Archive for October 2008

 
 

Der Knalleffekt im Wasserglas

Geschafft. Endlich kann ÖSTERREICH so titeln:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Tatsächlich ging jetzt eine Anzeige wegen Mordverdachts im Zusammenhang mit Jörg Haiders Tod ein:

Nächster Knalleffekt um den Unfalltod von Jörg Haider: Gestern gelangte eine anonyme Anzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft ein.

So ein Knaller muss natürlich auf die Titelseite. Auch wenn im selben Artikel vom zuständigen Sprecher der Staatsanwaltschaft relativiert wird:

“Ja, wir bekommen täglich solche Sachverhaltsdarstellungen”, erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Helmut Jamnig.

So viel also zum Knalleffekt.

Aber auch was die vor einigen Tagen aufgetauchten Polizeifotos vom Unfallort angeht, beweist ÖSTERREICH moralische Flexibilität. Von einem “Eklat um Unfallfotos” wird heute geschrieben, da sie nicht einem offiziellen Polizeibericht entstammen, sondern von einem Polizisten mit einer privaten Kamera aufgenommen und dann an diverse Medien verkauft wurden. Der Polizist sei angeblich schon vom Dienst suspendiert worden, ein Prozess wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses drohe, ebenso ein internes Disziplinarverfahren.

Trotzdem war sich ÖSTERREICH nicht zu schade, den Inhalt der Fotos am gestrigen Titelblatt für eine reißerische Schlagzeile zu verwenden:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Und wie auch heute wurden die “aufgetauchten” Polizeifotos natürlich im Blattinneren abgedruckt.

Des einen Leid ist eben noch immer ÖSTERREICHs Freud.

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Verwirrspiel

Für Starmaniakandidatin Lia, die in der gestrigen Show ausschied, ist die heutige Meldung in der KRONE vielleicht ein kleiner Trost:

Ausriss: KRONENZEITUNG

Ausriss: KRONENZEITUNG

Schließlich ist Lia nicht 18, sondern schon 32 Jahre alt. Allerdings ist sie auch nicht aus Graz, sondern aus Wien. Aber damit geht’s ihr nicht viel schlechter als Matthias, der Kärntner wurde nämlich auch nach Vorarlberg verfrachtet.

Woher kam jedoch diese Verwirrung? Vielleicht von den ausgeschiedenen KandidatInnen der Vorwoche. Das waren nämlich der 24-jährige Vorarlberger Michael und die 18-jährige Grazerin Lejla.

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ÖSTERREICH relativiert sich (oder auch nicht)

Während die ÖSTERREICH-Titelseite kürzlich so aussah,

Ausriss: ÖSTERREICH

relativiert sich ÖSTERREICH nur zwei Seiten weiter selbst:

Ausriss: ÖSTERREICH

Dabei hätte das als Anfang einer Bescheidenheit interpretiert werden können, die ÖSTERREICH heute bei der Analyse ihrer Leserzahlen vielleicht gut getan hätte. Nachdem heute die Media-Analyse das Fellner-Blatt erstmals auswies, ist für ÖSTERREICH klar:

Laut neuer “Media-Analyse” hat ÖSTERREICH dabei auf Anhieb den KURIER überholt und sich auf Rang 2 aller nationalen Tageszeitungen gesetzt.

Bei der Grafik der Printausgabe wurde gleich mal auf die KRONENZEITUNG verzichtet, aber was noch viel entscheidender ist: beim heißen Duell mit dem KURIER hat ÖSTERREICH doch glatt die KLEINE ZEITUNG vergessen. Denn mit 11,7% liegt das Blatt vor ÖSTERREICH mit 9,7%.

Der STANDARD hat übrigens an die KLEINE ZEITUNG gedacht:

Die KLEINE ZEITUNG, längst zweitgrößte Österreichs, kommt auf 11,7 Prozent. Die “Krone” wirkt mit 42,2 Prozent vorerst ziemlich unbeeindruckt.

[Hervorhebungen von uns]

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Meta: Die KRONE als Wahlhelfer

Auch Stefan Niggemeier, BILDblogger und deutscher Medienkritiker, hat sich nun mit der KRONE und ihrer Rolle als Wahlhelferin der SPÖ beschäftigt.

Eine detailiertere Auseinandersetzung mit dem Thema findet sich in diesem Posting von Georg Günsberg, das auch als Inspiration für Niggemeiers Eintrag gedient hat.

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Unbedenkliche Todesmilch

Nachdem in China durch verseuchte Milch einige Todesfälle und etliche tausend Verletzte zu beklagen waren, hat es der Skandal nun auch bis nach Österreich geschafft. Jedenfalls wenn dem Rauschen des Blätterwalds im Boulevard Glauben zu schenken ist.

ÖSTERREICH wittert schon Todesmilch in Österreich:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Grund dafür ist der Fund eines einzigen Milchgetränks in der Vorratskammer eines Chinarestaurants in der Steiermark. Das Getränk wurde untersucht, das Resultat ergab einen Melaminwert von 26mg pro Kilogramm. Allerdings scheinen die zuständigen RedakteurInnen bei ÖSTERREICH ein kleines Problem mit Zahlen und deren Bedeutung zu haben.

Der zum Kurzinterview herangezogene Experte des Gesundheitsministeriums sagt im Interview nämlich Folgendes:

Die EU-Kommission erlaubt nur 25. In China waren die Werte 100-mal höher und lagen bei 3.500 Gramm. Deswegen sind die Kinder schwer erkrankt. Das Produkt, das wir überprüft haben, ist gesundheitlich unbedenklich.

Gut, damit wäre ja mal geklärt, dass es sich bei dem Getränk NICHT um die Todesmilch aus China handelt. Leider hört ÖSTERREICH seinen Experten ungern zu, besonders wenn es bedeuten würde, das Wort “Tod” aus einem Titel streichen zu müssen.

Ob der Experte allerdings wirklich von 3.500 Gramm gesprochen hat, ist zu bezweifeln. Denn bei 3.500 Gramm pro Kilogramm wäre der erhöhte Melaminwert nicht nur offensichtlich, auch allein die Transportkosten der Unternehmen um die zusätzlichen 2,5 Kilogramm reinen Melamins in die Supermärkte zu schaffen, wären horrend. Dass die Zahl auch im eigentlich Artikel nochmals vorkommt, lässt darauf schließen, dass es sich nicht um einen übersehenen Kommafehler handelt.

Aber auch die KRONE scheint ihre liebe Müh mit dem Zahlengewirr zu haben. Denn im Artikel über den Fund des chinesischen Milchgetränks steht, offiziell seien nur 2,5mg erlaubt:

Ausriss: KRONENZEITUNG

Ausriss: KRONENZEITUNG

Praktisch, denn dadurch klingt die vermeintliche Differenz zwischen Grenzwert und gemessenem Wert um Einiges imposanter. Wen würde schon ein Milligramm zu viel hinter dem Ofen hervorlocken? Eben.

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