Archive for July 2008

 
 

Sich kleiden wie der Schlächter

ÖSTERRREICH dokumentiert heute die wundersame Verwandlung des Radovan Karadzic. Von ÖSTERREICH auch gern als “Bosnien-Schlächter” bezeichnet.

Die Schmach der aufgeregten boulevardesken Verwechslung wird gekonnt ignoriert, von der KRONE sogar geschickt genutzt:

Ausriss: KRONE, Unkenntlichmachung von uns

Die Verwechslung also kein Wunder, schauen schließlich in Serbien alle so aus. Deshalb war es ja auch so eine perfekte Tarnung. Oder in den Worten der KRONE:

Serbien ist voll von Karadzic-Typen, wie bei der Demo in Belgrad.

In echter Seitenblicke-Manier dokumentiert währenddessen ÖSTERREICH die Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers an das UN-Tribunal. Dass sich Karadzic ausschließlich von Mandeln und Wasser ernährt sei nur nebenbei erwähnt.

Auf was legen echte Seitenblicke-ReporterInnen besonderen Wert? Richtig, auf die Kleidung:

Ausriss: ÖSTERREICH

Karadzic trägt also ein blaues T-Shirt der Marke “Gant”. Wie kommt die Erwähnung aber jetzt zustande?

Eine wilde Spekulation in Boulevard-Manier:
Vielleicht gibt es eine Liste in der ÖSTERREICH-Redaktion mit häufigen Werbekunden. Alle RedakteurInnen sind angehalten die Liste auswendig zu lernen und immer wenn möglich, die Markennamen in ihre Berichte einzustreuen. In dem Fall ist die Aktion wohl eher missglückt. Ziemlich unwahrscheinlich, dass “Gant” besonders glücklich ist über die Erwähnung … Zumindest ist die heutige Ausgabe ohne “Gant”-Beilage.

Mit Dank an Christoph für den Hinweis

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Wie der Boulevard arbeitet

Die Enttarnung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Karadzic war für KRONE und ÖSTERREICH ein gefundendes Fressen. War doch die Nähe Serbiens eine gute Möglichkeit, auch einen lokalen Bezug herzustellen.

Dass sich dann etliche Zeugen fanden, die bestätigten, nicht nur Kontakt zu Karadzic gehabt, sondern auch geraume Zeit mit diesem unter einem Dach verbracht zu haben, sollte für genug Stoff sorgen, das trotz anstehender Neuwahlen existente Sommerloch zu füllen.

So konnten KRONE und ÖSTERREICH mit großen Interviews der Vermieterin Karadzics punkten, und auch der aus dem Urlaub zurückgekehrte Jeannée hatte die Möglichkeit, in seinem Brief an Karadzic nicht nur die Grünen, Roten und Liberalen, sondern auch gleich alle in Wien lebenden Ausländer als Helfer Karadzics zu entlarven. So schrieb er am gestrigen Sonntag noch:

Wer hat Ihnen von den asylparadiesischen Zuständen in Ottakring, Hernals, Fünfhaus, Favoriten und Penzing erzählt? Und von den vielen grünen, roten und liberalen Gutmenschen, deren schützende Hände diese asylparadiesischen Zustände erst möglich gemacht haben?

Und heute? Heute sieht alles irgendwie anders aus. Da entpuppt sich “Opa Pera”, als der sich Karadzic angeblich ausgegeben haben soll, als ein Mann, der tatsächlich existiert und im Zeitraum in dem Karadzic in Wien gelebt haben soll – nicht nur im gleichen Bezirk, sondern sogar in der gleichen Straße.

Naja, kann schon mal vorkommen, dass sich eine Geschichte, die auf der Zeugenaussage einer einzigen Person, nämlich der Vermieterin Opa Peras, basiert, als falsch herausstellt. Das muss dann eben zugegeben werden, denn, was bringt schon Leugnen, wenn alle Welt erkennt, dass es sich eben nicht um Karadzic, sondern um Pera gehandelt hat?

Doch halt, in der Welt des Boulevards gibt es genug Möglichkeiten, einer solchen Schmach zu entgehen. Wenigstens für einen flüchtigen Moment. Denn ÖSTERREICH titelte heute so:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Und tatsächlich, im Inneren bestätigt der eigentliche Wunderheiler dann auch im Interview mit ÖSTERREICH: “Karadzic hat meine Identität angenommen”. Interessanterweise hatte dieser Herr Peter Glumac, wie sein wirklicher Name lautet, der serbischen Nachrichtenagentur Tunjag ursprünglich bestätigt, von der österreichischen Polizei überprüft worden zu sein. Dass er das nun im Interview mit ÖSTERREICH bestreitet – was für ÖSTERREICH Beweis dafür ist, dass Karadzic doch in Wien geweilt haben muss – kann wohl nur als Gehorsam gegenüber der bereits fabrizierten Geschichte des Blattes gewertet werden.

Die KRONE, die ja in der Wiener Polizei die eigentlich Schuldigen an der ganzen Misere erkannt hatte, sah in den neuen Entwicklungen wohl eher einen Grund leiser zu treten. Nur ein kleiner Bericht über Karadzic findet sich heute noch im Blatt. Der “Doppelgänger” wird einzig als weiterer, mysteriöser Aspekt des Wienaufenthaltes Karadzics gesehen.

Und Jeanée? Der widmet sich heute lieber Heide Schmidt.

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Medienschelte-Erweiterung: Meta-Schelte

Liebe Medienschelte-LeserInnen,

es wird Zeit, die Medienschelte um eine weitere Kategorie zu erweitern.

Neben der gewohnten Schelte und der vor kurzem eingerichteten Außen-Schelte, werden wir nun auch interessante Meldungen über den österreichischen Boulevard notieren.

Den Anfang macht folgende Nachricht:

“Krone”-Chef Dichand stoppt Faymann-kritischen Karikaturisten

Hans Dichand stellte den Karikaturisten Markus Szyszkowitz, der für die Krone den “Superrudi” zeichnet und seit drei Jahren als politischer Karikaturist für die Wiener Zeitung tätig ist, vor die Wahl: Krone oder Wiener Zeitung. Offiziell heißt es, eine Arbeit für konkurrierende Medien sei nicht möglich. Allerdings veröffentlichte Szyszkowitz einige kritische Faymann-Karikaturen in der Wiener Zeitung …

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Hans Dichand und sein unehelicher Sohn

Helge zeigt augenzwinkernd, wie Hans Dichand das Gerücht, Werner Faymann sei sein Sohn, selbst adelt.

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Wiederbelebung des Presserats

Der österreichische Presserat soll im Herbst wiederbelebt werden. Unsere KollegInnen der schweizerischen Medienlese haben sich dazu ihre Gedanken gemacht:

Stellt sich nur die entscheidende Frage, ob einschlägige Medien sich den Kopf an den Sprüchen des Presserats zerbrechen werden. Vor allem, wo dieser kaum Sanktionsmöglichkeiten haben wird. Die 20.000 Euro Höchststrafe für die Verletzung von Persönlichkeitsrechten zahlt man aus der Portokasse. Denn gerade die angeprangerten Skandale bringen Auflage, Klicks und höhere Werbeeinnahmen.

Den Rest des sehr lesenswerten Beitrags gibt’s hier.

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Borat, der Drill Instructor

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Ohne Worte.

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Willkommen in der Außen-Schelte

Liebe Medienschelte-LeserInnen,

die Medienschelte ist ab heute um eine Kategorie reicher.

In Zukunft werden wir nicht nur Fundstücke aus den Boulevardzeitungen ÖSTERREICH und KRONE scheltern, sondern darüberhinaus Beiträge aus anderen Blogs zum Thema “Boulevard” präsentieren.

Sehr viele österreichische BloggerInnen als kritische MedienanwenderInnen setzen sich regelmäßig mit dem Boulevard auseinander. Wir sind der Meinung, eine Bündelung könnte die Reichweite der Boulevardkritik erhöhen.

Wenn es dann wieder bei Bassena einen treffenden Beitrag zum Thema “KRONENZEITUNG” gibt, werden wir das in der Außen-Schelte nicht verschweigen.

Zu Hinweisen auf Boulevard-Blogeinträge sagen wir natürlich nicht “Nein”.

Mit Dank an Helge für den Vorschlag

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