Archive for November 2008
Mittwoch ist Werbetag
Mittwoch ist Spezialtag bei ÖSTERREICH. An diesem speziellen Tag gibt es immer ein Spezialthema, das, begleitet von ausgewiesenen Experten und Expertinnen, in all der ihm gebührenden Ernsthaftigkeit behandelt wird.
Das letzte Spezialthema, über das wir berichteten, beschäftigte sich mit der Reinigung von Autos nach dem großen Sommerurlaub. Davor war die fachgerechte Behandlung von Krampfadern dran.
Und auch heute tarnt ÖSTERREICH die Spezialseiten “Gesundheit” wieder mal als redaktionellen Inhalt, wo sie doch in erster Linie als eine gute Basis für die dort beworbenen Produkte dienen sollen.
Während der Großteil des Artikels tatsächlich aus allgemeinen Tipps zur Vermeidung von Erkältungen besteht, findet sich im letzten Absatz noch ein Hinweis auf homöopathische Mittelchen:
Den Körper genau da zu stärken, wo Schwächen die Ursachen für Erkrankungen sind, ist das Prinzip der Homöopathie. Komplexmittel wie Metavirulent, Sinu- oder Bronchi-Select sollten tropfenweise bei den ersten Anzeichen von Schupfen [sic] oder Husten genommen werden.
[Hervorhebung von uns]
Und abgesehen von dieser für eine Gesundheitsseite eher unkritischen Darstellung der Homöopathie, wird das oben erwähnte Produkt auch gleich noch mal mit einer (nicht als solche gekennzeichneten) Anzeige beworben:

Ausriss: ÖSTERREICH
So wäscht eine Hand die andere: Unternehmen bekommen zusätzlich zur geschalteten Werbung gleich noch einen eigenen PR-Text, Redakteure müssen sich hingegen nicht um sowas wie sorgfältige, journalistische Arbeit kümmern.
Popularity: 9% [?]
Ein Quantum voller Fehler
Da sich die “Life&Style”-Beilage von ÖSTERREICH noch nie durch wahnwitzig hohe Qualität ausgezeichnet hat, ist es nicht verwunderlich, dass sich heute darin ein halbgarer Artikel über angebliche Fehler im neuesten James Bond Film findet.
Dort schreibt Thomas Zeidler, ansonsten eher der Mann fürs Grobe in der Musikredaktion, dass Cineasten schon über den Film als ein “Quantum voller Fehler” unkten. Abgesehen von der eher mangelhaften Begabung der angesprochenen Cineasten, was schmissige Verballhornungen von Filmtiteln angeht, stellen sich die von Zeidler beschriebenen Fehler großteils als, nun ja, fehlerhaft heraus.
So mokiert sich Zeidler darüber, dass im Film der Bregenzer Flughafen angeflogen wird, wo der doch gar nicht existiert! Oder dass anstatt tatsächlich in Bolivien und Haiti, nur in Panama gedreht wurde. Allein die Tatsache, dass Daniel Craig in Wirklichkeit nicht James Bond ist, lässt Zeidler großzügig durchgehen.
Ebenso beanstandet er, dass Bond während einer Actionsequenz in Bolivien zu schwitzen anfängt, was angesichts einer Außentemperatur von 8 Grad Celsius ja unmöglich sei. Zu dumm nur, dass dieser angebliche Fehler auf der einschlägigen Website Moviemistakes.com, von der Zeidler seine Informationen wohl auch bezogen hat, schon als korrigiert gilt. Es sind nämlich 18, nicht 8 Grad. Was selbst einem Agenten wie Bond den Schweiß auf die Stirn treiben dürfte.
Übrigens, “Ein Quantum voller Fehler” hält momentan bei 13 bestätigten Fehlern. “Casino Royale”, der Vorgänger, bei 51. Kurzes Gedächtnis haben sie, diese Cineasten.
Popularity: 3% [?]
Meta: ÖSTERREICH und die Fälschungen
Das mit dem Druck ist eine schlimme Sache. Besonders wenn sich eine Zeitung wie ÖSTERREICH gerne mal auf die Fahnen heftet, das Druckwerk mit den exklusivsten Meldungen zu sein. Da kommt es dann schon mal vor, dass Kreativität im Umgang mit Quellen gefragt ist. So geschehen kürzlich im Zusammenhang mit dem “Skandal” um die Kündigung der Tanzschule Schäfer-Elmayers als betreuendes Institut des Opernballs 2009.
Dienstags wurde das angebliche Kündigungsschreiben in ÖSTERREICH abgedruckt, exklusiv und natürlich “Original”. Dumm nur, dass es mehr originell als Original war, denn authentisch ist das Schreiben nicht, wie der heutige STANDARD berichtet:
Wolfgang Fellner hat sich bei Ioan Holender bereits entschuldigt. Und kommenden Sonntag “werden wir das auch bei unseren Lesern tun”. Schließlich sei es “ganz offensichtlich”, so der Österreich-Chef zum Standard, “dass wir hier einen Fehler gemacht haben.” Nachsatz: “Obwohl das eigentlich eine lässliche Sünde ist. Denn das von uns gedruckte Faksimile ist keine üble Fälschung, sondern ein … (Pause) … äh, wie immer sie es nennen wollen.”
Den ganzen Artikel samt Abbildung von äh-wie-immer-sie-es-nennen-wollen und Original gibt’s hier.
Wir sind jedenfalls auf die sonntägliche Entschuldigung der lässlichen Sünde gespannt.
[Mit Dank auch an Robert für den flinken Hinweis.]
Popularity: 4% [?]
Boulevard und Ausländerfeindlichkeit
“Boulevardmedien sind das Lebenselixier der Populisten. Selbst wenn im Blatt drinnen sachlich berichtet wird, was bleibt, ist die Schlagzeile und das Coverfoto”.
Sagt Werner T. Bauer von der Österreichischen Gesellschaft für Politikberatung und Politikentwicklung (ÖGPP) in einem STANDARD-Beitrag.
Popularity: 9% [?]

