Weitere Sensationen bei ÖSTERREICH

Die Entführung des Flick-Leichnams vor etwas mehr als zwei Wochen war für ÖSTERREICH natürlich ein gefundenes Fressen. Ein Milliardär, ein widerliches Verbrechen und jede Menge Raum für Spekulationen.

Darum präsentierte ÖSTERREICH gestern – wahrscheinlich auch aufgrund mangelnder Anrufe Tibor Focos seit der letzten Exklusivmeldung – einen neuen Insider:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Der Insider stellte sich als Ex-Häftling heraus, der es mit einem mageren E-Mail und einem Telefongespräch fertig brachte, den Chronikchef des Blattes nach Malaga zu locken. Dort, wie ÖSTERREICH gestern ausführlich beschrieb, klärte der Informant den Redakteur über den angeblichen Tathergang auf.

Resultat der Spontanreise war ein Sondereinsatz der österreichischen Spezialeinheit der Polizei in einem kleinen Dorf im Südburgenland. Dass dabei allerdings weder der Sarg Flicks noch die angeblichen drei Entführer gefunden wurden, scheint ÖSTERREICH heute nur am Rande zu interessieren:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Einzig der Untertitel scheint als kleiner Fluchtweg aus der Peinlichkeit einer zweiten Zeitungsente binnen einer Woche gedacht zu sein.

Im Inneren folgt dann eine Bericht über den erfolglosen Einsatz:

Fakt ist: Der Sarg lag nicht im angeblichen Versteck. Aber es gibt die von Wagner genannten Ex-Häftlinge, die derzeit überprüft werden. Fakt ist aber auch: Das Bundeskriminalamt jagt jetzt “Peter Wagner”. Denn gut möglich ist, dass er in den Sarg-Raub tief verstrickt ist und den Fall im Gespräch halten wollte, um die verzweifelte Familie auszureizen.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich “Peter Wagner” einfach nur die Leichtgläubigkeit des Boulevards zunutze gemacht hat. Dazu im heutigen Kurier:

Für 5000 € Honorar wollte dieser “Mister X” nähere Details verraten. “Ich bin ein Schränker, aber ein Mann von Ehre,” erklärte der dubiose Safeknacker KURIER-Online Chefredakteur Christian Skalnik.

Und auch zu den angeblichen Entführern gibt es entgegen der vorsichtigen Formulierung ÖSTERREICHs schon konkrete Hinweise. Dazu in der Online-Ausgabe der KLEINEN ZEITUNG:

Inzwischen wurden die angeblichen Mittäter aus Graz-Karlau verhört, die erstens nie in Karlau waren und zweitens nichts mit dem Fall Flick zu tun haben.

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Sensation in der ÖSTERREICH-Redaktion…

…oder auch nicht.

Jedenfalls vermeldete ÖSTERREICH, wie so oft exklusiv, auf dem Titelblatt der gestrigen Ausgabe, dass Tibor Foco, einer der meistgesuchten Österreicher, sich in der Redaktion gemeldet hätte. Müde des Versteckspiels, und trotz angeblicher neuer Liebe inklusive zweier Kinder, wolle er sich nun von seiner Heimat der letzten Jahre, einer Pazifikinsel, verabschieden, um in Österreich ein neues Verfahren zu bekommen.

Heute legt ÖSTERREICH nach, zitiert die betagten Eltern des Flüchtigen:

Und Focos Eltern Christine (89) und Theodor (91) in Linz ließen ausrichten, dass es für sie kein schöneres Weihnachtsgeschenk gäbe als die Aussicht auf ein Wiedersehen mit ihrem Buben.

Interessant, dass der STANDARD da ganz andere Wortmeldungen der Eltern bieten kann. Aus der heutigen Printausgabe:

“Ich halte das Ganze für einen ausgemachten Blödsinn. Unser Tibor hat überhaupt keinen Grund, nach Österreich zurückzukehren. Und wenn doch, würde er es wohl zuerst seiner Mutter sagen – und nicht irgendeiner Zeitung”, ist Christine Foco im Gespräch mit dem STANDARD überzeugt.

Außer der Mutter melden auch die bisherigen Anwälte Focos, Herbert Wegscheider und Johannes Hintermayr, Zweifel an. So ist in der Online-Ausgabe der Oberösterreichischen Nachrichten zu lesen:

„Ich weiß nichts, habe keine Ahnung“, sagen die beiden Juristen unisono. „Das ist alles sehr unplausibel und sonderbar“, sagt Wegscheider. Er mutmaßt eine „Zeitungsente“. Anwalt Hintermayr sagt, es sei „höchst seltsam“, dass sich Foco über eine Zeitung melde, und nicht bei ihm als Abwesenheitskurator. Ebenso ahnungslos gibt sich Peter Römer, der sich lange mit dem Fall Foco beschäftigt hat. „Ich halte Tibor Foco für zu intelligent, als dass er diesen Weg über die Klatschpresse wählen würde“, sagt Römer.

ÖSTERREICH zeigt sich heute von diesen Unkenrufen in so einem Maße unbeeindruckt, dass sogar auf den Verweis oben genannter Zweifler verzichtet wird. Stattdessen wird der Flöttl-Anwalt Herbert Eichenseder zitiert, angeblich der Wunschkandidat Focos im Falle seiner Rückkehr:

Er soll nur kommen. Diesen spannenden Fall übernehme ich gerne.

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