Archive for the Category Österreich

 
 

Bestandsaufnahme: Satire

Neulich hatten wir eine Unterhaltung mit dem Plappergeier, ÖSTERREICHs “scharfem Schnabel”.

Plappergeier, ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH, Plapper-Geier

Zugegeben eine recht kurze Unterhaltung. Aber bei der Gelegenheit hat uns der Plappergeier darauf hingewiesen, dass es sich beim “scharfen Schnabel” um keinen Journalismus, sondern um Satire handelt. Interessanterweise lassen sich in fast allen Zeitungen Satire-Rubriken finden, zeichnerisch im Comic-Stil umgesetzt. Einige davon, diese Aufreihung erhebt schließlich nicht den Anspruch der Vollständigkeit, haben wir mal gesammelt.

Am Bekanntesten ist wahrscheinlich der Herr Strudl aus der KRONENZEITUNG.

Herr Strudl, KRONE

Ausriss: KRONE, Herr Strudl

Aber nicht zu vergessen, die regionalen Satire-Geschwister des Herrn Strudl, der oberösterreichische Bruder Knödel-Sepp und der Salzburger Bruder Stierwascher:

Stierwascher, Krone Knödel-Sepp, Krone
Ausrisse: KRONE, Stierwascher & Knödel-Sepp

Frauen sind, wie in Spitzenpositionen üblich, eher spärlich zu finden:

Kleine Zeitung
Ausriss: KLEINE ZEITUNG, Amanda Klachl

Daneben gibt es unter anderem noch:
Waldschratt, Niederösterreichische Bezirksblätter Of´Ntschentsche, Kärntner Tageszeitung
Ausrisse: Bezirksblätter Niederösterreich und Kärntner Tageszeitung

Böse Zungen behaupten, der Plappergeier wäre nur ein billiger Abklatsch vom Österraben. Wir halten uns da aber raus; wollten nur mal über den Tellerrand schauen. Kann ja nie schaden.

Österrabe, Heute
Ausriss: Heute, Österrabe

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Durchs alte Jahr mit BÖSTERREICH

Pünktlich zum Jahreswechsel kommt der FALTER heute mit einem launigen Jahresrückblick als Beilage daher. Und da es nur eine Zeitung gibt, die sich wirklich mit Beilagen auskennt, sieht die auch so aus:

Ausriss: FALTER

Ausriss: FALTER

Gespickt mit bösen Geschichten im Stile ÖSTERREICHs gebricht es der Beilage höchstens daran, dass viele Beiträge in ÖSTERREICH ohnehin schon wirken, als wäre die Redaktion durch die Belegschaft der TITANIC ersetzt worden.

Oder wie Juvenal schon meinte: Difficile est saturam non scribere.

In diesem Sinne, auch von uns ein aufregendes und erfreuliches Jahr 2009!

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Wenn der Boulevard schmollt

Zur Erinnerung: Vor knapp zwei Wochen war ÖSTERREICH davon überzeugt, den Fall um den entführten Leichnam des Milliardärs Flick gelöst zu haben.

Trotz großem Aufmacher inklusive Abenteuerbericht einer Reise an den Flughafen von Malaga konnte weder ein COBRA-Einsatz, noch der bereits abgetauchte Informant die Geschichte bestätigen.

ÖSTERREICH versuchte an den darauffolgenden Tagen, noch ein wenig Kapital aus der Story zu schlagen, meldete zum Beispiel, dass nun die Witwe eine Belohnung von 100,000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgesetzt habe. Leider waren weder die Witwe noch die Polizei der Meinung, der Hinweis des geheimnisvollen Informanten sei die heißeste Spur zu den Entführern.

Wie sehr das den Stolz der ÖSTERREICHischen AufdeckerInnen verletzt haben muss, wird erst in der heutigen Ausgabe ersichtlich. Auf Seite drei finden sich, wie in jeder Ausgabe, die grenzwertig dummen Aussagen des sogenannten “Plapper-Geiers”. Darunter auch diese:

Langsam glaub i, die Familie Flick zahlt erst dann a Lösegeld, wann s’ a Lebenszeichen vom Entführten kriagt.

So sieht wohl sensibler Journalismus aus.

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Terminator in Athen

Vermutlich wünschen sich einige RedakteurInnen in der ÖSTERREICH-Redaktion offene Ressortgrenzen innerhalb der Redaktion. Wenn Transdisziplinarität der Wissenschaft gut tut, kanns für eine Zeitung ja auch nicht so schlecht sein. Johann Skocek schreibt schließlich auch im STANDARD beim Sport und beim DATUM im Politikressort.

Es ist ja nicht das erste Mal. Gestern aber wieder ein schönes Beispiel, wie ressortübergreifendes Arbeiten aussehen kann; vielleicht gibt es ja auch die Arbeitsgruppe POLITIK-KULTUR, wer weiß. Jedenfalls eine starke Seite, wie die meisten Boulevard-KollegInnen neidlos anerkennen würden. Ein derartiges Bild-Text-Verhältnis schafft nicht einmal die BILD-Zeitung. Dreiviertel Bild, ein Viertel Text.

Ausriss: ÖSTERREICH

Interessant ist besonders die Bildunterschrift, die von reichlich Kreativität zeugt.

Ausriss: ÖSTERREICH

Frage: In welchem TERMINATOR-Teil brennen nochmal die Schaufensterpuppen in Athen? Das kann dabei herauskommen, wenn MitarbeiterInnen auf Fortbildungs- und Kreativseminare geschickt werden und sie dort lernen, frei zu assoziieren.

Insgesamt also: Gut aufgepasst im Kreativseminar, sehr gut aufgepasst in der Boulevard-Fortbildung, aber in der Umsetzung dann doch eher ungeschickt und nicht besonders innovativ oder originell …

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Weitere Sensationen bei ÖSTERREICH

Die Entführung des Flick-Leichnams vor etwas mehr als zwei Wochen war für ÖSTERREICH natürlich ein gefundenes Fressen. Ein Milliardär, ein widerliches Verbrechen und jede Menge Raum für Spekulationen.

Darum präsentierte ÖSTERREICH gestern – wahrscheinlich auch aufgrund mangelnder Anrufe Tibor Focos seit der letzten Exklusivmeldung – einen neuen Insider:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Der Insider stellte sich als Ex-Häftling heraus, der es mit einem mageren E-Mail und einem Telefongespräch fertig brachte, den Chronikchef des Blattes nach Malaga zu locken. Dort, wie ÖSTERREICH gestern ausführlich beschrieb, klärte der Informant den Redakteur über den angeblichen Tathergang auf.

Resultat der Spontanreise war ein Sondereinsatz der österreichischen Spezialeinheit der Polizei in einem kleinen Dorf im Südburgenland. Dass dabei allerdings weder der Sarg Flicks noch die angeblichen drei Entführer gefunden wurden, scheint ÖSTERREICH heute nur am Rande zu interessieren:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Einzig der Untertitel scheint als kleiner Fluchtweg aus der Peinlichkeit einer zweiten Zeitungsente binnen einer Woche gedacht zu sein.

Im Inneren folgt dann eine Bericht über den erfolglosen Einsatz:

Fakt ist: Der Sarg lag nicht im angeblichen Versteck. Aber es gibt die von Wagner genannten Ex-Häftlinge, die derzeit überprüft werden. Fakt ist aber auch: Das Bundeskriminalamt jagt jetzt “Peter Wagner”. Denn gut möglich ist, dass er in den Sarg-Raub tief verstrickt ist und den Fall im Gespräch halten wollte, um die verzweifelte Familie auszureizen.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich “Peter Wagner” einfach nur die Leichtgläubigkeit des Boulevards zunutze gemacht hat. Dazu im heutigen Kurier:

Für 5000 € Honorar wollte dieser “Mister X” nähere Details verraten. “Ich bin ein Schränker, aber ein Mann von Ehre,” erklärte der dubiose Safeknacker KURIER-Online Chefredakteur Christian Skalnik.

Und auch zu den angeblichen Entführern gibt es entgegen der vorsichtigen Formulierung ÖSTERREICHs schon konkrete Hinweise. Dazu in der Online-Ausgabe der KLEINEN ZEITUNG:

Inzwischen wurden die angeblichen Mittäter aus Graz-Karlau verhört, die erstens nie in Karlau waren und zweitens nichts mit dem Fall Flick zu tun haben.

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Sensation in der ÖSTERREICH-Redaktion…

…oder auch nicht.

Jedenfalls vermeldete ÖSTERREICH, wie so oft exklusiv, auf dem Titelblatt der gestrigen Ausgabe, dass Tibor Foco, einer der meistgesuchten Österreicher, sich in der Redaktion gemeldet hätte. Müde des Versteckspiels, und trotz angeblicher neuer Liebe inklusive zweier Kinder, wolle er sich nun von seiner Heimat der letzten Jahre, einer Pazifikinsel, verabschieden, um in Österreich ein neues Verfahren zu bekommen.

Heute legt ÖSTERREICH nach, zitiert die betagten Eltern des Flüchtigen:

Und Focos Eltern Christine (89) und Theodor (91) in Linz ließen ausrichten, dass es für sie kein schöneres Weihnachtsgeschenk gäbe als die Aussicht auf ein Wiedersehen mit ihrem Buben.

Interessant, dass der STANDARD da ganz andere Wortmeldungen der Eltern bieten kann. Aus der heutigen Printausgabe:

“Ich halte das Ganze für einen ausgemachten Blödsinn. Unser Tibor hat überhaupt keinen Grund, nach Österreich zurückzukehren. Und wenn doch, würde er es wohl zuerst seiner Mutter sagen – und nicht irgendeiner Zeitung”, ist Christine Foco im Gespräch mit dem STANDARD überzeugt.

Außer der Mutter melden auch die bisherigen Anwälte Focos, Herbert Wegscheider und Johannes Hintermayr, Zweifel an. So ist in der Online-Ausgabe der Oberösterreichischen Nachrichten zu lesen:

„Ich weiß nichts, habe keine Ahnung“, sagen die beiden Juristen unisono. „Das ist alles sehr unplausibel und sonderbar“, sagt Wegscheider. Er mutmaßt eine „Zeitungsente“. Anwalt Hintermayr sagt, es sei „höchst seltsam“, dass sich Foco über eine Zeitung melde, und nicht bei ihm als Abwesenheitskurator. Ebenso ahnungslos gibt sich Peter Römer, der sich lange mit dem Fall Foco beschäftigt hat. „Ich halte Tibor Foco für zu intelligent, als dass er diesen Weg über die Klatschpresse wählen würde“, sagt Römer.

ÖSTERREICH zeigt sich heute von diesen Unkenrufen in so einem Maße unbeeindruckt, dass sogar auf den Verweis oben genannter Zweifler verzichtet wird. Stattdessen wird der Flöttl-Anwalt Herbert Eichenseder zitiert, angeblich der Wunschkandidat Focos im Falle seiner Rückkehr:

Er soll nur kommen. Diesen spannenden Fall übernehme ich gerne.

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Wasserträger und Wasserreicher

Hätten wir eine Kategorie “Zitat des Monats”, dann wäre dieses Zitat von KRONE-Post-Kolumnisten Michael Jeannée sicher im November ganz vorne:

Ausriss: HORIZONT

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Mittwoch ist Werbetag

Mittwoch ist Spezialtag bei ÖSTERREICH. An diesem speziellen Tag gibt es immer ein Spezialthema, das, begleitet von ausgewiesenen Experten und Expertinnen, in all der ihm gebührenden Ernsthaftigkeit behandelt wird.

Das letzte Spezialthema, über das wir berichteten, beschäftigte sich mit der Reinigung von Autos nach dem großen Sommerurlaub. Davor war die fachgerechte Behandlung von Krampfadern dran.

Und auch heute tarnt ÖSTERREICH die Spezialseiten “Gesundheit” wieder mal als redaktionellen Inhalt, wo sie doch in erster Linie als eine gute Basis für die dort beworbenen Produkte dienen sollen.

Während der Großteil des Artikels tatsächlich aus allgemeinen Tipps zur Vermeidung von Erkältungen besteht, findet sich im letzten Absatz noch ein Hinweis auf homöopathische Mittelchen:

Den Körper genau da zu stärken, wo Schwächen die Ursachen für Erkrankungen sind, ist das Prinzip der Homöopathie. Komplexmittel wie Metavirulent, Sinu- oder Bronchi-Select sollten tropfenweise bei den ersten Anzeichen von Schupfen [sic] oder Husten genommen werden.

[Hervorhebung von uns]

Und abgesehen von dieser für eine Gesundheitsseite eher unkritischen Darstellung der Homöopathie, wird das oben erwähnte Produkt auch gleich noch mal mit einer (nicht als solche gekennzeichneten) Anzeige beworben:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

So wäscht eine Hand die andere: Unternehmen bekommen zusätzlich zur geschalteten Werbung gleich noch einen eigenen PR-Text, Redakteure müssen sich hingegen nicht um sowas wie sorgfältige, journalistische Arbeit kümmern.

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