Die Enttarnung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Karadzic war für KRONE und ÖSTERREICH ein gefundendes Fressen. War doch die Nähe Serbiens eine gute Möglichkeit, auch einen lokalen Bezug herzustellen.
Dass sich dann etliche Zeugen fanden, die bestätigten, nicht nur Kontakt zu Karadzic gehabt, sondern auch geraume Zeit mit diesem unter einem Dach verbracht zu haben, sollte für genug Stoff sorgen, das trotz anstehender Neuwahlen existente Sommerloch zu füllen.
So konnten KRONE und ÖSTERREICH mit großen Interviews der Vermieterin Karadzics punkten, und auch der aus dem Urlaub zurückgekehrte Jeannée hatte die Möglichkeit, in seinem Brief an Karadzic nicht nur die Grünen, Roten und Liberalen, sondern auch gleich alle in Wien lebenden Ausländer als Helfer Karadzics zu entlarven. So schrieb er am gestrigen Sonntag noch:
Wer hat Ihnen von den asylparadiesischen Zuständen in Ottakring, Hernals, Fünfhaus, Favoriten und Penzing erzählt? Und von den vielen grünen, roten und liberalen Gutmenschen, deren schützende Hände diese asylparadiesischen Zustände erst möglich gemacht haben?
Und heute? Heute sieht alles irgendwie anders aus. Da entpuppt sich “Opa Pera”, als der sich Karadzic angeblich ausgegeben haben soll, als ein Mann, der tatsächlich existiert und im Zeitraum in dem Karadzic in Wien gelebt haben soll – nicht nur im gleichen Bezirk, sondern sogar in der gleichen Straße.
Naja, kann schon mal vorkommen, dass sich eine Geschichte, die auf der Zeugenaussage einer einzigen Person, nämlich der Vermieterin Opa Peras, basiert, als falsch herausstellt. Das muss dann eben zugegeben werden, denn, was bringt schon Leugnen, wenn alle Welt erkennt, dass es sich eben nicht um Karadzic, sondern um Pera gehandelt hat?
Doch halt, in der Welt des Boulevards gibt es genug Möglichkeiten, einer solchen Schmach zu entgehen. Wenigstens für einen flüchtigen Moment. Denn ÖSTERREICH titelte heute so:

Ausriss: ÖSTERREICH
Und tatsächlich, im Inneren bestätigt der eigentliche Wunderheiler dann auch im Interview mit ÖSTERREICH: “Karadzic hat meine Identität angenommen”. Interessanterweise hatte dieser Herr Peter Glumac, wie sein wirklicher Name lautet, der serbischen Nachrichtenagentur Tunjag ursprünglich bestätigt, von der österreichischen Polizei überprüft worden zu sein. Dass er das nun im Interview mit ÖSTERREICH bestreitet – was für ÖSTERREICH Beweis dafür ist, dass Karadzic doch in Wien geweilt haben muss – kann wohl nur als Gehorsam gegenüber der bereits fabrizierten Geschichte des Blattes gewertet werden.
Die KRONE, die ja in der Wiener Polizei die eigentlich Schuldigen an der ganzen Misere erkannt hatte, sah in den neuen Entwicklungen wohl eher einen Grund leiser zu treten. Nur ein kleiner Bericht über Karadzic findet sich heute noch im Blatt. Der “Doppelgänger” wird einzig als weiterer, mysteriöser Aspekt des Wienaufenthaltes Karadzics gesehen.
Und Jeanée? Der widmet sich heute lieber Heide Schmidt.
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Die Enttarnung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Karadzic war für KRONE und ÖSTERREICH ein gefundendes Fressen. War doch die Nähe Serbiens eine gute Möglichkeit, auch einen lokalen Bezug herzustellen.
Dass sich dann etliche Zeugen fanden, die bestätigten, nicht nur Kontakt zu Karadzic gehabt, sondern auch geraume Zeit mit diesem unter einem Dach verbracht zu haben, sollte für ...