Rechnen mit Marika Lichter

Marika Lichter berichtete gestern in ihrer Kolumne STREIF-LICHTER über Armut in Österreich. Eigentlich ein gutes und wichtiges Thema, das eine bessere Recherche verdient gehabt hätte. Denn Marika Lichter schreibt:

Die traurige Statistik zeigt, dass die gute Konjunktur in diesem Jahr bei uns die Zahl der Arbeitslosen wohl auf 240.000 Personen reduziert hat, dass aber diese Zahl zugleich um 25 Prozent höher liegt als im Vorjahr.

Ja, es lohnt sich durchaus, diesen Satz mehrfach zu lesen. Heißt das, die Arbeitslosigkeit ist in einem Jahr um 25 Prozent gestiegen?

Das kann nicht sein, denn wie die Statistik des Arbeitsmarktservice zeigt, waren im Oktober 2006 in etwa 214.000 Personen arbeitslos. Das würde bedeuten, dass sich die Zahl der Arbeitslosen erhöht hat. Aber Marika Lichter schreibt ja, dass sie sich reduziert hat …

Ein Beitrag von Stephanscom.at, dem Webauftritt des Radio Stephansdom, klärt die Sache schließlich auf:

“Die Armut ist in Österreich leider konstant hoch”, weist die Armutskonferenz am UN-Tag gegen Armut, Mittwoch, 17. Oktober 2007, auf die aktuelle Situation hin. “Was uns Sorgen macht: Die gute Konjunktur hat die Arbeitslosenrate zwar auf 240.000 Betroffene reduziert. Im letzten Hochkonjunkturjahr 2000 waren es aber noch 190.000. Jedes Konjunkturtal lässt einen höheren Sockel an Erwerbslosen zurück. Das ist eine Armutsfalle der Zukunft”, analysiert Diakonie-Sozialexperte Martin Schenk.

Ach so, da hat Marika Lichter wohl nicht so genau zugehört, und aus dem letzten Hochkonjunkturjahr (2000) mal schnell letztes Jahr (2006) gemacht. Warum auch sonst sollte es eine “traurige Statistik” sein, wo sie doch die Reduzierung der Arbeitslosigkeit zeigt?

[sämtliche Hervorhebungen von uns]

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