Archive for August 2007

 
 

Spurensuche mit Widersprüchen (2)

Nachdem sich gestern ÖSTERREICH im “Psychogramm” des mutmaßlichen Kannibalen immerhin fünf Jahre Vorsprung gegenüber der KRONENZEITUNG erarbeitete, legte diese heute nach.

Zur Erinnerung:

ÖSTERREICH titelte gestern “Mutter konnte Zwölfjährigen nicht mehr bändigen” und schrieb:

Bereits als 12-Jähriger war der mutmaßliche Kannibale von Wien in psychiatrischer Behandlung. Seine kaputte Seele ist vermutlich auch das Motiv für die Horrortat von Fünfhaus.

Während die KRONENZEITUNG versuchte einen Zeitpunkt der Veränderung festzumachen, wählte sie jedoch ein späteres Alter.

“Ab seinem 17. Geburtstag wurde er immer merkwürdiger …”

Heute zitiert Die KRONENZEITUNG den gleichen Ermittler, den ÖSTERREICH bereits gestern für ein kleines Interview gewann, legte aber dafür bei den FreundInnen und Bekannten des mutmaßlichen Täters nach. Ein Freund aus Jugendtagen, eine ehemalige Klassenkollegin und auch eine frühere Lehrerin wurden unter anderem befragt.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die KRONENZEITUNG konnte den Vorprung nicht nur egalisieren, sondern geht klar in Führung:

Aber er war glücklich, fröhlich, lachte viel und laut.

Bis er acht Jahre alt wurde, da veränderte sich Robert von einem Tag auf den anderen.

[Hervorhebung von uns]

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Preisfrage!

Die KRONENZEITUNG lässt heute kein gutes Haar an Andrea Kdolsky, Ministerin für Gesundheit, Familie und Jugend. Auf dem Titelblatt heißt es:

Vorsprung auf SPÖ fast verspielt:

Kdolsky ist für ÖVP Belastung

So soll laut einer Umfrage die Selbstdarstellung der “kondomverteilenden Familienministerin” Kdolsky einer der Hauptgründe dafür sein, dass der Vorsprung der ÖVP gegenüber der SPÖ von fünf Prozent auf nur mehr einen Prozentpunkt geschmolzen ist.

Aber was ist aus Sicht der KRONENZEITUNG noch schlimmer als eine Ministerin, die Kondome verteilt und ihr Liebesleben offenlegt?

Eine Lesbe.

Zumindest reimte Wolf Martin heute folgende Zeilen in den Wind:

[...]

Darum werden Zweifel laut, bei den Schwarzen allzumal, ob Frau Kdolsky beste Wahl. Nächstens gibt´s noch, geht´s so weiter, eine Lesbe – das wird heiter!

[Hervorhebungen von uns]

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Spurensuche mit Widersprüchen

ÖSTERREICH und die KRONENZEITUNG gaben sich sehr viel Mühe die Vergangenheit des mutmaßlichen Kannibalen Robert A. (nur die KRONENZEITUNG verrät seinen Nachnamen) auszuforschen. Die beiden Zeitungen kommen allerdings zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Kannibale_1

Ausriss: ÖSTERREICH

Bereits als 12-Jähriger war der mutmaßliche Kannibale von Wien in psychiatrischer Behandlung. Seine kaputte Seele ist vermutlich auch das Motiv für die Horrortat von Fünfhaus.

Zur Sicherheit zitiert ÖSTERREICH eine Mitarbeiterin des Jugendamtes und druckte ein kleines Interview mit einem Ermittler.

Tja, aber dafür sprach die KRONENZEITUNG exklusiv mit einem Freund der Familie, und der wusste ganz andere Dinge zu berichten.

Kannibale_3

Ausriss: KRONENZEITUNG, Unkenntlichmachung von uns

Lustig war er, fröhlich, ein normales Kind, das anderen Streiche spielte und die Schule schwänzte. “Und dann hat sich für Robert alles verändert”, sagt ein Freund der A[...]s. “Ab seinem 17. Geburtstag wurde er immer merkwürdiger …”

Eine der beiden Zeitungen hat da wohl nicht intensiv genug recherchiert gestern, so hat ÖSTERREICH immerhin fünf Jahre Vorsprung gegenüber der KRONENZEITUNG in ihrem Täter-”Psychogramm”, wobei andererseits ein Freund der Familie auch nicht schlecht ist.

To be continued …

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Unterlassene Hilfeleistung?

Marika Lichter schreibt heute in ihrer Kolumne in ÖSTERREICH über Ereignisse, die ihr unauslöschlich im Gedächtnis bleiben.

Ebenso ist es mit dem 30. August 1997. Da kam die Nachricht vom Tod der Prinzessin der Herzen.

Nun, der 30. August 1997 ist also ein Datum, das Marika Lichter nicht mehr vergessen wird. Sie gab, so erfahren wir im Text, zusammen mit Uwe Kröger, Pia Douwes und Viktor Gernot ein Konzert in Wiesbaden.

Aber wäre es nicht eigentlich ihre Pflicht gewesen, Diana, die am 31. August 1997 verstarb, vor ihrem tödlichen Autounfall zu warnen?

Sicherlich, Marika Lichter beschreibt, wie sie am Morgen nach dem Konzert, also am 31. August von der Nachricht erfahren hat, allerdings steht das nirgendwo im Text. Und so kommt in der ganzen Kolumne nicht ein einziges Mal das korrekte Sterbedatum vor, auch nicht in der Überschrift.
Und mal ehrlich, wenn Marika Lichter vom 30. August 1997 schreibt, und den Satz anhängt

Ganz zeitig in der Früh ein Anruf von Gernot in meinem Hotelzimmer: “Dreh CNN auf, Diana ist tot.”

offenbart sie Fähigkeiten, die sie uns bisher verschwiegen hat.

[Mit Dank für den Hinweis an Sportboy Aeron.]

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Lokalaugenschein

Seit einigen Wochen berichtet die KRONENZEITUNG nun schon über das “Punk-Problem” auf der Mariahilfer Straße.

Nach den vielen “Leser”-Reaktionen auf das Punk-Problem in der Mariahilfer Straße bat die “Krone” nun Anrainer und Politiker zu einem Lokalaugenschein.

Als Lösungsvorschlag von allen TeilnehmerInnen offenbar akzeptiert: ein Schanigarten vor dem Haus.

Prima Idee, werden sich viele wahrscheinlich denken, dann ziehen die Punks halt eine Parkbank weiter. Aber Moment, wo sind die Punks überhaupt? Da bittet die KRONENZEITUNG zum Lokalaugenschein, und die Punks sind gar nicht da? Zumindest sind auf der Bebilderung zum Lokalaugenschein keine “verwahrlosten Jugendlichen” (FP-Gemeinderat Anton Mahdalik) zu sehen. Bestimmt war der Lokalaugenschein aber am Vormittag, da haben die Punks noch geschlafen …

Lokalaugenschein

Ausriss: KRONENZEITUNG, Foto: zwefo, Unkenntlichmachung von uns

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Ressortverwirrung (2)

Die Chronik-RedakteurInnen von ÖSTERREICH haben ja schon mal bewiesen, dass ihnen das Kulturressort viel näher liegt als das eigene. Da ist ein Kannibale natürlich ein gefundenes Fressen:

kannibale.jpeg
Ausriss: ÖSTERREICH

Der Titel lügt nicht: Wir erinnern uns ja alle an die legendäre Szene, in der der “Deutsche Kannibale” Hannibal Lecter sein Opfer, den “Österreicher”, tötet und verspeist.

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Das Wörtchen “nun”

Dieser Artikel ist in der heutigen KRONE auf Seite 5 zu finden:

dui.jpeg
Ausriss: KRONENZEITUNG

Am Ende des Artikels über den dummen Ami steht dann dieser Satz:

Nun muss er bis zum Prozess in U-Haft.

Tja, wenn wir mal davon ausgehen können, dass die U-Haft für betrunkenes Autofahren nicht länger als zwei Monate dauert, dann dürfte der Herr seine U-Haft schon hinter sich haben, denn das Ganze ereignete sich bereits am 11.Juni.

So nebenbei, die Geschichte fand in Missoula, nicht in Billings statt. Naja, sind ja nur ca. 5 Autostunden:


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Churchills Vermächtnis

Wie soll Winston Churchill einmal gesagt haben: “Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe!”. Wenn auch nicht ganz klar ist, auf wen das Zitat tatsächlich zurück geht, eventuell ja doch auf Joseph Goebbels, es bleibt dennoch aktuell.

Nachdem heute die ÖAK (Österreichische Auflagen Kontrolle) und die MAK (Medien Auflagen Kontrolle) ihr Zahlen präsentierten, zeigt sich sehr schön das Prinzip der positiven Interpretation durch Auslassung.

Mediaprint (KURIER und KRONENZEITUNG) hat letztes Jahr die ÖAK verlassen, weil ÖSTERREICH damit warb eine größere verbreitete Auflage als der KURIER zu haben.

So schreibt die KRONENZEITUNG heute:

Erfolg für die “Kronen Zeitung”

Die Zahlen im 1. Halbjahr 2007 sind Grund zur Freude in der Mediaprint: Die “Krone” kommt dabei in ihrer verkauften Auflage (Mo. – Sa.) auf 829.731 Exemplare, am Sonntag sogar auf 1,357.296.

Nun, 829.731 klingt tatsächlich viel, aber ohne jegliche Referenz ist diese Zahl nicht viel wert. Dazu allerdings schweigt die KRONENZEITUNG.

Vielleicht ja deshalb, weil die ÖAK letztes Jahr 19.500 Exemplare mehr ermittelt hatte. Hat sich der Ausstieg am Ende für die KRONENZEITUNG nicht gerechnet? Konkurrent ÖSTERREICH steigerte übrigens die Zahl seiner verkauften Exemplare um 4.500. Aber wahrscheinlich sind die Zahlen sowieso nicht vergleichbar.

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