Die KRONE und Statistiken

“Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast” ist ja mittlerweile ein geflügeltes Wort. Dass es manchmal allerdings gar nicht nötig ist, eine Statistik zu fälschen, sondern sie einfach nur recht selektiv wiederzugeben, zeigt die KRONE in ihrer letzten Sonntagsausgabe. So wird groß getitelt:

Ausriss: KRONENZEITUNG

Ausriss: KRONENZEITUNG

Und im zugehörigen Artikel (Onlineversion) ist dann zu lesen:

Denn wie das Innenministerium bestätigte, wurden 2008 mit 2.120 Polizisten (lediglich 60 davon sind Verkehrsopfer) so viele Beamte wie noch nie bisher verletzt. Im Vergleich: 2005 erlitten 1.917 Beamte Blessuren.

Basis für diese Schreckensmeldung ist die parlamentarische Anfrage des Nationalratabgeordneten Johann Maier. Er stellt in seiner Anfrage [PDF] u.A. folgende Fragen:

Aviary parlament-gv-at Picture 1

Die Antwort des BMI [PDF] auf Fragen 1 und 2 sieht so aus:

anfragenantwort

Und tatsächlich, im Jahr 2008 wurden 2.123 PolizistInnen im Dienst verletzt. Und ja, im Jahr 2005 waren es nur 1.917. Dass sich die Zahl aber seit dem Jahr 2007 nur geringfügig erhöht, und die übrigen Jahresgesamtzahlen auch relativ nah beisammen liegen, verschweigt die KRONE lieber. Auch, dass die Zahl der aus den Verletzungen resultierenden Strafanzeigen im Vergleich zu den vier vorigen Jahren die Niedrigste ist.

Aber damit nicht genug. Wer Angst schüren will, schafft das nicht mit Zahlen allein. Also wird das Schreckgespenst des aggressiven Ausländers auch noch bemüht. So wird Nationalratsabgeordneter Maier – getreu der Blattlinie – zitiert:

„So bedauerlich es auch ist, dass viele Menschen immer aggressiver auf Polizisten reagieren, muss auch gesehen werden, dass viele dieser Personen aus einem Kulturkreis kommen, in dem ein Polizist nicht als ,Freund und Helfer‘ gesehen wird“, so  der Nationalrat.

[Hervorhebung von uns]

Abgesehen von der ethnologischen Expertise des Herrn Maier, verwundert uns auch sein Rückschluss auf die vielen Ausländer, die angeblich an diesem explosionsartigen Anstieg der Verletzungen Schuld tragen sollen. Denn auf die oben angezeigte dritte Frage, also wieviele Strafanzeigen gegen Ausländer nun aus den Verletzungen der PolizistInnen resultierten, meint das BMI in seiner Antwort nur lapidar:

ausländerstatstikenbmi

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Wenn Verbrecher keine Ausländer sind

Üblicherweise beleuchten wir hier keine Leserbriefe, doch heute fiel einer ganz besonders ins Auge. Betitelt ist er mit “Gewalt bei Ausländern…” und enthält folgende Sätze:

Ein 17-jähriger Brasilianer bringt eine 75-jährige Österreicherin um. Weit haben wir es gebracht. In der “Krone” stehen jeden Tag zig Artikel über straffällige Ausländer, und die Bundesregierung schaut tatenlos zu.

Und das ist tatsächlich so. Die KRONE berichtet überdurchschnittlich oft über Straftaten an denen ausländische MitbürgerInnen beteiligt waren. Dass es der Verfasser des Leserbriefes da mit der Angst zu tun bekommt, ist irgendwie verständlich.

Dass die KRONE in ihrer Berichterstattung aber auch äußerst selektiv vorgeht, dürfte an ihm vorübergehen.

Zum Beispiel steht heute in der KRONE ein Bericht über den Polizeichef von Passau, der von einem unbekannten Mann niedergestochen wurde.

Dass der Mann höchstwahrscheinlich aus dem rechtsextremen Umfeld kommt, wurde in beinahe jeder anderen Zeitung des Landes ausführlich besprochen. So schreibt zum Beispiel DIE PRESSE:

Der Chef der Passauer Polizei ist bei einem nutmaßlichen[sic] Neonazi-Attentat schwer verletzt worden. Polizeidirektor Alois Mannichl war am späten Samstagnachmittag vor seinem Wohnhaus in Fürstenzell bei Passau von einem unbekannten, glatzköpfigen Mann niedergestochen worden. Der 52 Jahre alte Beamte war in den vergangenen Monaten mehrfach gegen Rechtsextremisten vorgegangen. Mannichl ist deswegen insbesondere im Internet von den Rechten scharf kritisiert worden. Trotz einer Großfahndung in Niederbayern und Österreich konnte der Täter zunächst nicht gefasst werden.

Der Bericht in der KRONE liest sich hingegen etwas anders. Von einem unbekannten Angreifer ist die Rede, bayrischer Dialekt mit österreichischem Einschlag ist die einzige Beschreibung zur Person. Dass der Angreifer laut Spiegel Online vom Opfer als glatzköpfig beschrieben wurde, und ihm noch zugeraunt haben soll: “Viele Grüße vom nationalen Widerstand. Du linkes Bullenschwein, du trampelst nicht mehr auf den Gräbern unserer Kameraden herum”, darüber wird in der KRONE nicht geschrieben.

Einzig der letzte Satz im Bericht, weist auf die wahrscheinliche Herkunft des Täters hin:

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Täter aus der rechtsradikalen Szene kommen.

Irgendwie sehr leise, für eine Zeitung die sonst so viel Wert auf Herkunft legt.

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