Archive for November 2007

 
 

Vergriffen? Leider nicht!

Vor kurzem startete die neue ÖSTERREICH-Werbeoffensive. Nachdem im Oktober die Aufsteller mit den Gratis-Ausgaben in Wien schließlich abmontiert wurden, gibt es jetzt neue Aufsteller. Selbstverständlich in neuem Design.

Die Werbehefte sind deutlich dünner, und enthalten diesen Hinweis rechts oben:

Gratis, ÖSTERREICH, 28. November 2007

Ausriss: ÖSTERREICH

Vergriffen? ÖSTERREICH? Um neun Uhr früh? Nee!

Weder die Gratis-Ausgaben, die zu hunderten in den Aufstellern liegen, noch die normalen Ausgaben, was wir stichprobenartig in fünf Trafiken überprüft haben. Selbst um 17 Uhr waren noch problemlos Ausgaben unserer Gazette zu haben.

Aber insgesamt ist das ein netter Werbe-Gag, gleich tausende Vergriffen-Exemplare zu drucken.

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Über Humor und mediterrane Steinfrüchte

Wie heißt es so schön: “Humor ist, wenn man trotzdem lacht”. Und Geschichten über Sacha Baron Cohen haben einfach lustig zu sein, schließlich kennen wir ihn doch alle als Borat.

Unter der Überschrift Borat: Stolz auf seine kleine “Olive” erfahren wir heute, dass Sacha Baron Cohen zusammen mit seiner Verlobten Isla Fisher Tochter Olive der Öffentlichkeit präsentierte.

Dass sie auch den Humor vom Daddy geerbt hat, wäre ihr zu wünschen. Denn benannt nach einer mediterranen Steinfrucht, wird Olive noch viel Humor brauchen …

Ja, sehr witzig. Ein Komiker nennt seine Tochter Olive. Borats Baby, die kleine Boratine!

Die Idee, sich über den Namen lustig zu machen, stammt allerdings nicht von der ÖSTERREICH-Redaktion, sondern von BILD. Dort findet sich unter der Überschrift Es ist eine Olive!:

Und wie das eben bei einem Komiker von Welt so ist, „Ottilie Normalo“ durfte der kleine, glucksende Pampers-Purzel natürlich nicht heißen. Erst gab’s ein Riesen-Brimborium um den Namen. [...]

Egal, im kuscheligen Arm von Mami schläft es sich selbst als mediterrane Steinfrucht gar nicht sooo übel …

Dass der Artikel mit einem Borat-Bild illustriert wird, sei hier nur am Rande erwähnt. Ähnlich wie beim Thema Kasachstan, sind Boulevard-Zeitungen offenbar auch bei Sacha Baron Cohen nur zu Borat-Assoziationen fähig.

Es könnte aber auch durchaus sein, dass es andere Gründe gab für Sacha Baron Cohen und Isla Fisher, ihre Tochter Olive zu nennen.

Wahrscheinlich hätte Sacha Baron Cohen sein Geschichtsstudium in Cambridge gar nicht gebraucht, um zu wissen, dass der Name Olive nicht nur bis in die 1940er Jahre ein beliebter Mädchenname in den USA war, sondern sich auch eine italienische Heilige unter den Namenspatroninnen findet.

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ÖSTERREICHische Wortdefinitionen

Superlative gehören zu Boulevardzeitungen. Ebenso wie Unwahrheiten oder gewisse Übertreibungen. Als Beispiel diese Jubelmeldung in der heutigen Ausgabe von ÖSTERREICH. Da steht u.a. über die meistgelesenen Zeitungen an Sonntagen das hier:

Genauso eindrucksvoll ist der ÖSTERREICH-Erfolg am Sonntag. [...] Damit hat ÖSTERREICH sonntags sowohl Kurier als auch Kleine Zeitung überholt – und ist die eindeutig zweitgrößte Sonntagszeitung im Land.

Und so sieht dieser “eindeutige” Überholvorgang in der Grafik aus:
Auflage, ÖSTERREICH, 24.11.2007
Ausriss: ÖSTERREICH

Naja, ÖSTERREICH liegt also mit 1,2% Prozentpunkten vor dem KURIER. Allerdings nur, bis man der Schwankungsbreite gewahr wird, die im Kleingedruckten unterhalb der Grafiken zu sehen ist. Die liegt nämlich bei der Errechnung der Sonntagsleserzahlen bei +/- 1,8%. Und bei einer solchen Zahl wird der “eindeutige” Vorsprung plötzlich zur Auslegungssache.

Um es mit Alexander van der Bellens Worten zu sagen: “Es wird arschknapp!”

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Wolfgang Fellner in aller Bescheidenheit: “Nur die Zeitung”

Vielleicht muss Wolfgang Fellner ja selber schmunzeln, wenn er an das Interview zurückdenkt, das er im April 2006, vor der ÖSTERREICH Markteinführung gegeben hat.

Eineinhalb Jahre später wirken nicht wenige Aussagen von Wolfgang Fellner ein bißchen überholt.

Bei diesem EXTRADIENST-Interview antwortete er auf die Frage, was es zum ÖSTEREICH-Abo dazu geben wird:

Gar nichts.

Da war der Interviewer wahrscheinlich kurz ratlos. Gilt Wolfgang Fellner in Österreich schließlich als der Erfinder der Abo-Zugaben.

Das ist so. Bei mir gibt´s nur das Abo. Man muss es immer anders machen als alle geglaubt haben. Nur als Start-Abonnent werden Sie einige Vorteile haben. Alle Leute, die gedacht haben, ich mache jetzt wie der Kurier oder die Krone einen Gemischtwarenladen auf, haben sich eben getäuscht.

Also gut, keine Zugaben, also auch kein Eigenheim zum Abo?

Es gibt nur die Zeitung.

Und für die Zukunft, fragt EXTRADIENST?

Das heißt nicht, dass es nicht im Laufe des Erscheinens überraschende Angebote geben wird, die werden aber anders sein. Einen Wasserfilter wie der Kurier werde ich nicht dazugeben.

Also gut, keine Wasserfilter und Eigenheime zum Abo. Eine Verramschung von Unsinn nennt Fellner das. Er will ja keine Gemichtwarenhandlung.

Wen sollen Dinge, die man sich woanders billiger kaufen kann, zu Wahnsinnspreisen interessieren?

Stimmt.

Geschenke ÖSTERREICH

Eineinhalb Jahre später gibt es nicht nur die Vignette oder den iPod für nur drei Euro im Monat, auch ein Mini-TV mit DVD-Player für nur zehn Euro im Monat (jeweils mit 12 Monaten ÖSTERREICH-Abo) ist zu haben. Oder ein Traumhaus wurde bei einem Gewinnspiel verschenkt, für vier Wochen gratis Abo.

Die Vignette, so erklärt uns Skifahr-Legende Franz Klammer derzeit in doppelseitigen Anzeigen, gibt es bei einem Zwei-Jahres-Abo sogar kostenlos. Keine Sorge, dafür gibt es zum Abo-Preis von 11,90 Euro/Monat jeden Samstag MADONNA noch dazu, gratis sozusagen. Obwohl, hat sich doch der Abo-Preis seit dem MADONNA-Start um zwei Euro erhöht.

Um zur Überschrift zurückzukommen, eine Frage:

Wie schaffe ich es am Samstag ÖSTERREICH zu lesen, ohne gleichzeitig MADONNA kaufen zu müssen?

Noch ein Tip für alle, die ÖSTERREICH heute nicht gelesen haben. Am Donnerstag gibt es zur Tageszeitung mit Scheck ein Kochbuch und am Freitag eine CD für einen Euro dazu.

Buch und CD ÖSTERREICH

Das Angebot am Donnerstag ist allerdings nur für Menschen interessant, die nicht schon das Drei-Monats-Abo für 29,90 Euro + 9 Kochbücher bestellt haben.

Kochbücher ÖSTERREICH

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Ein Stück Theatergeschichte

Wir alle erinnern uns an das berühmte Liebesdrama ROMEO UND JULIA von William Shakespeare. Nicht zu vergessen, die wunderbare Verfilmung von Baz Luhrmann mit Leonardo DiCaprio und Claire Danes.

Die Familien von Romeo und Julia sind gegen ihre Beziehung, weil Julia mit zwölf Jahren zu jung ist für den siebzehnjährigen Romeo.

Romeo und Julia, Ausriss KRONENZEITUNG, 14.11.2007

Ausriss: KRONENZEITUNG

Also fliehen die beiden, übernachten sieben Wochen in einem Zelt, bis sie von der Polizei angesprochen werden, und zugeben von Zuhause ausgerissen zu sein.

Romeo und Julia, Ausriss ÖSTERREICH, 15.11.2007

Ausriss: ÖSTERREICH

Am Ende dann die Versöhnung. Aus Freude über die Rückkehr ihrer Kinder, erlauben die Eltern, dass sich die beiden einmal in der Woche sehen, und stellen ein gemeinsames Weihnachtsfest in Aussicht.

Manche Vergleiche sind einfach mehr schief als eben.

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Seitenfüller

Avril Lavigne lässt sich nicht ärgern

So stand’s gestern im Life&Style-Teil der Sonntagsbeilage von ÖSTERREICH. Hintergrund der Meldung war die Seite perezlavigne.com, die angeblich als Reaktion Avril Lavignes auf die hämische Berichterstattung des Bloggers Perez Hilton gedacht sein sollte:

Nun dreht die Rockerin den Spieß um. Auf der Website perezlavigne.com zieht sie mittels Unterschriftenaktion gegen Perez los: “Ich will, dass ihr dieser Schmeißfliege einen Arschtritt verpasst!”

[Hervorhebung von uns]

Beim Ausmaß einer Tageszeitung wie ÖSTERREICH sind wohl gewisse Anforderungen an saubere Recherche einfach nicht zu erfüllen. Da reicht’s, wenn jemand über eine Website stolpert. Schon wird sie zur Meldung, ohne sie vorher auf ihre Richtigkeit überprüft zu haben. Denn hätte der oder die Zuständige ein, zwei Minuten darauf verwendet, die ganze Story zu hinterfragen, dann wäre folgendes offensichtlich geworden: Die Seite ist ein Schwindel.

Abgesehen davon, dass die Seite weder im Auftrag noch persönlich von Avril Lavigne ins Leben gerufen wurde, ist auch das Wörtchen “nun” im oberen Text nicht angebracht. Die Seite ging nämlich schon Ende September online.

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Erst, erster am erstesten

Ach, was würden wir alle ohne die Großzügigkeit ÖSTERREICHs machen? Auch in der gestrigen Ausgabe verschenkte ÖSTERREICH wieder was, und zwar das neue iPhone. Der Grund dafür ist die Markteinführung in Deutschland, die vorgestern begann. Und da ÖSTERREICH immer und in allem Erster ist, gibt’s das “erste iPhone” für einen oder eine ÖSTERREICH-LeserIn geschenkt!

iPHone, ÖSTERREICH, 10. 11.2007

Ausriss: ÖSTERREICH

Ja, da gibt’s also das “erste iPhone”. Naja, das erste der Welt wird es wohl nicht sein. Aber vielleicht das erste Deutschlands? Wieder nicht, das hat sich, wie auf der gleichen Seite zu sehen ist, schon dieser Mann unter den Nagel gerissen:

iPHone, ÖSTERREICH, 10. 11.2007

Ausriss: ÖSTERREICH

Tja, dann kann’s ja wohl nur noch das erste iPhone in Österreich sein. Aber nein, auch das ist schon vergeben, das hat sich nämlich der ÖSTERREICH-Reporter Wolfgang Fürweger schon besorgt:

iPHone, ÖSTERREICH, 10. 11.2007

Ausriss: ÖSTERREICH

Was solls, dann ist’s halt einfach nur ein “erstes iPhone”.

Übrigens, das iPhone bekommt der oder die glückliche GewinnerIn inklusive der Grundgebühr von 49 Euro pro Monat, ein Jahr lang. Gesprächsgebühren müssen selber bezahlt werden. Aber dann wird es kostspielig, denn der Vertrag mit der deutschen T-Mobile läuft über zwei Jahre, was für ein weiteres Jahr Kosten von 49 Euro pro Monat verursacht. Die Gesprächsgebühren, wie in ÖSTERREICH selbst zitiert, belaufen sich dann auf 58 Cent/Minute bei aktiven und 29 Cent/Minute bei passiven Gesprächen. Ganz zu Schweigen davon, dass ja auch die Anrufenden in ein deutsches Netz telefonieren müssen, was bei Telering z.B. 51 Cent und bei der österreichischen T-Mobile Tochter sogar stolze 70 Cent kosten kann.

Um zusammenzufassen: Wer die nächsten zwei Jahre an einen deutschen Netzbetreiber gebunden sein will, kein Problem damit hat, dass Bekannte und auch er oder sie selber durchs telefonieren arm werden, das ganze dafür aber am technisch neuwertigsten Stand, sollte auf jeden Fall versuchen, sich von ÖSTERREICH das “erste iPhone” andrehen zu lassen. Vielleicht gibt’s ja eine gratis Vignette dazu (mit 2-jährigem ÖSTERREICH-Abo, versteht sich).

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Gelangweilte Abgeordnete liefern sich hitzige Debatte

Kaum ein Tag ist vergangen in den letzten Wochen, an dem die KRONE keine EU-Schlagzeile auf die Titelseite setzte. So auch heute:

Debatte, KRONENZEITUNG, 09.11.2007

Ausriss: KRONENZEITUNG

Die gleiche Nachricht sieht bei ÖSTERREICH heute hingegen ganz anders aus:

Debatte, ÖSTERREICH, 09.11.2007

Ausriss: ÖSTERREICH

Im Übrigen schafft es die KRONE heute wieder einmal in so ziemlich allen Kommentaren und Gedichten EU-Kritik unterzubringen.

Herbert Pirker, mit seinen täglichen Gedichten KUAZ UND GUAD, reimt heute über Genmais. Da fällt auf, er hätte die Berichterstattung des eigenen Blattes besser verfolgen sollen. Nachdem er feststellt, dass die EU Österreich Genmais aufzwingt, den “mia ned wolln”, ist er überzeugt davon, dass sich die Konsumenten nur zu wehren brauchen. Denn:

Wer kann uns zwingen? I glaub, mia können des vermeiden: Als Konsument kann ma entscheiden, und de EU kann si verzupfen und mit dem Genmais tempelhupfen.

Das möchten wir bezweifeln. Denn es gibt eine Selbstverpflichtung des Handel, keine gekennzeichneten Gentech-Produkte zu verkaufen. Als Konsument werde ich also gar nicht die Möglichkeit haben Genmais zu kaufen, oder zu meiden. Genmais wird erst gar nicht zu kaufen sein.

Ganz anders beim Futtermittelmarkt, und hier liegt das Hauptproblem der Genmais-Debatte:

Durch die Aufhebung der Importverbote könnten die Gentech-Sorten MON810 und T25 bald im Futtertrog von Schweinen, Kühen oder Hühnern landen. Milch, Eier oder Fleisch von diesen Tieren müssen in der EU nicht gekennzeichnet werden. Konsumenten bietet sich so keine Möglichkeit, diese Produkte gezielt zu vermeiden.

[sämtliche Hervorhebungen von uns]

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