Wenn der Boulevard schmollt

Zur Erinnerung: Vor knapp zwei Wochen war ÖSTERREICH davon überzeugt, den Fall um den entführten Leichnam des Milliardärs Flick gelöst zu haben.

Trotz großem Aufmacher inklusive Abenteuerbericht einer Reise an den Flughafen von Malaga konnte weder ein COBRA-Einsatz, noch der bereits abgetauchte Informant die Geschichte bestätigen.

ÖSTERREICH versuchte an den darauffolgenden Tagen, noch ein wenig Kapital aus der Story zu schlagen, meldete zum Beispiel, dass nun die Witwe eine Belohnung von 100,000 Euro für sachdienliche Hinweise ausgesetzt habe. Leider waren weder die Witwe noch die Polizei der Meinung, der Hinweis des geheimnisvollen Informanten sei die heißeste Spur zu den Entführern.

Wie sehr das den Stolz der ÖSTERREICHischen AufdeckerInnen verletzt haben muss, wird erst in der heutigen Ausgabe ersichtlich. Auf Seite drei finden sich, wie in jeder Ausgabe, die grenzwertig dummen Aussagen des sogenannten “Plapper-Geiers”. Darunter auch diese:

Langsam glaub i, die Familie Flick zahlt erst dann a Lösegeld, wann s’ a Lebenszeichen vom Entführten kriagt.

So sieht wohl sensibler Journalismus aus.

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Weitere Sensationen bei ÖSTERREICH

Die Entführung des Flick-Leichnams vor etwas mehr als zwei Wochen war für ÖSTERREICH natürlich ein gefundenes Fressen. Ein Milliardär, ein widerliches Verbrechen und jede Menge Raum für Spekulationen.

Darum präsentierte ÖSTERREICH gestern – wahrscheinlich auch aufgrund mangelnder Anrufe Tibor Focos seit der letzten Exklusivmeldung – einen neuen Insider:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Der Insider stellte sich als Ex-Häftling heraus, der es mit einem mageren E-Mail und einem Telefongespräch fertig brachte, den Chronikchef des Blattes nach Malaga zu locken. Dort, wie ÖSTERREICH gestern ausführlich beschrieb, klärte der Informant den Redakteur über den angeblichen Tathergang auf.

Resultat der Spontanreise war ein Sondereinsatz der österreichischen Spezialeinheit der Polizei in einem kleinen Dorf im Südburgenland. Dass dabei allerdings weder der Sarg Flicks noch die angeblichen drei Entführer gefunden wurden, scheint ÖSTERREICH heute nur am Rande zu interessieren:

Ausriss: ÖSTERREICH

Ausriss: ÖSTERREICH

Einzig der Untertitel scheint als kleiner Fluchtweg aus der Peinlichkeit einer zweiten Zeitungsente binnen einer Woche gedacht zu sein.

Im Inneren folgt dann eine Bericht über den erfolglosen Einsatz:

Fakt ist: Der Sarg lag nicht im angeblichen Versteck. Aber es gibt die von Wagner genannten Ex-Häftlinge, die derzeit überprüft werden. Fakt ist aber auch: Das Bundeskriminalamt jagt jetzt “Peter Wagner”. Denn gut möglich ist, dass er in den Sarg-Raub tief verstrickt ist und den Fall im Gespräch halten wollte, um die verzweifelte Familie auszureizen.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass sich “Peter Wagner” einfach nur die Leichtgläubigkeit des Boulevards zunutze gemacht hat. Dazu im heutigen Kurier:

Für 5000 € Honorar wollte dieser “Mister X” nähere Details verraten. “Ich bin ein Schränker, aber ein Mann von Ehre,” erklärte der dubiose Safeknacker KURIER-Online Chefredakteur Christian Skalnik.

Und auch zu den angeblichen Entführern gibt es entgegen der vorsichtigen Formulierung ÖSTERREICHs schon konkrete Hinweise. Dazu in der Online-Ausgabe der KLEINEN ZEITUNG:

Inzwischen wurden die angeblichen Mittäter aus Graz-Karlau verhört, die erstens nie in Karlau waren und zweitens nichts mit dem Fall Flick zu tun haben.

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