Archive for February 2008

 
 

Boulevardesker Massen-Test

Die KRONE wusste in der heutigen Ausgabe nicht so recht, was sie über den Giftmischer von Spitz berichten sollte. Da keine neuen Erkenntnisse vorlagen, gab es eine Seite mit Lokalaugenschein: „Man kann hier keinem mehr vertrauen“. Aber kein Wort über den Massen-DNA-Test, der gestern noch das Titelblatt zierte.

Ausriss KRONE, Titel vom 15.02.2008, Massen-DNA-Test

Ausriss: KRONENZEITUNG

Ähnlich sah das gestern ÖSTERREICH.

Ausriss ÖSTERREICH, Titel vom 15.02.2008, Massen-DNA-Tests

Ausriss: ÖSTERREICH

Und heute in ÖSTERREICH? Kein Wort über einen möglichen DNA-Test. Das auffälligste an der ÖSTERREICHischen Berichterstattung: Der Akzent auf Chéri ist mittlerweile kein Problem mehr.

Ausriss ÖSTERREICH, Titel vom 11.02.2008, Mon Cheri

Ausriss: ÖSTERREICH

Dabei war gestern bereits klar, dass es keine Massen-DNA-Tests geben wird. Der STANDARD berichtete dies nach einem Gespräch mit Ernst Schuch, dem leitenden Ermittler vom niederösterreichischen Landeskriminalamt:

Für keine gute Idee hält Schuch den kolportierten Plan, den Giftattentäter durch Massen-DNA-Tests zu fassen. „Eine solche Maßnahme würde einen tiefen Eingriff in die Rechte vieler unbeteiligter Menschen darstellen. Er darf nur allerletztes Mittel sein. Man kann nicht die Wachau absperren und allen Männern Speichelproben abverlangen.“

Gestern noch auf beiden Titelblättern und heute schweigt der Boulevard zum Thema DNA-Test? Nicht so der STANDARD, wo wir erfahren, dass nicht nur die Ermittler Massen-DNA-Tests ablehnen, sondern auch die Justiz bedenken anmeldet:

Christian Pilnacek, Leiter der Abteilung für Strafrecht im Justizministerium, bestätigt dies. „Alles, was in einem solchen Fall über 50 bis 100 DNA-Tests hinausgeht, ist auch laut der seit 2008 neuen heimischen Rechtslage unzulässig.“

Vielleicht erfahren das morgen auch die KRONE- oder ÖSTERREICH-LeserInnen.

Nachtrag: Immerhin, das Gift hat bereits im zweiten Anlauf gestimmt.

Ausriss ÖSTERREICH, Titelseite vom 10.02.2008, Zyankali

Ausriss: ÖSTERREICH

Es hätte ja auch sein können.

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Wegbereiter

Als eines der Themen des Tages präsentiert ÖSTERREICH heute den angeblichen Siegeszug seines Portals oe24.at. Die gerade veröffentlichten Zahlen der Österreichischen Webanalyse (ÖWA) zeigen, dass oe24.at bei den Dachangeboten mit ca. 1,2 Millionen Unique Clients an zweiter Stelle hinter derstandard.at mit über 1,4 Millionen Unique Clients liegt.

Als einer der Gründe, warum das Portal so beliebt sei, wird besonders das rege Interesse der LeserInnen an Mitsprache und der Einrichtung eigener Weblogs auf oe24.at angegeben. Unter der Überschrift “Warum oe24 so gut gefällt” steht da:

User-Postings, sprich: Beiträge von Lesern zu aktuellen Themen, gehören auf oe24.at inzwischen zum Leser-Alltag. Hier findet man sofort nach Erscheinen der tagesaktuellen Nachrichten unter den Artikeln die kritischen Meinungen der Österreicher. Dank der unkomplizierten Veröffentlichung hat sich auf oe24.at inzwischen eine große Fan-Gemeinde gebildet, die täglich ihre Meinungen postet, bzw. nachliest, was österreichische Leser wirklich denken. Auch Leser-Blogs, also Web-Tagebücher von Usern in Form von Texten und Bildern, haben sich dank oe24 auch in Österreich etabliert.

[Hervorhebungen von uns]

Aha, “unkomplizierte Veröffentlichung”. Woraus besteht die? Nun, wer kommentieren will, muss nicht registriert sein. Bis vor einigen Monaten war das noch anders, doch anscheinend hatten die Verantwortlichen bemerkt, dass das fehlende Interesse der Leserschaft nur durch Abbau dieser kleinen Barriere auszugleichen war.

Eine etwas genauere Auseinandersetzung mit den Zahlen der ÖWA fördert übrigens auch noch ein weiteres interessantes Detail zutage. Denn angenehmerweise sind die Zahlen unterteilt in verschiedene Bereiche wie Redaktionelles, Werbung oder Community. Dort ist zu erkennen, dass auf Communitybereiche der Nummer 1, derstandard.at, im Monat Jänner über 125.000 Besucher zugegriffen haben. Bei oe24.at hingegen, das gesamt nicht mal 200.000 UC hinter derstandard.at liegt, waren es im Monat Jänner nur 21.334.

Ja, kann das denn sein? Dass trotz des kometenhaften Aufstiegs nicht mal ein Zehntel so viele Menschen Interesse an der Community von oe24.at haben? Schließlich hat oe24.at ja dafür gesorgt, dass sich Leser-Blogs auch in Österreich etablieren! Müssten dann nicht wahnsinnig viele Menschen auf oe24.at bloggen? Nun, auf der Leserblogseite von oe24.at findet sich neben den als Leserblogs verkauften Kolumnen des Printmediums gerade mal ein Leserblog:

Leserblogs
Ausriss: oe24.at

Damit bleibt uns wohl nur noch, oe24.at als Wegbereiter dieses einen Lyrikblogs zu gratulieren!

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Geschlechtsneutrale Sprache auf ÖSTERREICHisch

Eigentlich waren wir ja davon überzeugt, dass ÖSTERREICH keinen Wert auf geschlechtsneutrale Sprache legt. Doch anscheinend fehlte bisher nur ein Grund, mal so richtig schön zu gendern. So wie auf dem heutigen Titelblatt:

die giftmischer(in)
Ausriss: ÖSTERREICH

Wenn’s heimtückisch wird, reicht die männliche Form wohl einfach nicht mehr aus.

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