KRONE wittert wieder Wirbel, wo keiner war

Die KRONE-Redakteurin Martina Münzer ließ der Überschrift “Großer Wirbel um eine Moschee” diesen Anfang folgen:

Moscheen erregen den Unmut der Bevölkerung. Wobei der Trick zur Irreführung der Anrainer stets gleich bleibt: Zuerst ist von Kuppel und Minaretten die Rede, um später großzügig eine abgespeckte Form zu präsentieren.

Warum die KRONE solche Behauptungen in den Raum stellen kann, ohne sie zu begründen? Weil es sich in dem Falle um eine, wie es auf Englisch vielleicht heißen würde, self-fulfilling headline handelt.

Eine self-fulfilling headline funktioniert so: Zunächst muss ein Gerücht in die Welt gesetzt werden. Z.b. in der Art: “In Ottakring soll eine Großmoschee errichtet werden”. Das ist kein Problem, hier kann sich sehr leicht bei der FPÖ bedient werden, die beim Thema Islam sowieso in erhöhter Alarmbereitschaft ist. Anschließend wird das Gerücht gedruckt.

Jedoch, wie auch der Standard treffend bemerkte, wetterte die FPÖ gegen ein Projekt, das es gar nicht gibt. Denn niemand weiß vom Bau einer Moschee in Ottakring:

Hein weiß offenbar mehr als die Bezirksvorstehung und die Islamische Glaubensgemeinschaft. Bei beiden ist von derlei Plänen nichts bekannt. “Es gibt keine aktuellen Bauansuchen. Alles, was da behauptet wird, stimmt nach derzeitigem Stand nicht”, ärgert sich der Ottakringer Bezirkschef Franz Prokop (SPÖ). Das seien nur “Zündeleien der Freiheitlichen”. Die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich, Carla Amina Baghajati, spricht von einem “Haufen heißer Luft”. Baghajati: “Wir sind dem nachgegangen. Es ist nichts geplant.”

An diesem letzten Stand hat sich offensichtlich nichts geändert, denn die KRONE bringt in ihrem Bericht keine neuen Informationen. Neuerlich in die Schlagzeilen geriet die Geschichte offenbar, weil Günther Ahmed Rusznak, Generalsekretär des Vereins Islamisches Informations- und Dokumentationszentrums (IIDZ) behauptet, das Islamische Kulturzentrum habe ein Grundstück in Ottakring erworben.

Müsste der eingangs zitierte KRONE-Bericht also nicht besser so heißen:

Gerüchte über eine Moschee erregen den Unmut der KRONE und der FPÖ. Wobei der Trick zur Irreführung der AnrainerInnen und LeserInnen stets gleich bleibt: Von Beginn an wird, selbst wenn es sich nur um das eigene Gerücht handelt, solange gegen Großmoscheen, Kuppelbauten und Minarette gehetzt, bis muslimische Bauvorhaben keinerlei orientalische Äußerlichkeiten mehr aufweisen.

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