Gedächtnislücken

Bei dem Kleinkrieg, den sich die KRONENZEITUNG und ÖSTERREICH liefern, legte die KRONENZEITUNG heute nach. Mit dieser Meldung:

Eine Falschmeldung

Als Falschmeldung bezeichnete das Justizministerium die “Österreich”-Schlagzeile, “Arbeiten statt ins Gefängnis – Kein Häfn bei Strafen bis 9 Monate”. Diese Schlagzeile habe, so das Justizministerium weiter, “nichts mit den Aussagen von Ministerin Berger im Interview zu tun”. Die “Österreich”-Falschmeldung hatte nicht nur für Verunsicherung der Bevölkerung gesorgt, sondern auch Vizekanzler Molterer mit der Aussage, “mit uns wird es kein Pardon für Häftlinge geben”, auf den Plan gerufen.

Warum auch immer die KRONENZEITUNG heute diese ÖSTERREICH-Falschmeldung aufdeckt bleibt unklar. Denn am Montag berichtete schließlich auch die KRONENZEITUNG, ohne sich auf ÖSTERREICH zu berufen, von einer “Haftentlassungsinitiative der SPÖ-Justizministerin Berger”, freilich unter der Überschrift “Mit der ÖVP wird es sicher kein Pardon für Häftlinge geben!”.

Der Verfasser des Artikels, Peter Gnam, legte aber noch nach, und verfasste einen Kommentar zum Thema auf der selben Seite unter dem Titel “Gefängnislose Gesellschaft?”. Dass dieser Kommentar äußerst problematische Aussagen enthält, soll in diesem Zusammenhang mal unberücksichtigt bleiben.

Heute, angesichts einer dramatisch ansteigenden hausgemachten [Kriminalität, Anm. d. Verf.] plus der aus dem Osten importierten Kriminalität, kommt dieser Traum von der gefängnislosen Gesellschaft einem Alptraum gleich.

So heißt es in dem Kommentar:

Mit dieser Schlagzeile wurde am gestrigen Sonntag ein ganzes Land verunsichert [...]

Vielleicht aber auch nur die Redaktion der KRONENZEITUNG. Die sich so sehr über die Falsch-Aussage ärgern musste, dass sie gleich vergessen hat, selbst ausführlich darüber berichtet zu haben.

[Hervorhebungen von uns]

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