Archive for September 2007

 
 

Viel Lärm um Nichts

Dass die EU-kritische Linie der KRONE auch manchmal dazu anspornt, ganze EU-Verordnungen zu erfinden, ist nichts Neues. Da mutet die heutige Fehlinformation ja geradezu harmlos an:

dezibel.jpeg
Ausriss: KRONENZEITUNG

Im Blattinneren dann die ganze Empörung:

Die EU verkommt immer mehr zum Irrenhaus: Laut einer tatsächlich ernst gemeinten Richtlinie sollen eigene Kontrollore in Zukunft die “Lärmbelastung” in Konzert- und Opernhäusern messen und unterbinden!

Grund für die Aufregung: Die von der EU-Richtlinie festgelegte Obergrenze liegt bei 85 Dezibel, während viele klassische Werke leicht an die 120 Dezibel-Marke herankommen. Schön emotionalisiert wird das ganze auch noch, indem die Wiener Philharmoniker zu Wort kommen und von der “Einschränkung eines Kunstwerks” sprechen.

Abschließend steht dann dort noch das:

Österreichs Bundesregierung hingegen reagiert in ihrer leider üblichen “Nibelungentreue” zur EU. Im zuständigen Ministerium wurde allen Ernstes schon ein Dezibel-Kontrollor bestellt…

Soviel zur Berichterstattung der KRONE, die sich darauf beschränkt über das “Irrenhaus” EU zu schimpfen. Dass es sich bei dieser Richtlinie eigentlich um ArbeitnehmerInnenschutz handelt und es nicht darum geht, Orchester in ihrem Schaffen einzuschränken, verschweigt die KRONE wohlweislich. Dazu aus der heutigen PRESSE:

Die EU hat ein Kommunikationsproblem, das Arbeitsministerium auch. Denn die 85db gelten nicht als absolute Grenze, sondern als Wochendurchschnittshöchstwert; zweitens ändert sich im Wesentlichen gar nichts, wie auch das Ministerium am Montag klarstellte. Das Arbeitnehmerschutzgesetz habe diesen Grenzwert schon bisher gehabt, auch das Grundrecht der „Freiheit der Kunst“ bleibe berücksichtigt. (Ganz zu schweigen davon, dass zum Beispiel die Philharmoniker als privater Verein ohnehin gesetzlichen Sonderstatus haben.)

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Scheinheiligkeiten

Was hat sich die KRONENZEITUNG nicht gefreut über den Papst-Besuch. Jeden Tag mehrere Seiten Berichterstattung und täglich Kommentare über seine Heiligkeit.

Zum Beispiel Wolf Martin, der Benedikt XVI. beinahe überschwenglich begrüßte:

Wir rufen heute hoch beglückt: Sei uns gegrüßt, Papst Benedikt!

Und auch thematisch fühlte sich die KRONENZEITUNG durch den Papstbesuch gestärkt:

Christliche Wurzeln Europas nicht verleugnen! (Schlagzeile, 08. September)

Benedikt XVI.: Europa ist arm an Kindern! (Schlagzeile, 09. September)

Aber irgendwie haben wir manchmal das Gefühl, die KRONENZEITUNG würde selbst Wasser predigen, aber Wein trinken. Denn wie titelte das Blatt heute:

Sonntag

Ausriss: KRONENZEITUNG

Nun ist klar, dass ZeitungsredakteurInnen an Feiertagen arbeiten müssen, da für den nächsten Tag eine Zeitung gedruckt wird. Allerdings erscheint die KRONENZEITUNG, als eine der wenigsten Zeitungen Österreichs, sieben Tage in der Woche. Tja, da hat die Redaktion nicht mal einen Tag vor einem Feiertag frei.

Oder wie Wolf Martin heute so schön reimt:

Die unzufriednen Katholiken nur immer auf das eine blicken: auf Sex und größre Macht für Frauen.

Stimmt, hier zum Beispiel heute auf Seite 11:

Nackt_pix_1

Ausriss: KRONENZEITUNG, Bulls Press, Verpixelung von uns

Oder am Freitag auf Seite 11:

Nackt_pix_2

Ausriss: KRONENZEITUNG, magoo.at, Verpixelung von uns

Ob die Bilder für Sex oder größere Macht für Frauen stehen, oder gar für beides, mögen die LeserInnen selbst entscheiden.

Update, 11. September:

Heute  schreibt der “kuaz und guad”-Kolumnist Herbert Pirker ein kleines Gedicht zur Sonntagsruhe, in dem es heißt:

Der Papst hats vorgestern betont. Drum lassts den Sonntag do verschont von Gschäft und Umsatz und vom “Shoppen”, tuats d Leut do ned mit Unsinn foppen! Der Mensch braucht dringend diesen Tag, da kann man sagen, was ma mag [...]

Ob er intern einen Antrag gestellt hat, dass die KRONENZEITUNG nur mehr sechs Tage die Woche erscheint?

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Fahnen im Wind

ÖSTERREICH brachte heute wieder einen großen Beitrag über Maddies Eltern und die neue Rolle ihrer Mutter als offizielle Verdächtige. Unter anderem wird da auch eine Liste mit Pro- und Contra-Punkten für die mögliche Schuld der Eltern präsentiert.

Aber egal, ob sie nun wirklich etwas mit dem Verschwinden der kleinen Madeleine zu tun haben, bei ÖSTERREICH wurde das Urteil über deren moralische Schuld schon gefällt. In einer Meldung wird moniert, dass die Website Find Madeleine nicht den strengen Anforderungen der ÖSTERREICH-Redaktion entspricht, wenn es darum geht als Elternpaar nach der verschwundenen Tochter zu suchen:

maddieshop.jpg

Die Internetseite www.findmadeleine.com, auf der bis Ende vergangener Woche ein täglicher Blog-Eintrag von Maddies Vater zu lesen war, erinnert eher an ein Shoppingportal als an eine Website verzweifelter Eltern, die nach ihrer vermissten Tochter suchen.

Stein des Anstoßes: Plastikarmbändchen, die mit dem Spruch “Look for Madeleine” und einer Telefonnummer für Hinweise bedruckt sind. In englischsprachigen Ländern sind diese Art Armbändchen bekannt unter dem Namen “awareness bracelets” und sind ein probates Mittel um Aufmerksamkeit auf bestimmte, meist gemeinnützige Themen zu lenken. Dass mit dem Verkauf dieser Bändchen auch gleichzeitig Geld in “Madeleine’s Fund” fließt um weitere Aktionen zu finanzieren, wird außer der ÖSTERREICH-Redaktion wohl niemand beanstanden.

Und auch Plakate mit Madeleines Foto und wichtigen Informationen werden im Online-Shop verkauft. Für den stolzen Preis von 10 britischen Pence. Dazu ÖSTERREICH:

Im dazugehörigen “Maddies Online Store”, gibt es auch Maddie-Poster zu kaufen – bezahlbar mit Kreditkarte.

Allein die Tatsache, dass diese Poster nicht über Tauschhandel mit bunten Steinen, sondern über eine Kreditkartentransaktion bestellt werden können, ist wohl schon Grund genug in Maddies Eltern Dagobert Duck zu erkennen.

Zum Schluss vielleicht noch ein kleiner Screenshot des “Shoppingportals”:

maddiepage.jpg

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Weg mit dem Fleck!

Wir alle kennen mittlerweile das Bild der seit 129 Tagen vermissten Madeleine McCann. Um das Mädchen eindeutig erkennen zu können machten ihre Eltern immer wieder auf den schwarzen Strich in Madeleines Auge aufmerksam.

Zum Beispiel so:

Look

Screenshot: findmadeleine.com

Und wie wir aus der ÖSTERREICH-Lektüre heute erfahren, wurde kein Bild in diesem Jahr so oft veröffentlicht, wie das von Maddie. ÖSTERREICH bezieht sich auf dieses Foto:

Maddie McCann_1

Screenshot: findmadeleine.com

Und vielleicht war dem neuen Praktikanten, oder der neuen Praktikantin langweilig, oder er/sie wollte seine neuen Photoshop-Kenntnisse anwenden.

Es könnte auch sein, dass ÖSTERREICH damit ihre Schlagzeile

Hat die Familie die ganze Welt getäuscht?

allzu wörtlich genommen hat, und sie damit in Frage stellen wollen, dass auch der Fleck echt ist?

ÖSTERREICH bebilderte die Sonntagsbeilage heute mit einem halbseitigen Foto, bei dem Maddies Augen so aussehen.

Maddie McCann_2

Ausriss: ÖSTERREICH

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Ärger im Gebäck

geback.jpg
Ausriss: ÖSTERREICH

Da lag jemandem wohl noch die vom Bäcker Felber gesponserte Redaktionssitzung im Magen.

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Heute sind wir…

Wie das Dauerfeuer an Vorberichterstattung zeigte, konnte es ÖSTERREICH die letzten Tage kaum erwarten, dass der Papst endlich in Österreich aus dem Flugzeug steigt. Nun ist es soweit, und das heutige Titelblatt zeigt nun eindrücklich, wes Geistes Kind ÖSTERREICH wirklich ist:

papstinwien.jpeg
Ausriss: ÖSTERREICH

Tja, und damit wird die wohl sinnloseste Schlagzeile, die es jemals auf den Titel einer Boulevardzeitung geschafft hat, von einer billigen Kopie abgelöst. Komisch nur, dass ÖSTERREICH die Chance verpasste den gleichen Wortwitz schon letzte Woche anzuwenden: “Heute sind wir Kannibale”.

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Wilde Ehe

Das gestrige LIFE&STYLE brachte unter der Rubrik TV&People eine kleine Meldung über die Trennung der Hollywoodstars Heath Ledger und Michelle Williams:

ledger1.jpeg
Ausriss: ÖSTERREICH

Nach nur drei Jahren Ehe haben sich der Brokeback Mountain-Star (28) und seine Schauspielkollegin Michelle Williams (27) getrennt.

Stimmt leider nicht ganz. Denn eigentlich haben sich die beiden nach nur null Jahren Ehe getrennt. Sie waren nämlich nur verlobt.

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(K)eine Sache der Interpretation

Gestern präsentierte der Wohnbauausschuss in Wien eine Studie über die Lebensqualität in Sozialbauten. Wie uns ÖSTERREICH in dem Artikel mitteilt, wurde die Studie von Wiener Wohnen in Auftrag gegeben und basiert auf 738 Interviews. Insgesamt leben ungefähr 500.000 Menschen in Wiener Gemeindebauten.

Das Ergebnis wird von der KRONENZEITUNG und ÖSTERREICH recht unterschiedlich interpretiert.

Kronenzeitung

Ausriss: KRONENZEITUNG

ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Die KRONENZEITUNG schreibt zum Thema folgendes:

Dennoch stellen Konflikte mit Migranten das Hauptärgernis für viele Alt-Österreicher dar.

In ÖSTERREICH heißt es hingegen:

Kaum Ausländer-Probleme. Mittlerweile 36 Prozent der Gemeindebaubewohner sind Zuwanderer, mit oder ohne österreichischer Staatsbürgerschaft. Gröbere Probleme entstehen dadurch allerdings laut Studie nicht.

Sicher, die KRONENZEITUNG fühlt sich mit der Studie offenbar bestätigt.

Was viele intuitiv geahnt haben, liegt nun schwarz auf weiß vor.

Tja, und ÖSTERREICH zitiert heute den Wohnbaustadtrat Michael Ludwig zur Studie:

Wenn auch für manche überraschend, so zeigt sich, dass die Konfliktherde nahezu dieselben sind, wie im Wiener Gesamtbild.

Bei soviel Interpretationswillen halten wir uns lieber dezent zurück, und halten es wie Winston Churchill.

[Hervorhebungen von uns.]

Update, 05.09.2007:

Standard

Ausriss: DER STANDARD

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