Archive for the Category Kronenzeitung

 
 

Unbedenkliche Todesmilch

Nachdem in China durch verseuchte Milch einige Todesfälle und etliche tausend Verletzte zu beklagen waren, hat es der Skandal nun auch bis nach Österreich geschafft. Jedenfalls wenn dem Rauschen des Blätterwalds im Boulevard Glauben zu schenken ist.

ÖSTERREICH wittert schon Todesmilch in Österreich:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Grund dafür ist der Fund eines einzigen Milchgetränks in der Vorratskammer eines Chinarestaurants in der Steiermark. Das Getränk wurde untersucht, das Resultat ergab einen Melaminwert von 26mg pro Kilogramm. Allerdings scheinen die zuständigen RedakteurInnen bei ÖSTERREICH ein kleines Problem mit Zahlen und deren Bedeutung zu haben.

Der zum Kurzinterview herangezogene Experte des Gesundheitsministeriums sagt im Interview nämlich Folgendes:

Die EU-Kommission erlaubt nur 25. In China waren die Werte 100-mal höher und lagen bei 3.500 Gramm. Deswegen sind die Kinder schwer erkrankt. Das Produkt, das wir überprüft haben, ist gesundheitlich unbedenklich.

Gut, damit wäre ja mal geklärt, dass es sich bei dem Getränk NICHT um die Todesmilch aus China handelt. Leider hört ÖSTERREICH seinen Experten ungern zu, besonders wenn es bedeuten würde, das Wort “Tod” aus einem Titel streichen zu müssen.

Ob der Experte allerdings wirklich von 3.500 Gramm gesprochen hat, ist zu bezweifeln. Denn bei 3.500 Gramm pro Kilogramm wäre der erhöhte Melaminwert nicht nur offensichtlich, auch allein die Transportkosten der Unternehmen um die zusätzlichen 2,5 Kilogramm reinen Melamins in die Supermärkte zu schaffen, wären horrend. Dass die Zahl auch im eigentlich Artikel nochmals vorkommt, lässt darauf schließen, dass es sich nicht um einen übersehenen Kommafehler handelt.

Aber auch die KRONE scheint ihre liebe Müh mit dem Zahlengewirr zu haben. Denn im Artikel über den Fund des chinesischen Milchgetränks steht, offiziell seien nur 2,5mg erlaubt:

Ausriss: KRONENZEITUNG

Ausriss: KRONENZEITUNG

Praktisch, denn dadurch klingt die vermeintliche Differenz zwischen Grenzwert und gemessenem Wert um Einiges imposanter. Wen würde schon ein Milligramm zu viel hinter dem Ofen hervorlocken? Eben.

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Statistik und andere Zufälligkeiten

Interessant, was dabei rauskommt, wenn man die Krone-LeserbriefschreiberInnen statistisch untersucht:

Michaela Mojzis, ÖVP-Bundesgeschäftsführerin, veröffentlichte auf ihrem Blog die Statistik von Ernst Kohl, der zwei Jahre lang die Krone-LeserbriefschreiberInnen in einer  Tabellenkalkulation sammelte. Das Ergebnis: von 18 LeserbriefschreiberInnen wurden in den zwei Jahren 1882 Leserbriefe abgedruckt.

Zufall? Wohl kaum, wenngleich wir die Zahlen natürlich nicht verifizieren können. Aber immerhin findet das elektronische Zeitungsarchiv der APA Herrn Weinpolter (Spitzenreiter der Statistik) in dem Zeitraum 608 Mal.

Anlass zur KRONE-Kritik fanden auch die Blogger von 13ener Bashing, die sich einen der Leserbriefschreiber, “Johannes Abl”, etwas genauer anschauen.

[Mit Dank an Helge für den Hinweis]

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Meta: Wer hat Angst vor Onkel Hans?

Max Kossatz über “Onkel Hans“, die Initiative für Meinungspluralismus in Österreichs Medienlandschaft :

Sorry, so sehr ich das “Monopol” der Krone hinterfragen würde, aber das ist sicherlich einer der dümmsten Aktion des bisherigen Wahlkampfes…

Den ganzen Beitrag gibt’s hier.

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Geheime Polizeiprotokolle

Innenministerin Maria Fekter wurde Mitte August in einem Nobellokal bestohlen. ÖSTERREICH bringt das heute als Thema des Tages, dazu auch ein “geheimes” Polizeiprotokoll:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Die Beschriftung des Protokolls:

Den Bericht haben Fekters Beamte nach dem Diebstahl angefertigt. Er wurde ÖSTERREICH gestern zugespielt.

Nun, uns wurde dieser Bericht ebenfalls zugespielt. Und zwar über die gestrige Ausgabe der Kronenzeitung:

Ausriss: KRONE

Ausriss: KRONE

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Hat die Krone die SPÖ übernommen?

Ein interessantes Interview mit Grünen-Chef Alexander Van der Bellen gibt es im heutigen STANDARD zu lesen. Angesprochen auf das Verhältnis KRONENZEITUNG und SPÖ-Chef Faymann meint Van der Bellen:

Bei der Symbiose Kronen Zeitung und SPÖ stellt sich die Frage: Wer führt hier wen? Die SPÖ hat die Krone zweifellos nicht übernommen. Aber hat die Krone die SPÖ übernommen?

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Sich kleiden wie der Schlächter

ÖSTERRREICH dokumentiert heute die wundersame Verwandlung des Radovan Karadzic. Von ÖSTERREICH auch gern als “Bosnien-Schlächter” bezeichnet.

Die Schmach der aufgeregten boulevardesken Verwechslung wird gekonnt ignoriert, von der KRONE sogar geschickt genutzt:

Ausriss: KRONE, Unkenntlichmachung von uns

Die Verwechslung also kein Wunder, schauen schließlich in Serbien alle so aus. Deshalb war es ja auch so eine perfekte Tarnung. Oder in den Worten der KRONE:

Serbien ist voll von Karadzic-Typen, wie bei der Demo in Belgrad.

In echter Seitenblicke-Manier dokumentiert währenddessen ÖSTERREICH die Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers an das UN-Tribunal. Dass sich Karadzic ausschließlich von Mandeln und Wasser ernährt sei nur nebenbei erwähnt.

Auf was legen echte Seitenblicke-ReporterInnen besonderen Wert? Richtig, auf die Kleidung:

Ausriss: ÖSTERREICH

Karadzic trägt also ein blaues T-Shirt der Marke “Gant”. Wie kommt die Erwähnung aber jetzt zustande?

Eine wilde Spekulation in Boulevard-Manier:
Vielleicht gibt es eine Liste in der ÖSTERREICH-Redaktion mit häufigen Werbekunden. Alle RedakteurInnen sind angehalten die Liste auswendig zu lernen und immer wenn möglich, die Markennamen in ihre Berichte einzustreuen. In dem Fall ist die Aktion wohl eher missglückt. Ziemlich unwahrscheinlich, dass “Gant” besonders glücklich ist über die Erwähnung … Zumindest ist die heutige Ausgabe ohne “Gant”-Beilage.

Mit Dank an Christoph für den Hinweis

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Wie der Boulevard arbeitet

Die Enttarnung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Karadzic war für KRONE und ÖSTERREICH ein gefundendes Fressen. War doch die Nähe Serbiens eine gute Möglichkeit, auch einen lokalen Bezug herzustellen.

Dass sich dann etliche Zeugen fanden, die bestätigten, nicht nur Kontakt zu Karadzic gehabt, sondern auch geraume Zeit mit diesem unter einem Dach verbracht zu haben, sollte für genug Stoff sorgen, das trotz anstehender Neuwahlen existente Sommerloch zu füllen.

So konnten KRONE und ÖSTERREICH mit großen Interviews der Vermieterin Karadzics punkten, und auch der aus dem Urlaub zurückgekehrte Jeannée hatte die Möglichkeit, in seinem Brief an Karadzic nicht nur die Grünen, Roten und Liberalen, sondern auch gleich alle in Wien lebenden Ausländer als Helfer Karadzics zu entlarven. So schrieb er am gestrigen Sonntag noch:

Wer hat Ihnen von den asylparadiesischen Zuständen in Ottakring, Hernals, Fünfhaus, Favoriten und Penzing erzählt? Und von den vielen grünen, roten und liberalen Gutmenschen, deren schützende Hände diese asylparadiesischen Zustände erst möglich gemacht haben?

Und heute? Heute sieht alles irgendwie anders aus. Da entpuppt sich “Opa Pera”, als der sich Karadzic angeblich ausgegeben haben soll, als ein Mann, der tatsächlich existiert und im Zeitraum in dem Karadzic in Wien gelebt haben soll – nicht nur im gleichen Bezirk, sondern sogar in der gleichen Straße.

Naja, kann schon mal vorkommen, dass sich eine Geschichte, die auf der Zeugenaussage einer einzigen Person, nämlich der Vermieterin Opa Peras, basiert, als falsch herausstellt. Das muss dann eben zugegeben werden, denn, was bringt schon Leugnen, wenn alle Welt erkennt, dass es sich eben nicht um Karadzic, sondern um Pera gehandelt hat?

Doch halt, in der Welt des Boulevards gibt es genug Möglichkeiten, einer solchen Schmach zu entgehen. Wenigstens für einen flüchtigen Moment. Denn ÖSTERREICH titelte heute so:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Und tatsächlich, im Inneren bestätigt der eigentliche Wunderheiler dann auch im Interview mit ÖSTERREICH: “Karadzic hat meine Identität angenommen”. Interessanterweise hatte dieser Herr Peter Glumac, wie sein wirklicher Name lautet, der serbischen Nachrichtenagentur Tunjag ursprünglich bestätigt, von der österreichischen Polizei überprüft worden zu sein. Dass er das nun im Interview mit ÖSTERREICH bestreitet – was für ÖSTERREICH Beweis dafür ist, dass Karadzic doch in Wien geweilt haben muss – kann wohl nur als Gehorsam gegenüber der bereits fabrizierten Geschichte des Blattes gewertet werden.

Die KRONE, die ja in der Wiener Polizei die eigentlich Schuldigen an der ganzen Misere erkannt hatte, sah in den neuen Entwicklungen wohl eher einen Grund leiser zu treten. Nur ein kleiner Bericht über Karadzic findet sich heute noch im Blatt. Der “Doppelgänger” wird einzig als weiterer, mysteriöser Aspekt des Wienaufenthaltes Karadzics gesehen.

Und Jeanée? Der widmet sich heute lieber Heide Schmidt.

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Verheugens Tiefschlag

EU macht Autos teuer!

Dass die Krone, was die EU angeht keinen Spaß versteht, ist nicht neu. Dass da die hohen Spritpreise auch gleich der EU angelastet werden, versteht sich von selbst. Ob das jetzt die bösen Araber sind oder die EU, ist mittlerweile eh schon einerlei.

Interessanter an dieser Schlagzeile auf dem Titel aber ist die Tatsache, dass der EU angelastet wird, sie würde Autos mutwillig teurer machen. Auf Seite drei findet sich der zugehörige Text, und es stimmt schon: Was Verheugen da in einem Interview mit “Auto Motor und Sport” von sich gegeben hat, ist absolut ungeheuerlich.

Ist er doch der Meinung, dass erhöhte Sicherheits- und Umweltschutzrichtlinien dazu führen werden, dass der Anschaffungspreis für Neuwagen im Jahr 2012 um durchschnittlich 2000€ höher sein wird als heute.

Dass die EU oder gar Verheugen also böswillig Neuwagen verteuern wollen, aus welchen Gründen auch immer, geht ja sogar aus dem Text hervor, den Peter Gnam für die Krone geschrieben hat. Selbst die Argumente für eine Teuerung stehen da:

“Trösten” will [Verheugen] die Autofahrer mit dem Versprechen, dass sich dann die Lebensdauer von Autos verlängern und so die Anschaffungskosten ausgeglichen würden. Auch sinke der Kraftstoffverbrauch, das Unfallrisiko sei geringer.

Ja, wann lernen diese Autokraten in Brüssel endlich, dass wir uns nicht bevormunden lassen wollen? Wenn wir Autos haben wollen, die nicht so lang halten und mit denen der ein oder andere Unfall passiert, dann wollen wir das halt so. Und obwohl die EU die Spritpreise schon nach oben geschraubt hat, wenn wir mehr Benzin für unsere Autos ausgeben wollen, dann ist das unser gutes Recht! Genau darum braucht es auch eine Volksabstimmung, denn wenn der EU-Vertrag erst mal beschlossene Sache ist, dann verlangen diese Fantasten vielleicht auch noch, dass wir nüchtern Auto fahren oder bei Rot stehen bleiben!

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