Archiv der Kategorie ‘Kronenzeitung‘

 
 

Jagd auf die Grippe

Eigentlich ist es ja nicht unsere Art, uns über Schreib-, Tipp- oder Grammatikfehler zu amüsieren. Das kann schließlich allen mal passieren. In dem Fall müssen wir aber eine Ausnahme machen. Macht da doch laut KRONENZEITUNG jemand Jagd auf die Grippe. Die Schweinegrippe wie wir vermuten.

Ausriss: KRONENZEITUNG, 1.1.2010

Ausriss: KRONENZEITUNG, 1.1.2010

Mit Dank an Thomas!

Außenschelte: KRONE Fotostory für #unsereuni

Wie erwartet, ist die KRONE von den anhaltenden Studierendenprotesten in Österreich nicht sonderlich angetan, und wie nun ein aufmerksames Mitglied der zur Protestbewegung gehörenden Facebookseite bemerkt hat, werden Bilddokumente vom Geschehen großzügig zugunsten der eigenen Blattlinie ausgelegt:

Ausriss: KRONE, Foto: unsereuni.at

Ausriss: KRONE, Foto: unsereuni.at

Mit Dank an Thomas J. und Stefanie N. für die Spürarbeit.

PS: Der Link zur Collage auf Facebook ist hier, weitere Fotos zu den Protesten gibt es auch auf Flickr, und zwar hier und hier. Für generelle Informationen zu den Protesten sei nochmals auf obige Seite unsereuni.at und den Twitteraccount unibrennt verwiesen, wer live dabei sein will, kann sich den Livestream direkt aus dem Audimax der Uni Wien zu Gemüte führen.
Update: Auch die Unibrennt-Seite schreibt nun über die eigenwillige Rechercherarbeit der KRONE.

Update 2: Und auch der deutsche BILDblog hat die Geschichte jetzt aufgegriffen.

Außenschelte: Herr Jeannée und seine Neger

Trotz Verspätung wollen wir noch auf den Videocast von Robert Misik hinweisen, indem er sich mit dem Krone-Kolumnisten Michael Jeannée befasst. “Es muss ja einen Grund haben, warum jemand so wird”, meint Misik und listet, nicht unironisch, einige mögliche Faktoren für das Jeannée´sche Gewordensein auf. Als betont linker Autor treibt ihn die Frage um, wie man so wird, wie Jeannée.

Dabei haben wir doch grade die Phase der Re-Naturalisierung, die Biologie und die Neurowissenschaften erklären uns, warum wir so sind, wie wir sind, und nicht durch welche Umstände wir geworden sind, wie wir sind. Als Ergänzung schlagen wir daher noch Erklärungsansätze vor, die zumindest Gehirn und/oder Gene mit einbeziehen. Als Inspiration: Hans Markowitsch, Tatort Gehirn. Das würde dem Herrn Jeannée vielleicht auch gefallen.

Die KRONE und Statistiken

“Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast” ist ja mittlerweile ein geflügeltes Wort. Dass es manchmal allerdings gar nicht nötig ist, eine Statistik zu fälschen, sondern sie einfach nur recht selektiv wiederzugeben, zeigt die KRONE in ihrer letzten Sonntagsausgabe. So wird groß getitelt:

Ausriss: KRONENZEITUNG

Ausriss: KRONENZEITUNG

Und im zugehörigen Artikel (Onlineversion) ist dann zu lesen:

Denn wie das Innenministerium bestätigte, wurden 2008 mit 2.120 Polizisten (lediglich 60 davon sind Verkehrsopfer) so viele Beamte wie noch nie bisher verletzt. Im Vergleich: 2005 erlitten 1.917 Beamte Blessuren.

Basis für diese Schreckensmeldung ist die parlamentarische Anfrage des Nationalratabgeordneten Johann Maier. Er stellt in seiner Anfrage [PDF] u.A. folgende Fragen:

Aviary parlament-gv-at Picture 1

Die Antwort des BMI [PDF] auf Fragen 1 und 2 sieht so aus:

anfragenantwort

Und tatsächlich, im Jahr 2008 wurden 2.123 PolizistInnen im Dienst verletzt. Und ja, im Jahr 2005 waren es nur 1.917. Dass sich die Zahl aber seit dem Jahr 2007 nur geringfügig erhöht, und die übrigen Jahresgesamtzahlen auch relativ nah beisammen liegen, verschweigt die KRONE lieber. Auch, dass die Zahl der aus den Verletzungen resultierenden Strafanzeigen im Vergleich zu den vier vorigen Jahren die Niedrigste ist.

Aber damit nicht genug. Wer Angst schüren will, schafft das nicht mit Zahlen allein. Also wird das Schreckgespenst des aggressiven Ausländers auch noch bemüht. So wird Nationalratsabgeordneter Maier – getreu der Blattlinie – zitiert:

„So bedauerlich es auch ist, dass viele Menschen immer aggressiver auf Polizisten reagieren, muss auch gesehen werden, dass viele dieser Personen aus einem Kulturkreis kommen, in dem ein Polizist nicht als ,Freund und Helfer‘ gesehen wird“, so  der Nationalrat.

[Hervorhebung von uns]

Abgesehen von der ethnologischen Expertise des Herrn Maier, verwundert uns auch sein Rückschluss auf die vielen Ausländer, die angeblich an diesem explosionsartigen Anstieg der Verletzungen Schuld tragen sollen. Denn auf die oben angezeigte dritte Frage, also wieviele Strafanzeigen gegen Ausländer nun aus den Verletzungen der PolizistInnen resultierten, meint das BMI in seiner Antwort nur lapidar:

ausländerstatstikenbmi

Außenschelte: Kontrastreiches Programm

Angeblich wurde ja Markus Rogan in einer Disco in Rom verprügelt. Im Sommerloch jedenfalls eine Meldung, die es auf die Titelblätter von KRONE und ÖSTERREICH schaffte. Wie auf derStandard.at seit gestern nachzulesen und -sehen ist, scheinen die GrafikerInnen bei ÖSTERREICH im Gegensatz zur KRONE allerdings eine gewisse Zuneigung zum Kontrastwerkzeug zu hegen.

Mit Dank an Helge F. für den Hinweis.

Außenschelte: Umfragen im Boulevard

Dass der Sommer angefangen hat erkennen wir nicht zuletzt an der von Hans Dichand ausgelösten Bundespräsidentendebatte. Dass die KRONE nun gehorsam diese Sommerlochgeschichte weiter trägt, versteht sich von selbst.

Vor zwei Tagen hat nun Max dazu einen interessanten Beitrag über die etwas eigenwillige Interpretation von Umfragenzahlen zum fiktiven Präsidentenduell veröffentlicht.

Dass eindeutige Zahlen nicht immer eindeutig interpretiert werden müssen, ist uns aber eh schon seit der Lehrerdebatte klar.

Außenschelte: Wenn die KRONE über Abschiebungen empört ist

Auf “Wut im Bauch” findet sich heute ein interessanter Beitrag zur KRONE und der überraschend lautstarken Empörung über eine Abschiebung:

Oft liest mensch in der Krone von zu lascher Asylpolitik, von Kriminalitätstourismus und dem Ruf des Volkes nach Mehr für ÖsterreicherInnen und Weniger für “Fremde”.

Doch die Krone kann auch anders.

Der Aufenthalt [...] war also nur von kurzer Dauer: Bereits Mittwoch früh saßen [sie] wieder in einer Hercules-Maschine und flogen heim nach Afrika. Bei der “Krone” [...] liefen die Telefone heiß: “Die Leute sind [...] erbost über den Rückflug. Das ist das Todesurteil [...], so “Krone” [...] Lady Maggie Entenfellner.
[Kronenzeitung]

Da kann mensch wieder sehen, so ganz böse kann dieses Blatt doch gar nicht sein.

Leider ist das dann doch zu schön um wahr zu sein. Klicken Sie hier um herauszufinden was es mit der Kehrtwende der KRONE wirklich auf sich hat.

Die KRONE und die Bildung

LehrerInnen sind faul und geldgierig, das wissen wir ja schon lange. Die KRONE will es uns aber beweisen!

Und darum sollte es auch niemanden verwundern, wenn seit dem Vorschlag der Ministerin, LehrerInnen länger unterrichten zu lassen, die KRONE alles daran setzt, die geneigte Leserschaft davon zu überzeugen, dass das der einzig richtige Weg sei. So wurde zum Beispiel für die gestrige Ausgabe kurzerhand Platz für einen Gastkommentar der Ministerin eingeräumt:

Ausriss: KRONE

Ausriss: KRONE

Dass es sich bei dem Gastkommentar in Wirklichkeit um einen Brief handelt, den Ministerin Schmied an LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen und MitarbeiterInnen versandt hat, ist da eher nebensächlich. Der Originalbrief ist übrigens hier als PDF abrufbar.

Wie es sich für eine volksnahe Zeitung natürlich gehört, wurden auch gleich noch Passanten befragt:

Lehrer sollen Vorbild sein und mehr arbeiten

lautet die Überschrift zu dem doppelseitigen Spezialbericht. Dass beinahe alle der Befragten sehr dafür wären, Lehrer mehr unterrichten zu lassen, versteht sich von selbst.

Wenn nun also schon das offizielle Österreich und das Volk zu Wort kommen dürfen, dann darf natürlich der offizielle Briefschreiber der KRONE, Jeannée, nicht fehlen:

Ausriss: KRONE

Ausriss: KRONE

Auch er findet nur salbungsvolle Worte für den Mut der Ministerin, Gegner wie Gewerkschafter werden gewohnt wortgewaltig als “Schaumschläger” abgekanzelt.

Das war gestern. Und da der KRONE offensichtlich eine Menge daran liegt, zu vermitteln, wie fehlgerichtet jegliche Kritik am Vorstoß der Ministerin ist, wird heute nochmals mit schweren Geschützen aufgefahren. Auf Seite 3 findet sich ein Kommentar von Peter Gnam, der, wen wundert’s, kein gutes Haar an den LehrerInnen lässt:

Ausriss: KRONE

Ausriss: KRONE

Zur Untermauerung des Volkswillens prangt daneben natürlich nochmals eine Grafik, die eindeutig zeigt, dass Österreichs Bevölkerung die Nase voll von faulen, arbeitsunwilligen LehrerInnen hat.

Aber um ganz sicher zu gehen, dass selbst leiseste Kritik an der Lehrerkritik verstummen mag, präsentiert die KRONE auf der Titelseite eine erschreckende Zahl:

Ausriss: KRONE

Ausriss: KRONE

Die Zahl entstammt einer AK-Studie aus dem Jahr 2008, die sich eigentlich mit der Teuerung bei Nachhilfeangeboten beschäftigt hat, die nun aber gut in den Kurs der KRONE passt. Besonders weil im Blattinneren dort auch noch Folgendes steht:

Von den insgesamt 140 Millionen Euro, die pro Jahr für Nachhilfe ausgegeben werden, geht ein großer Teil an die Lehrer. Denn 32 Prozent der heimischen Schüler werden von offiziellen Pädagogen betreut.

Also nicht nur faul, auch geldgierig!

Da diese Zahl übrigens nicht in der AK-Studie vorkommt, ist es wahrscheinlich, dass sie dieser OECD Studie aus dem Jahr 2002 entnommen wurde. Dort ist zwar die Rede von Nachhilfe und 32 Prozent, allerdings, wie hier nachzulesen, eingebettet in äußerst interessante Aussagen:

Die Studie zeigt auch, dass die erreichte Leistung nicht unbedingt mit der Anzahl der in der Klasse verbrachten Pflichtstunden übereinstimmt: Bei der PISA-Studie zur Leseleistung am Ende der Schulpflicht erreichte Finnland trotz der geringen Pflichtunterrichtszeit sowohl von Schülern als auch von Lehrern Rang eins.

und

Besonders in den skandinavischen Ländern, die in der PISA-Studie hervorragend abgeschnitten haben, werden [...] für fast alle Schüler individulle Fördermaßnahmen und Nachhilfe durch die Lehrer angeboten – im Durchschnitt der OECD-Länder erhalten demnach 68 Prozent der Schüler Nachhilfe durch Lehrer, in Österreich liege der Anteil nur bei 32 Prozent.

[Alle Hervorhebungen von uns]

Lesekompetenz, also das Verstehen des Gelesenen, scheint tatsächlich zu kurz zu kommen. Allerdings nicht nur bei SchülerInnen, sondern auch bei KRONE-RedakteurInnen.