Archive for October 2007

 
 

Notiz (6)

Warum Trainer Giovanni Trapattoni von Red-Bull Salzburg ausgerechnet heute als abfallender Österreicher des Tages herhalten muss, ist nicht ganz klar.

Ausriss ÖSTERREICH, 31.10.2007

Ausriss: ÖSTERREICH

Denn wie wir heute im Sportteil erfahren, gewannen die Salzburger gestern das Heimspiel gegen Rapid Wien.

Ausriss ÖSTERREICH, 31.10.2007

Ausriss: ÖSTERREICH

Sicher, ÖSTERREICH stilisiert seit einigen Wochen jedes Spiel der Salzburger zu Trapattonis Schicksalspiel. So auch dieses.

Im Übrigen könnte es sich Trapattoni nicht aussuchen am “Sesserl zu kleben”, wenn der Verein ihn feuern würde, was bisher noch nicht passiert ist. Warum klebt er also am Stuhl, wenn er einfach nur seinen Vertrag erfüllt?

Popularity: 3% [?]

Geht’s noch geheimer?

Wir erinnern uns an diese Meldung. Dort war die Rede von einer geheimen Liste, auf der die Nebenjobs der Nationalratsabgeordneten verzeichnet waren. Freilich war diese Liste nicht geheim, jeder Mensch konnte und kann sie beim Portier des Parlaments einsehen. Ja, vielleicht ein wenig umständlich, aber noch lange nicht geheim.

Heute ist diese Meldung auf dem Titel von ÖSTERREICH zu sehen:
Geheimlisten
Ausriss: ÖSTERREICH

Und wie’s scheint, hat selbst die Enthüllung durch ÖSTERREICH nicht dazu geführt, den Status der Liste von “geheim” auf “bekannt” zu ändern. Wohl ein Zeichen, dass selbst die RedakteurInnen bei ÖSTERREICH der kolportierten Reichweite nicht ganz trauen.

Popularity: 1% [?]

Lieber Claus Pándi,

würde der KRONE-Kolumnist Jeannée wahrscheinlich schreiben, was haben Sie sich nur dabei gedacht mit ihrer E-Mail im Sommer 2005 an den Herrn Hofrat Horngacher.

Es ist mir unangenehm, aber ich brauche fachlichen Rat. Ich bin heute gegen 0.20 Uhr auf dem Gürtel in eine Radarfalle gefahren, was mich sehr ärgert, weil ich sonst als Schleicher verrufen bin . [...] Ich entschuldige mich jetzt schon, Sie mit diesem Unfug belästigt zu haben, aber sie wissen aus der Praxis sicher genau, wie ich da verfahren soll. (Falter, Nr. 43/07, S.8)

Seit Jahren predigen wir in der KRONENZEITUNG, dass wenigstens wir auf die Stimme des Volkes hören, und gegen die da Oben vertreten, weil ständig über uns drübergefahren wird. Was glauben Sie wohl, wie der durschnittliche Herr Österreicher in so einem Fall verfährt? Richtig, der muss halt das Strafmandat zahlen. Nicht besonders herzlich, Blitz-Zahl-Gruß.

So in etwa hätte eine Kolumne von Jeannée aussehen können, seit der Falter letzte Woche zum ersten Mal über die Polizei-Affäre berichtete. Einzig die KRONE verzichtete seitdem auf eine weitere Berichterstattung über den Fall.

Passend zum Thema KRONENZEITUNG, gestern sind im Rabenhof-Theater in Wien die Big-Brother-Awards vergeben worden. Der Preisträger in der Kategorie “Lebenslanges Ärgernis” ist Hans Dichand. In der Begründung heißt es:

Hans Dichand: Ein Leben als Manipulator der Republik

In den fast 50 Jahren seiner Regentschaft verstand er es mit seiner Zeitung die Politik und öffentliche Meinung in Österreich mehr als einmal entscheidend zu manipulieren. [...] Das Blatt reagiert auf Stimmungen und macht auch schon mal Stimmung – einige Menschen können davon ein bitteres Lied singen.

Wir gratulieren!

Popularity: 11% [?]

Bewahrer der Sprache

Ganz Döbling kämpft jetzt für die Umbenennung des “Skywalk”!

So stand’s gestern in der KRONE. Die Meldung an sich ist nicht außergewöhnlich, da es sich wieder mal um einen Antrag der Freiheitlichen handelt. Dass die KRONE sich da mal gern als direktes Sprachrohr betätigt, ist ja nichts Neues. Interessant daran ist aber der Kommentar von Peter Strasser, direkt angehängt an den Beitrag. Dort steht u.a. das hier:

Wie Recht die Döblinger haben! Schon Kinder plappern gedankenlos englische Ausrücke vor sich hin, in ihrer Muttersprache bringen sie kaum einen geraden Satz heraus. [...] Besonders viele Anhänger der Englisch-Dümmelei finden sich bei Wiens Rathausbehörden. Der Skywalk ist nur ein Beispiel. [...] Offensichtlich genieren sich die Fortschrittlichen in diesem Land für unser schönes Österreichisch – und werden so zu Totengräbern der eigenen Sprache.

Dass Peter Strasser das Blatt, für das er schreibt, selten durchblättert, wissen wir ja. Darum widmen wir ihm folgende Ausrisse aus der gestrigen KRONE:

Anglizismen

Ausrisse: KRONENZEITUNG

Popularity: 3% [?]

Muslime, einmal mehr

Muslime

Ausriss: KRONENZEITUNG

Anders als die Überschrift vielleicht vermuten lassen würde, geht es in diesem Artikel ausschließlich um Aussagen und Forderungen des FP-Klubobmanns DDr. Eduard Schock.

So heißt es im Artikel:

“Die Missstände im Gemeindebau steigen mit dem Anteil strengmuslimischer Zuwanderer, denen von der SPÖ mit der Staatsbürgerschaft gleich die Gemeindebauwohnung nachgeschmissen wird”. [...] Schock fordert unter anderem einen VHS-Sprachtest als Vorraussetzung für einen Vormerkschein und die Sperre von Ballspielkäfigen ab 20 Uhr.

Dass die KRONENZEITUNG aus dieser Aussage einen völlig unkritischen Artikel produziert ist nicht einmal verwunderlich. Dass aber mit der Überschrift der Eindruck erweckt wird, es handle sich um einen konkreten Fall, und nicht nur einen regelmäßigen Aufreger-Sager der FPÖ, ist eine deutliche Kritik wert.

[sämtliche Hervorhebungen von uns]

Popularity: 3% [?]

Weltmeisterliches Hin und Her

Wir erinnern uns, ÖSTERREICH, schnell wie immer, kannte bereits am 1. Oktober den neuen Formel-1 Weltmeister.

Weltmeister
Ausriss: ÖSTERREICH

Es muss eine Ironie des Schicksals sein, dass sich beide Überschriften nicht bewahrheitet haben. Giovanni Trapattoni ist immer noch Trainer bei Red-Bull Salzburg, und Lewis Hamilton ist nicht Weltmeister geworden, wie wir seit gestern wissen.

Formel-1 Weltmeister

Ausriss: ÖSTERREICH

Wobei der Satz “Ferrari ist Weltmeister” schon ein wenig verwirrend ist an dieser Stelle, denn der Konstrukteurstitel für Ferrari steht schon seit Mitte September fest. McLaren-Mercedes wurden nach dem Urteil zur Spionage-Affäre alle Konstrukteurspunkte abgezogen.

Weltmeister Kimi

Ausriss: ÖSTERREICH

Das ist übrigens keine Fotomontage, sondern die Version der Gratis-Ausgabe.

Fortsetzung folgt …

Popularity: 2% [?]

Rechnen mit Marika Lichter

Marika Lichter berichtete gestern in ihrer Kolumne STREIF-LICHTER über Armut in Österreich. Eigentlich ein gutes und wichtiges Thema, das eine bessere Recherche verdient gehabt hätte. Denn Marika Lichter schreibt:

Die traurige Statistik zeigt, dass die gute Konjunktur in diesem Jahr bei uns die Zahl der Arbeitslosen wohl auf 240.000 Personen reduziert hat, dass aber diese Zahl zugleich um 25 Prozent höher liegt als im Vorjahr.

Ja, es lohnt sich durchaus, diesen Satz mehrfach zu lesen. Heißt das, die Arbeitslosigkeit ist in einem Jahr um 25 Prozent gestiegen?

Das kann nicht sein, denn wie die Statistik des Arbeitsmarktservice zeigt, waren im Oktober 2006 in etwa 214.000 Personen arbeitslos. Das würde bedeuten, dass sich die Zahl der Arbeitslosen erhöht hat. Aber Marika Lichter schreibt ja, dass sie sich reduziert hat …

Ein Beitrag von Stephanscom.at, dem Webauftritt des Radio Stephansdom, klärt die Sache schließlich auf:

“Die Armut ist in Österreich leider konstant hoch”, weist die Armutskonferenz am UN-Tag gegen Armut, Mittwoch, 17. Oktober 2007, auf die aktuelle Situation hin. “Was uns Sorgen macht: Die gute Konjunktur hat die Arbeitslosenrate zwar auf 240.000 Betroffene reduziert. Im letzten Hochkonjunkturjahr 2000 waren es aber noch 190.000. Jedes Konjunkturtal lässt einen höheren Sockel an Erwerbslosen zurück. Das ist eine Armutsfalle der Zukunft”, analysiert Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk.

Ach so, da hat Marika Lichter wohl nicht so genau zugehört, und aus dem letzten Hochkonjunkturjahr (2000) mal schnell letztes Jahr (2006) gemacht. Warum auch sonst sollte es eine “traurige Statistik” sein, wo sie doch die Reduzierung der Arbeitslosigkeit zeigt?

[sämtliche Hervorhebungen von uns]

Popularity: 2% [?]

“Lachen ob der Laffen”

Die KRONENZEITUNG läuft im Moment wieder zur Höchstform auf, was beharrliches EU-Bashing betrifft. Kein Wunder, geht es doch beim EU-Gipfel in Lissabon um den EU-Reformvertrag.

Cato

Ausriss: KRONENZEITUNG

Gewisse Argumente jedoch sind einfach falsch und populistisch. Folgendes von Wolf Martin zum Beispiel:

Es fallen uns in der EU die meisten Asylanten zu. Doch hier Gerechtigkeit zu schaffen, sind nicht imstand die Brüssler Laffen.

Wie gerne hätte er wahrscheinlich “Affen” geschrieben, und es sich doch verkniffen. Schließlich konnte sich auch das literarische Vorbild Heinrich Heine die “Affen” für die zweite Strophe aufheben.

Die Aussage selbst ist schlichtweg falsch. So heißt es auf der Website der UN Refugee Agency (UNHCR) in einer Veröffentlichung vom 16. Oktober 2007:

Wie der UNHCR-Bericht “2006 Global Refugee Trends” zeigt, liegen mit Pakistan und Iran zwei asiatische Länder an der Spitze des Rankings der Staaten mit den meisten Flüchtlingen. Sie beherbergen jeweils rund eine Million Flüchtlinge (oder zehn Prozent jener Vertriebenen, die in einem anderen Land Zuflucht gefunden haben). An dritter Stelle der weltweiten Statistik folgen die USA mit geschätzten 844.000 Flüchtlingen. Deutschland ist fünfter mit sechs Prozent (oder geschätzten 605.000 Flüchtlingen). Österreich liegt weltweit an 48. Stelle der Länder, die Flüchtlinge aufnehmen – mit einem Weltanteil von gerade 0,25 Prozent (oder 25.500 Flüchtlingen).

[sämtliche Hervorhebungen von uns]

Popularity: 3% [?]