Scheinheiligkeiten
Was hat sich die KRONENZEITUNG nicht gefreut über den Papst-Besuch. Jeden Tag mehrere Seiten Berichterstattung und täglich Kommentare über seine Heiligkeit.
Zum Beispiel Wolf Martin, der Benedikt XVI. beinahe überschwenglich begrüßte:
Wir rufen heute hoch beglückt: Sei uns gegrüßt, Papst Benedikt!
Und auch thematisch fühlte sich die KRONENZEITUNG durch den Papstbesuch gestärkt:
Christliche Wurzeln Europas nicht verleugnen! (Schlagzeile, 08. September)
Benedikt XVI.: Europa ist arm an Kindern! (Schlagzeile, 09. September)
Aber irgendwie haben wir manchmal das Gefühl, die KRONENZEITUNG würde selbst Wasser predigen, aber Wein trinken. Denn wie titelte das Blatt heute:

Ausriss: KRONENZEITUNG
Nun ist klar, dass ZeitungsredakteurInnen an Feiertagen arbeiten müssen, da für den nächsten Tag eine Zeitung gedruckt wird. Allerdings erscheint die KRONENZEITUNG, als eine der wenigsten Zeitungen Österreichs, sieben Tage in der Woche. Tja, da hat die Redaktion nicht mal einen Tag vor einem Feiertag frei.
Oder wie Wolf Martin heute so schön reimt:
Die unzufriednen Katholiken nur immer auf das eine blicken: auf Sex und größre Macht für Frauen.
Stimmt, hier zum Beispiel heute auf Seite 11:

Ausriss: KRONENZEITUNG, Bulls Press, Verpixelung von uns
Oder am Freitag auf Seite 11:

Ausriss: KRONENZEITUNG, magoo.at, Verpixelung von uns
Ob die Bilder für Sex oder größere Macht für Frauen stehen, oder gar für beides, mögen die LeserInnen selbst entscheiden.
Update, 11. September:
Heute schreibt der “kuaz und guad”-Kolumnist Herbert Pirker ein kleines Gedicht zur Sonntagsruhe, in dem es heißt:
Der Papst hats vorgestern betont. Drum lassts den Sonntag do verschont von Gschäft und Umsatz und vom “Shoppen”, tuats d Leut do ned mit Unsinn foppen! Der Mensch braucht dringend diesen Tag, da kann man sagen, was ma mag [...]
Ob er intern einen Antrag gestellt hat, dass die KRONENZEITUNG nur mehr sechs Tage die Woche erscheint?
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12. September 2007 at 07:00
Ich finde die Medienschelte super, aber die Verpixelung hier ist ebenfalls scheinheilig – oder will man damit der Zustimmung zu Martin Wolfs Reimen Ausdruck verleihen?
12. September 2007 at 11:13
Hallo Helge,
eigentlich wollte ich damit die Scheinheiligkeit ausdrücken, dass sich Wolf Martin beschwert, alle würden nur mehr auf Sex schauen, selber bringt die KRONENZEITUNG aber jeden Tag eine nackte Frau. Verpixelt habe ich die Busen nicht aus Scheinheiligkeit, sondern aus zwei Gründen:
1. Diese Bilder (und das sind wir wahrscheinlich unterschiedlicher Meinung, denn es geht um das Thema Emanzipation) offenbaren genau den Objektstatus von Frauen in unserer Gesellschaft, weshalb solche Bilder für das Gegenteil von weiblicher Emanzipation stehen. Aus diesem Grund ist Martins Aussage von der “größeren Macht der Frauen” in diesem Zusammenhang fast schon höhnisch. Im Übrigen engagieren sich deshalb Frauen wie Alice Schwarzer nicht umsonst in Projekten wie “PorNO”.
2. Du weißt wie das ist im Internet. Die Hälfte der Suchanfragen betreffen das Thema “Sex”. Bei uns landen sehr viele, die nach “Busen” oder Wahlweise “busen” suchen.
In diesem Sinne, danke für das Lob!
Daniel