Archive for Oktober 2007

 
 

Bußgeld

In der Life&Style Beilage von ÖSTERREICH gibt es ja dieses nette Kästchen mit den “Leuten des Tages”. Dass für die Meldungen der Auf- und Absteiger des Tages nur zwischen 20 und 30 Wörter verfügbar sind, sorgt dann manchmal für etwas befremdlich wirkende Meldungen. Wie z.B. heute unter der Überschrift “BUSSGELD”.

Angela Ermakova, Mutter von Boris Beckers Tochter Anna (7), muss 1.315 Euro Strafe wegen Kinderarbeit zahlen. Anna hatte sich öffentlich die Fingernägel lackiert.

Wie? Was? Ist das heutzutage schon strafbar? Verständlich wird das Ganze erst, wenn andere Medien zu Rate gezogen werden. Wie z.B. die Online-Ausgabe der FAZ, wo vorgestern eine etwas schlüssigere Meldung stand.

Demnach hatte Anna sich im Rahmen einer Beauty-Messe am Stand eines Kosmetikherstellers die Fingernägel lackiert. Da keine Sondergenehmigung vorlag, wurde der Kosmetikhersteller nun zu 1300 Euro Geldstrafe verurteilt.

Wirklich erstaunlich, wie viele Fehler sich in knapp 20 Worten verstecken können.

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Sieg und Niederlage, ein Naheverhältnis

Sieg und Niederlage liegen bekanntlich nah beieinander. Meist werden beide nur durch ein Unentschieden getrennt. Heute konnte sich ÖSTERREICH mal wieder nicht zurückhalten und musste die Aussetzung des EU-Verfahrens gegen Österreich gleich in der Überschrift interpretieren:

Uni-Quote

Ausriss: ÖSTERREICH

Worin nun der Sieg des Kanzlers liegt, erfahren wir aus dem Artikel allerdings nicht. Aber der Reihe nach:

2003 klagte die EU-Kommission gegen Österreich wegen Diskriminierung anderer EU-BürgerInnen, die bisher einen Studienplatz im eigenen Land vorweisen mussten. Im Sommer 2005 schließlich das EuGH-Urteil: Österreichische Studierende und Studierende aus den anderen EU-Staaten müssen gleich behandelt werden. Um den Ansturm deutscher NC-Flüchtlinge einzudämmen wurden für acht Fächer Zugangsbeschränkungen beschlossen. 2006 wurde schließlich die umstrittene Quotenregelung eingeführt. 75% der Studierenden sollen demnach für österreichische MaturantInnen reserviert bleiben. Daraufhin wurde von der EU ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich eingeleitet.

Wie gestern schließlich bekannt wurde, wird die EU-Kommission das Verfahren für fünf Jahre aussetzen.

Wissenschaftsminister Hahn verkündete, dass er dies nur für die drittbeste Lösung halte. Eine Einstellung des Verfahrens oder die Verankerung der Quotenregelung im EU-Reformvertrag, wären ihm natürlich lieber gewesen.

Das Verfahren schwebt also weiterhin, und eine Lösung ist nicht in Sicht. Nachdem Österreich bereits 500 Seiten mit Dokumenten nach Brüssel geschickt hat, räumte Kommissions-Präsident Barroso Österreich die fünf Jahre Moratorium ein, um Österreich zu ermöglichen weitere Daten zu sammeln.

Ja, und Rechtssicherheit bedeutet die Aussetzung des Verfahrens auch nicht, weil die Aussetzung nicht verhindern kann, dass Studierende ihren Studienplatz einklagen können. Toller Sieg!

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Kritische Marika Lichter

Marika Lichter schreibt heute in ihrer Kolumne über den neuen Uwe Boll Film POSTAL. Ihrer Meinung nach ist der Film bereits auf dem Weg zum Kultstatus. Boll, der nach der Pressevorführung ein Interview gab, hatte laut Marika Lichter Interessantes zu sagen, und ließ mit seiner schonungslosen Kritik aufhorchen.

Angesprochen auf den soeben verliehenen Friedensnobelpreisträger Al Gore [...] meinte Boll: “Wenn Al Gore schon, wie er sagt, in seiner Studentenzeit das Bedürfnis hatte, etwas gegen die globale Erderwärmung zu tun und damals bereits fühlte, dass unser Planet in eine unselige Zukunft schlittern würde, warum hat er, als er immerhin acht Jahre lang in der amerikanischen Regierung saß, nicht zumindest darauf geachtet, dass das Kyoto-Protokoll von den USA unterschrieben wurde …?”

Da Marika Lichter die Frage nicht beantwortet, übernehmen wir das. Die Regierung Clinton, mit Vizepräsident Al Gore, hat das Kyoto-Protokoll 1997 unterschrieben. Nur ratifiziert wurde das Kyoto-Protokoll nicht.

Das liegt daran, dass internationale Verträge in den USA mit einer 2/3-Mehrheit vom Senat ratifiziert werden müssen. Dort hatten allerdings während der Amtszeit von Bill Clinton und Al Gore die Republikaner die Mehrheit …

[sämtliche Hervorhebungen von uns]

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Kronische Fähnchen

Seit Tagen berichtet natürlich auch die KRONENZEITUNG über das Schicksal von Arigona Zogaj. Die Haltung der KRONENZEITUNG in diesem Fall stößt so manchen LeserInnen allerdings recht sauer auf, denn das hätten viele wohl nicht erwartet.

Gegen die “Krone” titelte gestern der Leserbriefschreiber Friedrich L. und schrieb:

Jetzt platzt einem aber der Kragen. Ihre dümmliche Kampagne für die Familie von Arigona bzw. dem untergetauchten Mädchen zeugt von einer beispiellosen Realitätsferne. Der weise Spruch Gnade vor Recht hat für diesen Fall keine Gültigkeit.

Was war passiert? Die KRONENZEITUNG steht auf dem Standpunkt, wie Cato persönlich in einem Kommentar rechtfertigt, dass Arigona und ihre Familie bleiben soll, weil die Politik seit Jahren versäumt hat, das Asylrecht durchzusetzen.

Wir in der “Krone” haben dabei immer wieder darauf hingewiesen, dass es ein großer Fehler der Zuständigen war, die Asylanträge jahrelang einfach liegen zu lassen. Dadurch haben Politiker Schuld auf sich geladen.

Weiter schreibt Cato:

Auch einem Teil ihrer Familie, die ja als voll integriert angesehen wird, müsste erlaubt werden, mit Arigona zusammen in Österreich zu leben. Durch viele Anrufe wurde die Redaktion aufmerksam gemacht, dass einige unserer Leser mit dieser Haltung nicht einverstanden sind. Das tut uns leid, weil wir meinen, dass durch arge Versäumnisse auf Seiten der Politik Schuld entstanden ist, die wir durch Nachsicht anstelle von Recht zum Teil gutmachen können. Wir halten dies für unsere moralische und auch christliche Pflicht.

Wir werden irgendwie den Eindruck nicht los, dass die KRONENZEITUNG hier auf einen Zug aufspringt, der eigentlich nicht auf ihrer Linie liegt. Denn, ist der Unmut mancher KRONENZEITUNG-LeserInnen nicht verständlich, wenn sie zum Thema Bleiberecht eigentlich andere Töne gewohnt sind.

Wie zum Beispiel von Peter Gnam am 19. Juli 2007, indem er sehr heftig vor den Gefahren lascher Bleiberechts-Politik warnt und gegen Grüne Politik polemisiert. Unter anderem steht dort:

Grüne und Gnam

Ausriss: KRONENZEITUNG

[sämtliche Hervorhebungen von uns]

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Über verpasste Schlagzeilen

Im Normalfall lässt sich ÖSTERREICH ja keine Schlagzeile entgehen. So hätten wir eigentlich heute mit diesem Titel gerechnet:

Skandal um eklige Pools!

Grund dafür hätte die heutige Veröffentlichung des RELAX GUIDE sein können. In dem Buch wird eine umstrittene Studie präsentiert, in der es heißt, dass von 231 getesteten Pools lediglich jeder fünfte den Normen des Bäderhygienegesetzes entspricht. Darüber wurde bereits in einigen Medien berichtet. Dazu berufen sie sich in ihrer Berichterstattung auf den Herausgeber des RELAX GUIDE Christian Werner, der sagte:

“Nur 19,5 Prozent aller Wasserwerte entsprachen den Hygienestandards. Bei 3,8 Prozent der Messungen zeigten sich überdies derart extreme Abweichungen von den Sollwerten, dass der Messbereich unserer Geräte nicht mehr ausreichte. In manchen Fällen wurden die Sollwerte bis um das Siebenfache überschritten.”

Genau dieses Zitat bringt ÖSTERREICH heute auch in ihrer Meldung, die es nur recht klein in den Chronik-Bereich schaffte. Und warum?

Weil ÖSTERREICH die Studie nicht richtig verstanden hat, sonst hätten sie nicht diese Überschrift gewählt:

Pool

Ausriss: ÖSTERREICH

Aber die Überschrift war wohl kein Versehen, denn ÖSTERREICH schreibt noch:

Fazit: 19,5 Prozent der Pools sind “unhygienisch”.

So darf vielleicht vermutet werden, dass mehrere Leute an dem Text gearbeitet haben, denn einen Satz später kommt das besagte Zitat von Christian Werner:

“Nur 19,5 Prozent aller Wasserwerte entsprachen den Hygienestandards.”

[sämtliche Hervorhebungen von uns]

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Glück definiert

In der heutigen Ausgabe berichtet ÖSTERREICH ausführlich über das Ende der Flucht von Arigona Zogaj. Neben einem großen Bild des Mädchens und einem Bild des Pfarrers der sie nun bei sich aufgenommen hat, zeigen sie auch noch dieses Bild:


Ausriss: ÖSTERREICH

Interessant daran ist die Bildunterschrift. Klar, bevor der ganze Fall ins Rollen kam und die Familie auseinander gerissen wurde, waren die Zogajs höchstwahrscheinlich glücklicher. Doch dass gerade dieses Bild als Zeichen des gemeinsamen Glücks herhalten muss, bezeugt wieder mal den Druck, dem die Bildredaktion ausgesetzt sein muss.

Denn wie der KRONENZEITUNG von Dienstag dem 9. Oktober zu entnehmen war, war das Bild Teil eines Artikels vom 22. September 2004. Hintergrund? Familie Zogaj war gerade die Wohnung ausgebrannt:


Ausriss (des Ausrisses): KRONENZEITUNG

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Recherche für Hochbegabte


Ausriss: KRONENZEITUNG

Diese Meldung steht heute in der KRONE. Und tatsächlich gibt es an den Universitäten Freiburg und Konstanz die Möglichkeit sich bei Hochbegabung, also einem IQ über 130, die Studiengebühren für einen gewissen Zeitraum zu ersparen. Auch die zitierten ExpertInnen, Christine Wartlies von Mensa und der Präsident der deutschen Gesellschaft für Antidiskriminierungsrecht, Klaus Michael Alenfelder, haben sich wirklich dazu geäußert.

Allerdings zu lesen schon am 24. September in diesem Spiegel Online Artikel, zusammen mit einigen äußerst ähnlichen Textblöcken, z.B. diesem hier:


Ausriss: Spiegel Online

Die Version der KRONE sieht so aus:


Ausriss: KRONENZEITUNG

Gilt das Verfassen eines Artikels ohne eigene Recherche vielleicht auch als Hochbegabung?

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Kurzzeitgedächtnis

In der heutigen Sonntagsbeilage von ÖSTERREICH ist wieder mal ein ausführlicher Bericht über den Mitte September festgenommenen mutmaßlichen Terroristen Mohamed Mahmoud zu lesen. In typischer ÖSTERREICH-Manier darf eine Aufzählung der vollbrachten Leistungen in Bezug auf die Berichterstattung nicht fehlen. Daher also dieser kleine Abschnitt:


Ausriss: ÖSTERREICH

Nebst den vier Titelblättern steht da u.a. das:

Am 14. September zeigte ÖSTERREICH exklusiv das erste Foto des Terrorverdächtigen. Und am Tag darauf konnten ÖSTERREICH-Leser das erste Interview mit dem Terror-Paten lesen. Am 20. September meldete ÖSTERREICH exklusiv: Terrorist plante Attentat auf Fußball-EM.

Gut gemacht, ÖSTERREICH. Aber der Vollständigkeit halber darf das Titelblatt vom 16. September natürlich nicht fehlen:


Ausriss: ÖSTERREICH

Wieso diese Meldung bei der Aufzählung der Exklusivberichte wohl fehlt?

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