Archive for July 2007

 
 

Geheim und versteckt

Dass die Redaktion von ÖSTERREICH ihre ganz eigene Semantik hat, ist uns mittlerweile bewusst. Da wundert es uns auch nicht, wenn die heutige Titelseite mit diesem Aufmacher daherkommt:

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Ausriss: ÖSTERREICH

Ja, da gibt es doch wirklich eine Liste der Abgeordneten, die einen Zweitjob haben. Und diese Liste kann von allen eingesehen werden, die den Weg zum Portier des Parlaments finden. Im Inneren des Blattes geht es weiter:

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Ausriss: ÖSTERREICH

Und im Artikel ist dann das hier zu lesen:

Die Liste liegt unbeachtet beim Parlamentsportier und darf nicht kopiert werden.

Das erklärt dann das Wort “geheim” im Titel, denn die Existenz eines Portiers im Parlament ist ja nur den innersten Kreisen der parlamentarischen Granden bekannt.

Da bedarf es natürlich eines ziemlichen Gewaltaktes, um die Geschichte auch als tauglich für das Titelblatt zu verkaufen. Und darum meldet sich dann sogar Wolfgang Fellner zu Wort, der u.a. im Vergleich zu Deutschland Folgendes meint:

Bei uns steht die Liste nicht im Internet – sondern sie liegt beim Portier (!) des Parlaments auf. Gut versteckt.

Tja, und selbst wenn Wolfgang Fellner es nochmals schreibt, eine Liste, die öffentlich zugänglich ist, ist weder geheim noch versteckt.

Und übrigens, die Liste der deutschen Abgeordneten, die jetzt auch im Internet ersichtlich ist, gibt es in der Form erst seit einigen Tagen. Die Liste der österreichen Abgeordneten hingegen, existiert, wie ÖSTERREICH selbst schreibt, seit 1997.

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Sammelsurium (10)

Wortkreationen und Fragwürdiges aus der Welt des Boulevard

  • Untertitel eines Phantombildes aus der KRONE vom 5. Juli 2007

Phantombild

  • ÖSTERREICH am 4. Juli 2007 über einen Erbstreit unter Geschwistern

Traktor-Attentat

  • ÖSTERREICH am 4. Juli 2007 über das Ergebniss einer internationalen Konferenz zum Klimawandel. Laut einer neuen Studie kann der Prozess der Schneeschmelze in den Alpen nicht mehr aufgehalten werden, so dass in den nächsten 30 Jahren 50 Prozent der Alpengletscher geschmolzen sein werden. Diese Erkenntnis hatte allerdings nur für ÖSTERREICH schockierende Folgen. Derartige Szenarien trafen viele nicht so überraschend.

Alpen-Schock

  • ÖSTERREICH am 27. Juni 2007 über die Freilassung von Paris Hilton. Vielleicht bezieht sich ÖSTERREICH auch auf die eigene Berichterstattung zu dem Thema.

Medien-Fieber

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Notiz (3)

Gestern durfte sich Peter Westenthaler in der KRONENZEITUNG mit einem Gastkommentar zur EU äußern.

Unter dem Titel Unser gutes Geld für schlechte EU? schreibt er unter anderem, dass Bevormundungspolitik in der EU auf der Tagesordnung stehe, und die Einmischung kaum noch Grenzen kenne.

Das reicht von der Normierung der Marmelade bis hin zum sonderbaren Verbot, dass Pkw nicht schneller als 160 km/h fahren dürfen.

Poly-Hygien-Tranchier-Schneidbretter stehen jedenfalls nicht mehr zur Debatte.

Österreich, so Westenthaler, sei von dieser Einmischungspolitik besonders betroffen.

Wir sind zwar mit 300 Millionen Euro aus Steuergeldern jährlich einer der größten Nettozahler, liegen aber an Stimmgewicht nur an 15. Stelle.

Nun, Westenthaler interpretiert Statistiken zum EU-Haushalt wohl eher eigenwillig. Nur in zwei Punkten ist ihm zuzustimmen. Österreich steuerte 2004 und 2005 ungefähr 300 Millionen netto zum EU-Haushalt bei, und ist damit Nettozahler.

Allerdings, wie Westenthaler darauf kommt Österreich als einen der größten Nettozahler zu bezeichnen, bleibt uns ein Rätsel. Denn in absoluten Zahlen zahlen nur Luxemburg, Dänemark und Finnland weniger als Österreich. Im Vergleich zahlten 2005, unter anderem, Schweden mehr als 1 Milliarde und Belgien mehr als 500 Millionen. Prozentual, gemessen am Bruttonationaleinkommen, zahlen sogar nur zwei (Geber-)Länder (Großbritannien und Finnland) weniger als Österreich.

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Sodom und Gomorrha

Dass die KRONE vorgestern ein menschenverachtendes Gedicht zur Regenbogenparade abdruckte wäre sicher Grund genug für einen Beitrag gewesen, wenn das Gedicht nicht im FREIEN WORT erschienen wäre.

Hilfe, ich bin nicht normal! Bin ein hoffnungsloser Fall! Muss mich grenzenlos genieren, darf nicht vorne mitmaschieren! [...] “Homos” hier und “Homos” dort, “Homos” klingt´s in einem fort. [...] Kriege, Leute, braucht es nicht, weil doch vieles dafür spricht, dass der Welt in naher Zeit Menschen fehlen, weit und breit! Weil die “Homos”, die verblieben, sich beherzt zu Tode lieben! Und statt Menschen aufmaschieren Affen, stolz, auf allen Vieren! (Willibald Z.)

Doch auch Wolf Martin konnte sich nicht länger zurückhalten, und so reimt er heute seine Gedanken zur Regenbogenparade in den Wind.

Wolf Martin 2

Ausriss: KRONENZEITUNG

Wer Homosexualität noch immer als Abart und Irrtrieb bezeichnet, hat nur wenig dazugelernt. Es zeigt, dass die Arbeit der HOSI in Wien, gegen Diskriminierungen, umso dringender ist.

In diesem Fall kann sich die KRONE auch nicht mit der Blattlinie herausreden, nach der es heißt:

Richtung der Zeitung: Die Vielfalt der Meinungen ihres Herausgebers und der Redakteure.

Denn in diesem Fall handelt es sich recht klar um eine Diskriminierung, die unter anderem nach dem EHRENKODEX FÜR DIE ÖSTERREICHISCHEN PRESSE den Persönlichkeitsschutz verletzt.

Der Persönlichkeitsschutz ist zu wahren. Persönliche Diffamierungen, Verunglimpfungen und Verspottungen sollen genauso vermieden werden wie Pauschalverdächtigungen und Pauschalverunglimpfungen und Diskriminierung aus rassischen, religiösen, nationalen, sexuellen, oder sonstigen Gründen.

[Hervorhebung von uns]

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In Schilda

ÖSTERREICH, die Tageszeitung die gern mal auf fahrende Züge aufspringt, hat sich die Diskussion um den Wildwuchs bei Verkehrsschildern zu Herzen genommen, und eine neue Aktion ins Leben gerufen. Leser und Leserinnen sollen Fotos der “dümmsten Verkehrs-Tafeln” an die Redaktion schicken. Diese werden dann in der Print- und Online-Ausgabe der Zeitung veröffentlicht.

Heute sind u.a. diese beiden Fotos zu sehen:

schilderwald1.jpg
Ausriss: ÖSTERREICH

Ja, irgendwie echt lustig, diese vielen Schilder. Dass die Schilder allerdings nicht besonders “dumm” sind, scheint die Redaktion nicht zu stören. Im oberen Bild ist das Schild, das den Parkscheinautomaten ausweist, ja kein eigentliches Verkehrsschild, sondern nur ein Hinweis für Personen, die einen Parkschein lösen wollen. Und dass das nur zu Fuß und nicht aus dem fahrenden Auto heraus passieren kann, sollte selbst der Redaktion von ÖSTERREICH klar sein.

Und das zweite Bild wird ja eigentlich schon erklärt:

Einfahrt verboten oder doch erst nach 70 Metern?

Ja, die Einfahrt ist erst nach 70 Metern verboten. Bleiben 70 Meter auf denen nach Herzenslust längs geparkt werden kann.

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Notiz (2)

Die KRONE berichtet heute kurz über den Rücktritt des japanischen Verteidigungsministers Fumio Kyuma:

Japans Verteidigungsminister Kyuma musste zurücktreten, weil er den Atombombeneinsatz der USA gegen Hiroshima und Nagasaki als unvermeidbar bezeichnet hatte, um den Krieg rasch zu beenden. Ihm folgt im Amt eine Frau nach.

Nur der Vollständigkeit halber, und weil es die KRONENZEITUNG offenbar nicht für erwähnenswert hielt. Die Frau heißt Yuriko Koike und sie würde als erste Frau das Verteidigungsministerium übernehmen.

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Jenseits von Gut und Böse

Wie jeden Tag veröffentlicht die KRONENZEITUNG natürlich auch heute ein Gedicht von Wolf Martin. Wie wir finden, lehnt er sich diesmal mit seinen Behauptungen ein bisschen weit aus dem Fenster.

Denn diese Zeilen hat er heute in den Wind gereimt:

Wolf Martin

Ausriss: KRONENZEITUNG

Vielleicht hat Wolf Martin die Diskussion um den inhaftierten Marco Weiss nicht richtig verfolgt, aber der Deutsche wurde nicht verhaftet, weil die beiden “rumgemacht” haben, sondern weil der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs im Raum steht.

Und sexueller Missbrauch an einer Minderjährigen “bewirkt” nicht nur in der Türkei “Kerker”, sondern auch in Österreich.

So zitiert etwa SPIEGEL-ONLINE Christoph Frank, den Vorsitzenden des deutschen Richterbundes, der meinte, dass auch in Deutschland bei einem solchen Geschehen im Prinzip nichts anderes gelte als in der Türkei.

Wenn der Fall in Deutschland spielte, käme selbst bei einem Jugendlichen, wenn er seinen Wohnsitz im Ausland hat, auch bei uns Untersuchungshaft wegen Fluchtgefahr in Betracht.

Dass die KRONE diese Geschichte nutzt, um Stimmung gegen einen EU-Beitritt der Türkei zu machen, ist bezeichnend. Aber wohl nicht verwunderlich.

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Wo die Liebe hinfällt…

Das ist heute auf dem Titelblatt von ÖSTERREICH zu bewundern:

dianatribute.jpg
Ausriss: ÖSTERREICH

Wie in der Life&Style-Beilage dann auch nachzulesen ist, findet heute wirklich ein Konzert zu Ehren der verstorbenen Prinzessin Diana statt. Was sich im Beitrag dazu allerdings nicht findet, ist ein Hinweis auf diesen Satz:

und Prinz William verliebt sich in Joss Stone

Wieso steht er dann dort? Vielleicht, weil die RedakteurInnen bei ÖSTERREICH wieder mal ihre hellseherischen Fähigkeiten austesten wollen? Oder fanden sie es einfach zu langweilig zu schreiben, dass das von ihnen gedruckte Bild Prinz William und Joss Stone nach einer Probe zum heutigen Konzert im Wembley Stadion zeigt?

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