mitglied von LINKIN PARK, vor allem für die Rap-Parts, Keyboard und Gitarre zuständig, diesen Satz gesagt hat, das dazugehörige Bild zum Beitrag, zeigt jedenfalls ganz sicher nicht Mike Shinoda sondern Chester Bennington, den Sänger von LINKIN PARK.

LINKIN PARK

Ausriss: ÖSTERREICH

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Der große, alte Ehe-Report

ehereport.jpgÖSTERREICH, immer darum bemüht ihre LeserInnen darüber aufzuklären, wie, wer und was sie so sind, startet heute seine große Serie, den Ehe-Report. Reißerische Meldung dazu gleich auf dem Titelblatt:

65 Prozent sind mit Sex unzufrieden

Tja, das klingt ja wirklich ziemlich traurig. Auf der Suche nach den Quellen für solch schockierende Zahlen findet sich dann im Artikel (auch auf oe24.at nachzulesen) der Verweis auf eine Studie des Instituts für Psychologie der Universität Göttingen. Dort waren 51.000 Menschen zu ihrem Sexualverhalten befragt worden.

Nun läuft der Ehe-Report ja unter der Rubrik “Aktuell”. Dass Nomen hier aber nicht Omen sein muss, beweist die Tatsache, dass die zitierte Studie schon im Oktober 2004 zu Ende war. Details zur Studie gibt’s in dieser Pressemittelung des Theratalk-Instituts.

Weiters gibt es im Artikel dann auch diese Passage:

Und geliebt wird in mehr als der Hälfte aller deutschen Betten maximal einmal pro Woche, bei 17 Prozent der befragten Paare kam es im letzten Monat gar nicht mehr zum Liebesakt.

Interessant, denn diese Zahlen kommen in der oben angegebenen Pressemitteilung gar nicht vor. Dafür aber in einer vom 28.11.2005. In dieser steht u.a. das hier:

Wer mit seinem Partner schon vier Wochen lang keinen Sex mehr hatte, ist in guter Gesellschaft. Denn 17% der deutschen Paare geht es genau so. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie, die am Institut für Psychologie der Georg-August-Universität Göttingen im Projekt Theratalk durchgeführt wurde. An der Studie nahmen 13483 Männer und Frauen teil, deren Spannbreite von frisch verliebt bis über die goldene Hochzeit hinaus reichte.

Aber der ÖSTERREICH-Artikel hat ja noch mehr zu bieten:

Die Folge: Jede dritte deutsche Ehe wird geschieden. 49 Prozent der Befragten sehen im frustrierenden Liebesleben den Hauptgrund des Scheiterns.

Tja, und die 49 Prozent kommen von dieser Pressemitteilung. Dass dort nur die Rede von Partnerschaftsproblemen ist, allerdings nicht von Scheidung oder Trennung, fällt bei solch willkürlicher Berichterstattung dann gar nicht mehr ins Gewicht.

Und noch was: Wie aufmerksamen LeserInnen vielleicht schon aufgefallen ist, handelt es sich bei diesen diversen Studien um deutsche Studien. Dass Österreich nicht Deutschland ist, umschiffen die zuständigen RedakteurInnen ganz leicht. Und zwar so:

Traurig auch, dass das Problem nicht nur unsere Nachbarn betrifft! Denn österreichischen Paaren geht es sehr ähnlich, so Sexualtherapeutin Brigitte Mooshammer-Peter vom Zentrum für Sexualmedizin Venusmed: “Generell gelten die deutschen Zahlen auch hierzulande.“

So einfach kann Journalismus sein.

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Sammelsurium (8)

Wortkreationen aus dem Boulevard

  • Bezeichnung ÖSTERREICHs vom 17. Juni 2007 für den Besuch von Patricia Riekel (Bunte) und Helmut Markwort (Focus) im ÖSTERREICH-Newsroom bei Wolfgang Fellner.

Blattmacher-Meeting

  • ÖSTERREICH vom 18. Juni 2007 über Wien.

Raeuber-Hauptstadt

  • ÖSTERREICH berichtete am 16. Juni 2007 über Ausschreitungen zwischen Afrikanern und Tschetschenen.

Ethno-Krieg

  • ÖSTERREICH vom 18. Juni 2007 über den Funkverkehr zwischen den Fahrern Lewis Hamilton und Fernando Alonso und ihrem Teamchef Ron Dennis beim letzten Grand-Prix in Indianapolis.

Funk-Krieg

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Ist doch egal

Uschi Fellner hat eine Kolumne in der LIFE&STYLE-Beilage von ÖSTERREICH. Jeden Montag macht sie Platz für Reaktionen der LeserInnen. Auch heute wieder. Das sieht dann so aus:

leser.jpg
Ausriss: LIFE&STYLE

Wieso Uschi Fellner aber darauf besteht, dass die Reaktionen von “Lesern” kommen, nicht aber von “Leserinnen”, wo doch alle Reaktionen von Frauen unterschrieben sind, ist nicht ganz klar.

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Mal ganz unironisch

Diese Meldung findet sich in der heutigen Ausgabe der KRONE:

simpsons.jpg
Ausriss: KRONENZEITUNG

Dass die Menge mit Donuts auf Menschen geworfen hat, stimmt. Dass es sich bei den Beworfenen um “Mitarbeiter des TV-Senders FOX” handelt, ist aber falsch. Und dass es sich bei der Meute um aufgebrachte Einwohner der Stadt Springfield handelt, die damit verhindern wollen, dass die Premiere in ihrer Stadt läuft, ist ebenso falsch.

Im Gegenteil: Alle Beteiligten waren Komparsen für eine Videoproduktion. Das fertige Video soll dann als Bewerbung für das Abhalten der Premiere in Springfield dienen.

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Zeitreise

Dass die LIFE&STYLE-Beilage von ÖSTERREICH manchmal nicht ganz auf der Höhe der Zeit ist, haben wir ja schon mal belegt. Auch heute werden ÖSTERREICH-LeserInnen in der Hinsicht nicht enttäuscht, denn unter “Die Leute des Tages” ist das zu finden:

johntobago.jpg
Ausriss: LIFE&STYLE

Ja, vor Elton Johns Auftritt beim Plymouth Jazz Festival gab es Meldungen, dass Kirchenvertreter dagegen waren, Elton John auftreten zu lassen. Wie “fulminant” das Konzert dann wirklich war, ist nicht klar. Dass es aber schon am 29. April stattfand, schon.

Das Konzert, das die Reporterin wahrscheinlich wirklich meinte, war jenes in Kiew, das Elton John gestern vor 20,000 Menschen spielte. Denn auch dort protestierten im Vorfeld und während des Konzerts orthodoxe ChristInnen gegen den Musiker.

Ein wenig mehr ressortübergreifende Kommunikation wäre da angesagt gewesen, denn die KollegInnen von der Kultur wussten, um welches Konzert es sich wirklich handelt:

johnkiew.jpg
Ausriss: ÖSTERREICH

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“Integriert” oder integriert?

In der heutigen Ausgabe der KRONE findet sich ein Artikel, der sich mit dem Fall einer von Abschiebung bedrohten armenischen Asylwerberfamilie befasst (geschrieben übrigens vom gleichen Redakteur, der EU-Verordnungen ortet, wo keine sind). Die Überschrift dazu sieht so aus:

kroneasylwerber.jpg

Ausriss: KRONENZEITUNG

Die Familie, die vor sechs Jahren einen Asylantrag stellte und im Ort Hohenberg lebt, ist nun von der Abschiebung bedroht. Ihr Asylantrag wurde am 2. Februar abgelehnt. Gegen diese Abschiebung machte sich im Dorf Widerstand breit. Dass die Familie im Ort integriert ist, wird auch im KRONE-Artikel bestätigt:

“Der Mann ist bei uns als Mesner tätig und Mitglied der Feuerwehr”, bestätigt Kommandant Franz Wiesbauer. Die 14-jährige Eveline gilt als Vorzeigeschülerin und steht jeden Sonntag als Ministrantin vor dem Altar.

Wieso dann im Titel mit Anführungszeichen der Eindruck erweckt werden soll, die Armenier seien eigentlich gar nicht integriert, ja sogar nur “zum Schein Vorzeige-Flüchtlinge”, erklärt Journalist Perry dann so:

Denn A.T. [der Vater Anm.] hat einen immerhin vier Punkte umfassenden Strafakt in Niederösterreich.

[Namenskürzung von uns]

Dass die einzige Verurteilung allerdings nur die zu einer Zahlung von 120 Euro war, wird verschwiegen. Und dass eine solche Strafe auch nicht mal im Vorstrafenregister aufscheint, sowieso.

Der eigentliche Stein des Anstoßes kommt aber noch:

Für heftige Kritik sorgt auch der Umstand, dass die Armenier längst kein Paar mehr sind und beide bereits österreichische Lebenspartner haben sollen.

Ja in so einem Fall, wenn AsylwerberInnen sich erdreisten in Österreich nicht mehr zusammenzuleben, da hört’s sich dann natürlich mit der Integration auf.

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