Archive for August 2007

 
 

Falsch abschreiben will gelernt sein (2)

Dieser Tage wird viel über die Mafiaorganisation ‘Ndrangetha geschrieben. Grund sind die Morde an sechs Mitgliedern einer der ‘Ndrangetha zugehörigen Sippe im deutschen Duisburg.

In der heutigen Sonntagsbeilage von ÖSTERREICH gibt’s daher einen ausführlichen Bericht über die ‘Ndrangheta. Fehlen dürfen dabei die sieben “Gesetze” der Organisation natürlich nicht:

ndrangheta.jpeg
Ausriss: ÖSTERREICH

Die Recherchekünste der ÖSTERREICH-Redaktion in Ehren, aber nach routinemäßigen Recherchen unsererseits stoßen wir bei Wikipedia im Eintrag zur ‘Ndrangetha auf Folgendes:

Nach diesen Regeln funktioniert die ’Ndrangheta:

    * Umilità – Demut gegenüber anderen (Ehrenwerten und der Bevölkerung)

    * Fedeltà – Uneingeschränkte Treue, deren Bruch mit dem Tod bestraft wird

    * Politica – Geheimsprache zwischen den Ehrenwerten, bei dem die Wahrheit zu sagen das oberste Gebot ist

    * False Politica – Sprache gegenüber Polizisten und Verrätern, die nie die Wahrheit erfahren dürfen

    * La Carta – Alle wichtigen Ereignisse werden aufgeschrieben

    * Il Lapis – Der Boss ist verpflichtet, eine geheime Chronik zu führen

    * Il Coltello – Die Interessen der Organisation stehen an erster Stelle und werden mit Androhung des Todes
    beschützt

Ein kleiner Vergleich mit dem Text in ÖSTERREICH bestätigt dann die Vermutung, dass da das Prinzip von Copy & Paste verstanden wurde. Wenn die zuständigen RedakteurInnen des Beitrags allerdings einige Sekunden auf das Überprüfen der Quelle bei Wikipedia verschwendet hätten, dann wäre ihnen diese Grafik von SPIEGEL-Online untergekommen:

ndrangehtaspiegel.jpg
Ausriss: SPIEGEL-Online

Vielleicht wäre ihnen aufgefallen, dass einige Begriffe wie z.B. Umiltà von Wikipedia falsch übernommen wurden. Was dafür gesorgt hätte, dass diese falschen Begriffe heute nicht in ÖSTERREICH stünden.

Das nächste Mal könnten sie dann ja aus reiner Umiltà gegenüber ihren LeserInnen ein, zwei Klicks mehr auf sich nehmen.

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Sammelsurium (12)

Namenskreationen aus der Welt des Boulevard

  • So betitelte die KRONENZEITUNG am 15. August 2007 ein Foto, das den russischen Präsidenten, bzw. Kreml-Chef, Wladimir Putin beim Angeln zeigt.

Putin

  • Fußball bietet derzeit wieder die Möglichkeit das Sommerloch zu füllen. Und so versucht sich die Sportredaktion in kreativer Namensgebung. Am 15. August 2007 berichtete die KRONENZEITUNG über das Champions-League-Qualifikationsspiel zwischen Schachtjor Donezk und Red-Bull Salzburg. Starspieler von Donezk ist Aleksandr Gladky, auch genannt:

Babybomber

Mini-Schewtschenko

  • Während also bei dem jungen Aleksandr Gladky der ukrainische Star-Stürmer Andrij Schewtschenko als Vorbild dient, werden beim Salzburger Stürmer Alexander Zickler ganz andere Vergleiche herangezogen. Denn von

superzico.jpg ist es zu

Alexander der Grossenicht weit.

  • Wonach uns ÖSTERREICH am 17. August 2007 von Louis Clement Ngwat-Mahop berichtete, und uns dessen Spitznamen nicht vorenthielt:

BumBumKamerun

  • Der Kollege von Alexander Zickler, bzw. Super-Zico oder Alexander den Großen, könnte bald der 21-jährige Djordje Rakic werden, der derzeit für den OFK Belgrad auf Torejagd geht. Beide Fußballspieler, Aleksandr Gladky und Djordje Rakic, haben nichts mit Militärflugzeugen zu tun.

Serben-Bomber

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Kleine Nachhilfestunde

Hier ein Auszug aus dem “Pranger”-Eintrag von Wikipedia:

Der Pranger [...] war ein Strafwerkzeug in Form einer Säule, einer Plattform oder eines Holzpfostens, an denen der Bestrafte gefesselt und öffentlich vorgeführt wurde.

Dass die zuständigen RedakteurInnen der KRONE diese oder eine ähnliche Bedeutung des Wortes “Pranger” kennen, davon sollte eigentlich auszugehen sein. Warum dann heute trotzdem groß so getitelt wurde, muss wohl auf Sensationsgier zurückzuführen sein:

pranger.jpg
Ausriss: KRONENZEITUNG

Denn obwohl angedacht wird, eine Datenbank mit Sexualstraftätern anzulegen, ist natürlich keine Rede davon, diese öffentlich zu machen. Dazu aus der PRESSE:

Auf diese Datenbank haben dann laut Innenminister „prinzipiell“ nur Exekutivbeamte Zugriff, ein öffentlicher Zugriff sei nicht vorgesehen. Ausgenommen davon seien aber Taten, die innerhalb der Familie passiert sind. In diesen Fällen würden auch die Jugendwohlfahrt-Behörden informiert.

[Hervorhebungen von uns]

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Ressortverwirrung

Dass ChronikredakteurInnen bei ÖSTERREICH in Wirklichkeit viel lieber im, sagen wir, Kulturressort arbeiten würden, ist irgendwie verständlich. Statt um die grausame Realität könnten sie sich nur um die schöngeistigen Dinge des Lebens kümmern. Leidtragende solcher Sehnsüchte sind dann Personen wie Rosemarie L., deren Odyssee von ÖSTERREICH genüsslich ausgeschlachtet worden ist. Eine Geschichte über die Heimkehr ihrer Zwillinge von Finnland nach Österreich wird dann eben so betitelt:

rosemarie.jpg
Ausriss: ÖSTERREICH

Ja, in der Kantine der ÖSTERREICH-Redaktion mag das der Brüller des Tages gewesen sein, der Vergleich mit Roman Polanskis Horrorklassiker “Rosemary’s Baby”. Das dann aber als Titel abzudrucken, dazu bedarf es schon einer Redaktion, die den Boulevard Österreichs noch immer für viel zu harmlos hält.

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Gedächtnislücken

Bei dem Kleinkrieg, den sich die KRONENZEITUNG und ÖSTERREICH liefern, legte die KRONENZEITUNG heute nach. Mit dieser Meldung:

Eine Falschmeldung

Als Falschmeldung bezeichnete das Justizministerium die “Österreich”-Schlagzeile, “Arbeiten statt ins Gefängnis – Kein Häfn bei Strafen bis 9 Monate”. Diese Schlagzeile habe, so das Justizministerium weiter, “nichts mit den Aussagen von Ministerin Berger im Interview zu tun”. Die “Österreich”-Falschmeldung hatte nicht nur für Verunsicherung der Bevölkerung gesorgt, sondern auch Vizekanzler Molterer mit der Aussage, “mit uns wird es kein Pardon für Häftlinge geben”, auf den Plan gerufen.

Warum auch immer die KRONENZEITUNG heute diese ÖSTERREICH-Falschmeldung aufdeckt bleibt unklar. Denn am Montag berichtete schließlich auch die KRONENZEITUNG, ohne sich auf ÖSTERREICH zu berufen, von einer “Haftentlassungsinitiative der SPÖ-Justizministerin Berger”, freilich unter der Überschrift “Mit der ÖVP wird es sicher kein Pardon für Häftlinge geben!”.

Der Verfasser des Artikels, Peter Gnam, legte aber noch nach, und verfasste einen Kommentar zum Thema auf der selben Seite unter dem Titel “Gefängnislose Gesellschaft?”. Dass dieser Kommentar äußerst problematische Aussagen enthält, soll in diesem Zusammenhang mal unberücksichtigt bleiben.

Heute, angesichts einer dramatisch ansteigenden hausgemachten [Kriminalität, Anm. d. Verf.] plus der aus dem Osten importierten Kriminalität, kommt dieser Traum von der gefängnislosen Gesellschaft einem Alptraum gleich.

So heißt es in dem Kommentar:

Mit dieser Schlagzeile wurde am gestrigen Sonntag ein ganzes Land verunsichert [...]

Vielleicht aber auch nur die Redaktion der KRONENZEITUNG. Die sich so sehr über die Falsch-Aussage ärgern musste, dass sie gleich vergessen hat, selbst ausführlich darüber berichtet zu haben.

[Hervorhebungen von uns]

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Déjà-vu

Es natürlich immer eine schöne Geschichte, wenn der neue Freund irgendeiner prominenten Persönlichkeit dem Ex-Freund ähnlich sieht. Peinlich wird es erst, wenn solche Geschichten erzwungen werden.

So titelt das LIFE&STYLE-Magazin heute:

An der Seite eines unbekannten Pete-Doherty-Doppelgängers versucht Kate Moss ihren Schmerz zu vergessen

Kate Moss: Lookalike als Ersatz für Pete

Doherty und Lookalike

Ausrisse: LIFE&STYLE

Nun, außer dem Hut sind sich die beiden ungefähr so ähnlich wie Brad Pitt und Paul Sculfor. Von deren Ähnlichkeit wollte uns LIFE&STYLE am 8. Juni 2007 überzeugen.

lookalike

Ausriss: LIFE&STYLE

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Sommerliche Irrungen

Auch an der Redaktion von ÖSTERREICH scheint die sommerliche Hitze nicht ganz spurlos vorüber gegangen zu sein. In der Life&Style-Beilage war zum Beispiel vorgestern das hier zu sehen:

strauchstroh.jpg
Ausriss: ÖSTERREICH

Dass es sich bei dem Bild in Wirklichkeit nicht um Alexandra Stroh handelt, war wohl jemandem aufgefallen. In der heutigen Ausgabe des Life&Style war darum diese Version zu sehen:

stauch.jpg
Ausriss: ÖSTERREICH

Naja, vielleicht schaffen sie es ja in der morgigen Ausgabe, Alfred Strauch seinen Namen wieder zu geben.

Allerdings kann es natürlich auch sein, dass die heutigen Beiträge zu den Leuten des Tages wirklich von einem Alfred Stauch geschrieben wurden. Da steht nämlich unter dem Absteiger des Tages das hier:

Joe Cocker (63) singt für Haie: Um sie zur Fortpflanzung zu animieren, werden sie mit “You Can Leave Your Hat On” beschallt. Der Sänger sah auch schon bessere Tage.

Klingt unglaublich, ist es auch zu Recht, denn es ist Schwachsinn. Betreiber einiger Aquarien in Deutschland haben anscheinend herausgefunden, dass sich Haie lieber zur Musik von Joe Cocker als zur Musik von Britney Spears paaren. Keine Rede also von Auftritten Joe Cockers vor Haiaquarien. Wäre wirklich Alfred Strauch der verantwortliche Redakteur gewesen, er hätte sich gegen den Abdruck einer solch hanebüchenen Meldung mit Sicherheit gewehrt.

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Kritische, unabhängige Berichterstattung

ÖSTERREICH und die KRONE leisten sich ja schon länger einen veritablen Kleinkrieg. Der derzeitige Schlagabtausch läuft unter dem Vorwand der Neuerscheinung des Buches von Natascha Kampuschs Mutter, Brigitta Sirny.

Im heutigen E-Mail aus der ÖSTERREICH-Redaktion steht dann auch Folgendes zum Vorabdruck des Buches in der KRONE:

Tatsächlich druckte sein [Hans Dichands Anm.] “Igittigitt-Blatt” [...] das Sirny-Buch ohne jede kritische Auseinandersetzung, ohne jede Information über Nataschas Distanzierung. Das ist schlechter Journalismus – in Wahrheit gekaufter Journalismus, der Vorabdruck-Rechte gegen kritische, unabhängige Berichterstattung eintauscht.

Dieser Meinung wollen wir uns nur zu gerne anschließen. Darum haben wir ja auch schon vor einigen Wochen über den kritiklosen Abdruck einiger Stellen aus dem Esoterikbüchlein “The Secret” geschrieben. Unter dem Titel “Was ist Journalismus?”. Nicht zu vergessen unser Beitrag über die knallhart recherchierte, unabhängige Geschichte über die Verköstigung der ÖSTERREICH-Redaktion durch die Bäckerei Felber.

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