Archive for July 2007

 
 

Vom Nutzen und Nachteil autorisierter Interviews für ÖSTERREICH

Dass ÖSTERREICH kein Problem damit hat Interviews in leicht abgeänderter Form abzuschreiben, wissen wir jetzt.

Eine weitere Alternative präsentiert ÖSTERREICH heute im Sportteil. Ein Bericht über Lothar Matthäus ist gespickt mit Zitaten. Und irgendwie entsteht der Eindruck, ÖSTERREICH hätte wohl mit ihm gesprochen. Zumindest gibt es keinerlei Hinweise darauf, woher ÖSTERREICH die wörtlichen Zitate nimmt.

Mit Trap hat das nicht geklappt. Mattäus dazu: “Mit ihm war es sehr schwierig. Ich hatte andere Vorstellungen. Wir kamen nicht zusammen.”

Und am Ende des Artikels heißt es, um noch ein weiteres Beispiele zu nennen:

Zwischen Matthäus und dem FC Bayern gibt es inzwischen keine Funkstille mehr. “Die Irritationen sind längst abgelegt.”

Das Interview gab Matthäus allerdings nicht ÖSTERREICH, sondern der Münchner AZ. Andere Zeitungen, die aus dem Interview zitieren, haben übrigens kein Problem damit, die Quelle zu nennen.

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Sammelsurium (11)

Wortkreationen und Überschriften ÖSTERREICHs zum Thema “Wetter” an nur einem Tag (17. Juli 2007)

Hitze 1

Zählen die Überschriften bereits zu den Sommerlöchern?

Hitze 2

Hitze 3

Wie könnte da eine mögliche Steigerung aussehen?

Hitze 4

Sind Superlative wirklich immer glaubwürdiger?

Hitze 5

Hitze 6

Auch vor dem Bawag-Prozess macht die Hitze keinen Halt

karibikhitze.jpg

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Simpsons-Experten

DER STANDARD brachte in der gestrigen Ausgabe ein Interview mit dem Schöpfer der “Simpsons”, Matt Groening. Geführt wurde das Interview von Dieter Oßwald. In diesem Interview fielen u.a. folgende Sätze:

Uns hat der Stil von zweidimensionaler Animation schon immer gut gefallen, inzwischen ist das leider fast ausgestorben. Die Simpsons waren die letzte Show, die vollkommen von Hand gezeichnet wurde. Bis heute werden die Figuren und die Hintergründe bei uns auf diese Art gezeichnet, lediglich die Farben werden später digital eingefügt. Inzwischen ist es schwierig geworden, Künstler zu finden, die auf diese Weise noch arbeiten. Aber mir gefällt diese Nichtperfektion, das ist wie Jazz.

Oder nachdem Groening erzählt hat, dass der Plan für einen “Simpsons”-Kinofilm schon seit 1993 bestand, gibt Groening dann folgende Antwort auf die Frage, wieso der Film dann erst so spät gemacht wurde:

Wir hatten nicht genügend Leute, deswegen wurde das Projekt immer wieder verschoben. Im November 2003 fiel dann schließlich der Startschuss – und es hat vier lange Jahre gedauert, bis die Simpsons endlich auf die Leinwand kommen. Wir haben immer wieder neue Fassungen geschrieben, weil wir ein Produkt machen wollten, das dem Geist der TV-Serie gerecht wird.

Und in der heutigen Ausgabe von ÖSTERREICH steht ein Artikel der so betitelt wird:

“Die Simpsons? Sie sind wie guter Jazz”

Und im Aufmacher zum Artikel steht das:

ÖSTERREICH sprach mit Matt Groening, dem Erfinder der Simpsons, über den ersten Kinofilm seiner TV-Familie.

Und im Artikel ist dann dieses Zitat zu lesen:

Ich liebte schon immer die althergebrachte 2-D-Technik, und die Simpsons waren tatsächlich die letzte TV-Serie, die komplett von Hand gezeichnet wurde. Heute werden die Zeichnungen immer noch von Hand gemacht, aber dann in den Computer eingescannt und digital koloriert.

Und gleich darauf, in Bezug auf die Zeit die der Film auf sich warten hat lassen:

Der Plan existiert seit den frühen 90er Jahren. Damals hatten wir aber noch nicht die nötige Anzahl von Mitarbeitern, um das zu schaffen. Erst 2003 nahm das Projekt Gestalt an. Wir haben das Script sehr oft umgeschrieben, weil wir wollten, dass Die Simpsons – Der Film wirklich gut wird.

[Hervorhebungen in allen Zitaten von uns]

Interessant, dieser Zufall, dass genau einen Tag nach der Veröffentlichung des Interviews im STANDARD, ÖSTERREICH auch ein Gespräch mit Groening führt, das nicht nur die gleichen Fragen, sondern auch beinahe identische Antworten enthält.

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Irren ist menschlich, allzumenschlich

Geirrt hat sich dieser Tage eine Salzburger Lehrerin, die eine Matura-Mathematik-Aufgabe stellte, die nicht lösbar war.

Geirrt hat sich auch eines der beiden Boulevardblätter, das beim Interview mit Landesschulratspräsident Herbert Gimpl offenbar nicht richtig zugehört hat.

Denn während es in der KRONENZEITUNG heißt:

Konsequenzen für die Lehrerin gibt es nicht: “So ein Fehler kann passieren”, sagt Landesschulrats-Präsident Herbert Gimpl. “Die eine Aufgabe wurde einfach nicht gewertet.”

Schreibt ÖSTERREICH:

“Es handelt sich um menschliches Versagen. Doch so etwas darf einfach nicht passieren”, sagt Landesschulratspräsident Herbert Gimpl. [...] Auf die Mathematiklehrerin kommt jetzt auch eine Prüfung zu – durch die Dienstrechtbehörde. “Personelle Konsequenzen können wir nicht ausschließen,” so der Landesschulratspräsident.

Auf die Boulevardblätter kommt jetzt eine Prüfung zu – durch medienschelte.at. “Personelle Konsequenzen können wir aber ausschließen!”

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ÖSTERREICH lässt’s sich schmecken

Bäcker Felber verwöhnt ÖSTERREICH-Redaktion

So sieht die Überschrift zu einer Meldung in der Lokalbeilage zur heutigen Ausgabe von ÖSTERREICH aus. Präsentiert wird die Meldung in der Rubrik “Wien von Innen”. Tja, und so sieht Wien wohl aus:

Der Felber bäckt selber! Und das jeden Tag frisch – davon konnte sich die gesamte ÖSTERREICH-Redaktion überzeugen. Mit frischen Kipferln, Kornspitz und dem beliebten Österreich-Brot ging es gestärkt in die Redaktionssitzung.

In der dann wohl auch gleich beschlossen wurde, die klare Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten abzuschaffen.

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Notiz (4)

Die KRONENZEITUNG schreibt heute in einem Titel:

Vargas für 20 Spiele gesperrt, Meister agierte dennoch souverän

Interessant ist an dieser Nachricht, dass sich hier anscheinend Bezüge herstellen lassen, die nicht einmal auf den zweiten Blick ins Auge fallen.

Der chilenische Fußballspieler Jorge Vargas spielt für Red-Bull Salzburg in der T-Mobile-Bundesliga. In der Nacht zum vergangenen Donnerstag sollen Vargas und fünf seiner Teamkollegen der chilenischen Nationalmannschaft, bei einem Trinkgelage in einem Hotelzimmer randaliert und Personal belästigt haben. Dafür wurden die Spieler jetzt vom chilenischen Verband für 20 Spiele gesperrt.

Um nochmal auf die Überschrift zurückzukommen. Die Sperre gilt nur für Länderspiele, hat also keinerlei Auswirkungen auf seine Bundesliga-Einsätze, und der Chilene hat beim Saisonauftakt, aufgrund seines Einsatzes bei der Copa America, gar nicht gespielt. Warum spielte der Meister beim 4:1-Erfolg gegen Altach zum Bundesliga-Auftakt dann dennoch souverän?

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Wie, was, Hof-Intima?

Prinz-William und Kate: Jetzt offiziell wieder ein Liebespaar.

Das ist die Überschrift zu einer Meldung in der heutigen Life&Style-Beilage von ÖSTERREICH. Dass die hellseherischen Fähigkeiten von ÖSTERREICH sie diesmal im Stich gelassen haben, sei hier nur nebenbei erwähnt. Interessanter ist eigentlich dieser Teil der Meldung:

Hof-Intima Cindy Jackson zu ÖSTERREICH: “Will und Kate waren, wenn überhaupt, nur vier Tage getrennt. Der Prinz wollte den öffentlichen Druck von ihr nehmen. Das hat auch funktioniert.” Nachsatz: “Sie sind sich jetzt über ihre Beziehung im Klaren.”

Ah, da ist sie wieder, die mysteriöse Cindy Jackson, die auch schon in diesem Artikel zu Kate Moss als “Society-Intima” zitiert wurde. Fälschlicherweise, denn das Gesagte kam nicht von ihr, sondern einer gewissen Liz Jones.

Da stellt sich dann natürlich die Frage, wie weit kann den RedakteurInnen des Life&Style bei solchen Zitaten vertraut werden? Könnte es vielleicht sogar sein, dass die Meldung “zu ÖSTERREICH” in Wirklichkeit gar nicht zu ÖSTERREICH und auch nicht von Cindy Jackson kam? Mal sehen.

Da gibt es diese Meldung einer britischen Klatsch-Website vom 1.Juli, dass eine anonyme Quelle dem Blatt “News of the World” sagte, die beiden wären gerade mal vier Tage getrennt gewesen. Der Rest der Meldung ist eine längere, leicht abgewandelte Version des von Cindy Jackson angeblich Gesagten.

Interessant, da gibt es also nun eine Dame, die von ÖSTERREICH gerne zitiert wird, deren Zitate aber nie von ihr stammen. Weiters ist es auch verwunderlich, dass eine Dame, die angeblich nicht nur “Hof-” sondern auch “Society-Intima” ist, im Internet kein einziges Mal zu irgendeiner Society oder Hof-Frage zitiert wird.

Die einzige bekannte Person namens Cindy Jackson, die das große, weite Internet kennt, ist eine britische Dame, deren Bekanntheit darauf beruht, dass sie im Guinness Buch der Rekorde als die Frau mit den meisten kosmetischen Operationen firmiert.

Es soll jetzt hier gar nicht behauptet werden, diese “Society-Intima” sei fiktiv. Allerdings ist dieses kleine Beispiel aus der Welt des akademischen Wissenschaftsbetriebs angebracht: Anhand des Impact Factors, über den das Ansehen einer wissenschaftlichen Publikation berechnet wird, wird die Bedeutung der darin publizierenden WissenschaftlerInnen gemessen. Wäre Cindy Jackson eine Wissenschaftlerin, nun, ihre Bedeutung und damit auch Glaubwürdigkeit wäre verschwindend gering.

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KRONE wittert wieder Wirbel, wo keiner war

Die KRONE-Redakteurin Martina Münzer ließ der Überschrift “Großer Wirbel um eine Moschee” diesen Anfang folgen:

Moscheen erregen den Unmut der Bevölkerung. Wobei der Trick zur Irreführung der Anrainer stets gleich bleibt: Zuerst ist von Kuppel und Minaretten die Rede, um später großzügig eine abgespeckte Form zu präsentieren.

Warum die KRONE solche Behauptungen in den Raum stellen kann, ohne sie zu begründen? Weil es sich in dem Falle um eine, wie es auf Englisch vielleicht heißen würde, self-fulfilling headline handelt.

Eine self-fulfilling headline funktioniert so: Zunächst muss ein Gerücht in die Welt gesetzt werden. Z.b. in der Art: “In Ottakring soll eine Großmoschee errichtet werden”. Das ist kein Problem, hier kann sich sehr leicht bei der FPÖ bedient werden, die beim Thema Islam sowieso in erhöhter Alarmbereitschaft ist. Anschließend wird das Gerücht gedruckt.

Jedoch, wie auch der Standard treffend bemerkte, wetterte die FPÖ gegen ein Projekt, das es gar nicht gibt. Denn niemand weiß vom Bau einer Moschee in Ottakring:

Hein weiß offenbar mehr als die Bezirksvorstehung und die Islamische Glaubensgemeinschaft. Bei beiden ist von derlei Plänen nichts bekannt. “Es gibt keine aktuellen Bauansuchen. Alles, was da behauptet wird, stimmt nach derzeitigem Stand nicht”, ärgert sich der Ottakringer Bezirkschef Franz Prokop (SPÖ). Das seien nur “Zündeleien der Freiheitlichen”. Die Sprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreich, Carla Amina Baghajati, spricht von einem “Haufen heißer Luft”. Baghajati: “Wir sind dem nachgegangen. Es ist nichts geplant.”

An diesem letzten Stand hat sich offensichtlich nichts geändert, denn die KRONE bringt in ihrem Bericht keine neuen Informationen. Neuerlich in die Schlagzeilen geriet die Geschichte offenbar, weil Günther Ahmed Rusznak, Generalsekretär des Vereins Islamisches Informations- und Dokumentationszentrums (IIDZ) behauptet, das Islamische Kulturzentrum habe ein Grundstück in Ottakring erworben.

Müsste der eingangs zitierte KRONE-Bericht also nicht besser so heißen:

Gerüchte über eine Moschee erregen den Unmut der KRONE und der FPÖ. Wobei der Trick zur Irreführung der AnrainerInnen und LeserInnen stets gleich bleibt: Von Beginn an wird, selbst wenn es sich nur um das eigene Gerücht handelt, solange gegen Großmoscheen, Kuppelbauten und Minarette gehetzt, bis muslimische Bauvorhaben keinerlei orientalische Äußerlichkeiten mehr aufweisen.

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