Außenschelte: Kontrastreiches Programm

Angeblich wurde ja Markus Rogan in einer Disco in Rom verprügelt. Im Sommerloch jedenfalls eine Meldung, die es auf die Titelblätter von KRONE und ÖSTERREICH schaffte. Wie auf derStandard.at seit gestern nachzulesen und -sehen ist, scheinen die GrafikerInnen bei ÖSTERREICH im Gegensatz zur KRONE allerdings eine gewisse Zuneigung zum Kontrastwerkzeug zu hegen.

Mit Dank an Helge F. für den Hinweis.

Außenschelte: Von (Beinahe-)Killerblitzen

Dienstagabend schlug ein Blitz in ein Fußballfeld im steirischen Leoben ein. Dabei wurden 25 Personen verletzt. Michael Nöhrig hat die gestrige Berichterstattung ÖSTERREICHs zu diesem Ereignis auf seinem Blog dokumentiert. Wir wollen nicht zu viel verraten, möchten uns aber seiner abschließenden Bemerkung gern anschließen:

Karl Valentin fand es seinerzeit “erstaunlich, dass jeden Tag genau so viel passiert wie in eine Zeitung hineinpasst“. Genauso erstaunlich aber auch, was heutzutags alles nicht passiert aber trotzdem in eine Zeitung wie ÖSTERREICH hineinpasst.

1000 Tage ÖSTERREICH

Passend zum gestrigen Feiertag feierte sich ÖSTERREICH auch gleich selbst. In einer farbigen Beilage wurde die 1000. Ausgabe verkündet, komplett mit Jubelmeldungen aus der Redaktion, salbungsvollen Worten aus Politik, Medien und Sport und einer Sammlung der besten Stories ÖSTERREICHs der letzten 1000 Ausgaben.

Auch wir gratulieren natürlich zu dieser Leistung, wollen es uns aber nicht nehmen lassen, den von ÖSTERREICH aufgezählten Stories ein paar hinzuzufügen. Schließlich sollten ja auch die kreativen Leistungen der ÖSTERREICHischen Redaktion bedacht werden:

  • Die Posse um die Flickschen Sargräuber, durch ÖSTERREICH um eine spannend zu lesende, aber schlussendlich völlig falsche Episode erweitert.
  • Die Enttarnung des Kriegsverbrechers Radovan Karadzic, den ÖSTERREICH kurzerhand als Wunderheiler nach Wien verfrachtete, nur um dann die Schuld an der Presseente auf den Informanten zu laden.
  • Selbst die Flucht aus Österreich schützt nicht vor den gnadenlosen Enthüllungen ÖSTERREICHs. So vermeldete ÖSTERREICH im Dezember des Vorjahres  die Heimkehr des jahrelang flüchtigen Tibor Foco als Exklusivmeldung. Dass sich dieser trotzdem nie in Österreich sehen ließ, verwunderte schlussendlich niemanden.
  • Und fehlen darf natürlich auch nicht die Affäre um die Bestellung des neuen Direktors der Wiener Staatsoper. ÖSTERREICH war sich seiner Sache da einfach zu sicher, und als sich Neil Shicoff nicht als der neue Direktor herausstellte, wälzte ÖSTERREICH die Schuld einfach auf einen anderen ab. Diesmal allerdings nicht auf einen unbekannten Informanten, sondern gleich auf den Bundeskanzler.

Wir freuen uns auf jeden Fall auf 1000 weitere spannende Tage mit ÖSTERREICH.

ÖSTERREICH und die Oscars (II)

Nach der völlig fabrizierten Oscarberichterstattung von Montag, versuchten es die fleißigen SocietyreporterInnen von ÖSTERREICH tags darauf nochmals. Eine mehrseitige Beilage gab es sogar, vom Titelblatt lachte Oscargewinnerin Kate Winslet, wohl nicht zuletzt aufgrund der attestierten amourösen Gefühle für ihre Person. Doch wen lieben – laut ÖSTERREICH – noch alle?

Ausriss: ÖSTERREICH
Ausriss: ÖSTERREICH

Komisch, oder? Alle lieben den Inder? Welchen Inder denn nun? Klar, der Abräumerfilm des Abends war eindeutig Slumdog Millionaire, der Film über Kinder aus indischen Slums. Doch der einzige Inder, der tatsächlich einen Oscar erhielt, war der Komponist der Filmmusik, A.R. Rahman. Schon wichtig, aber über den wurde im Blattinneren kein Wort verloren. Der kann also kaum der Geliebte sein.

Ist vielleicht DER Inder gemeint, der Schauspieler der mit indischem Akzent für Telering wirbt? Denkbar wäre es ja, dass der einzige Bezug den die RedakteurInnen zu Indien haben, eine Kunstfigur der Werbeindustrie ist. Schließlich war ja auch vor einigen Monaten im Zusammenhang mit der Affäre um einen ehemaligen kasachischen Botschafter in ÖSTERREICH einige Male die Rede von “Borats Botschafter”.

Und wenn schon die wöchentliche Gesundheitsseite nicht mehr als eine Erweiterung des Anzeigenteils mit pseudo-redaktionellem Inhalt darstellt, wieso dann nicht auch mal die Societyseiten?

ÖSTERREICH und die Oscars

Nicht richtig, aber schneller. Das scheint bei ÖSTERREICH ja schon immer die bevorzugte Variante beim Verfassen von Exklusivmeldungen gewesen zu sein.

Auch in der heutigen Ausgabe beeindruckt der USA-Korrespondent Herbert Bauernebel die LeserInnen mit seinen Einsichten in ein Ereignis, das zur Drucklegung der Zeitung gerade erst im Anfangsstadium war: die Oscar-Verleihung.

Gespickt mit vermeintlichen Fotos von der Verleihung – in Wirklichkeit jedoch zusammengesammelte Bilder früherer Veranstaltungen – wird da über Kate Winslets Kurven und Hugh Jackmans Charme schwadroniert. Mit Details wird verständlicherweise gegeizt, einzig zu einer etwas gewagten Aussage lässt sich der Autor hinreißen. So schreibt er über den Gang Angelina Jolies und Brad Pitts über den roten Teppich:

Pikant, fast zeitgleich lief auch Ex-Ehefrau Jennifer Aniston […] über den Red Carpet – Jolie würdigte sie den ganzen Abend lang keines Blickes.

Nun, das ging dann wohl leider knapp daneben. Erstens war Jennifer Aniston bei der gestrigen Verleihung gar nicht über den roten Teppich, sondern einen Hintereingang zum Veranstaltungsort gekommen. Ein Umstand, den sie mit anderen Stars teilte und der laut Branchenblatt Variety für einigen Unmut bei den anwesenden Fotografen gesorgt hat.

Und zweitens war im Laufe des Abends trotz der von den Medien hochstilisierten Feindschaft keinerlei Feindseligkeit zu erkennen. Im Gegenteil, das amerikanische People Magazine schreibt in seiner Onlineausgabe ausführlich darüber, wie kollegial sich beide Frauen während der Verleihung verhalten haben sollen.

Übrigens, wen es interessiert wer denn nun wirklich alles über den roten Teppich marschiert ist, auf der offiziellen Oscar-Seite gibt es dazu eine eigene Bildergalerie mit Fotos, die wahrscheinlich morgen schon weltexklusiv in ÖSTERREICH zu sehen sind.

Gegendarstellung einer Gegendarstellung

Schon auf der Titelseite darauf hinweisend, druckt ÖSTERREICH heute eine Gegendarstellung ab. Sie beschäftigt sich mit der Berichterstattung über die Tochter des damals noch-Kanzlers Gusenbauer. In dem Artikel, der dieser Gegendarstellung bedarf, wurde unter Anderem behauptet, Selina Gusenbauer hätte aufgrund schlechten Schulerfolgs und des Mitbringens einer Ratte ins Schulgebäude die Schule verlassen müssen. Dass diese Behauptungen unwahr waren, hatten in den folgenden Tagen Selina und ihre Eltern festgestellt, rechtliche Schritte wurden angedroht.

Resultat dieser rechtlichen Schritte ist nun diese Gegendarstellung. ÖSTERREICH, das sich offenbar nicht mal ein klein bisschen für die Berichterstattung über eine Person die nicht mal im öffentlichen Interesse steht, geniert, lässt diese Gegendarstellung natürlich nicht so einfach stehen.

ÖSTERREICH hat “Pressefreiheit” nicht verletzt

wird unter der Gegendarstellung getitelt. Was genau die Anführungszeichen aussagen sollen, wird nicht klar, allerdings zitiert ÖSTERREICH beleidigt ein Urteil eines Richters des Handelsgerichts, an dem ebenfalls eine Anzeige gegen ÖSTERREICH einging. Dort wurde ÖSTERREICH – in der ersten Instanz – freigesprochen:

Seine “rechtliche Beurteilung”: Die Artikel in ÖSTERREICH “enthalten nichts Ehrenbeleidigendes”. Sie würden “im Kern wahre Tatsachen” mitteilen. Dass die Klägerin im Lycée “durchgefallen” sei, sei Fakt. Ob das einmal oder zweimal war, sei “bestenfalls journalistische Übertreibung”. Die ÖSTERREICH-Berichterstattung sei “in der Pressefreiheit gedeckt”.

Der Balance halber wollen wir nun ebenfalls aus einem Artikel zu einem Urteil zitieren, das diese Gegendarstellung auf ö24, dem Internetableger ÖSTERREICHs, nach sich zog. Auch dort war der Artikel aus der Printversion in leicht abgeänderter Form erschienen:

Am Ende des Beweisverfahrens kam die Richterin zum Schluss, die geklagte Zeitung habe sich offenbar “dubioser Informanten” bedient und “ohne großartige Recherche ziemlich grobe Unwahrheiten verbreitet”. Es liege “ein relativ gravierendes Verschulden” vor, weshalb dem Klagebegehren weitestgehend stattgegeben wurde.

[Hervorhebungen von uns]

Wenn ÖSTERREICH moralisch handelt


Das erste Foto von Elisabeth Fritzl

titelt ÖSTERREICH in der gestrigen Ausgabe. Zu sehen sind zwei Frauen, Gesichter und Haare unkenntlich gemacht, eine der beiden wird als Elisabeth Fritzl, die andere als ihre Tochter Lisa identifiziert. Unter dem Foto steht

ÖSTERREICH macht bei beiden Frauen aus Gründen des Personenschutzes Gesichter und Kleidung unkenntlich.

Nun stellt sich natürlich die Frage, weshalb eine Zeitung ein Foto abdruckt, es aber so verfälscht, dass es im Grunde keinen Nachrichtenwert mehr hat. Die Antwort darauf steht in kleinen Lettern über der Überschrift:

Britische Zeitung bringt:

Die britische SUN hatte nämlich in ihrer Montagausgabe zwei Fotos abgedruckt, auf denen angeblich Elisabeth Fritzl und ihre Tochter – unverfälscht – zu sehen waren.

Wieso sich nun ÖSTERREICH dazu bemüßigt fühlt, diese beiden Fotos auch im Blattinneren abzudrucken, wird im Kommentar “Das sagt Österreich” vom Herausgeber selbst erklärt:

ÖSTERREICH bringt die Fotos aus der “Sun” als Dokument – aber wir tragen dem Wunsch von Elisabeth Fritzl nach Schutz ihrer Privatsphäre Rechnung. Deutlicher als vom Mediengesetz verlangt, das “vollständiges Verscannen des Gesichts” vorschreibt, haben wir die komplette Gesichtspartie und die Haare (können ebenfalls ein Erkennungsmerkmal bilden) komplett aus dem Foto herauskopiert und auch die Kleidung verändert.

Dazu gibt es zwei Dinge zu sagen. Obwohl durch die Anführungszeichen nahegelegt, existiert im Mediengesetz keine Phrase die das “vollständige Verscannen des Gesichts” zum Schutz der Identität vorschreibt. Das Mediengesetz legt einzig in §7a, Absatz 1 fest, dass die Identifizierung nicht möglich sein darf. Daher sind wohl oben beschriebene Anstrengungen, die Frauen wirklich unkenntlich zu machen, einzig zum Schutz ÖSTERREICHs und nicht zum Schutz der Opfer gedacht.

Zweitens behauptet Wolfgang Fellner, die Fotos lediglich “als Dokument” veröffentlicht zu haben. Sollte es dann nicht reichen, die Fotos als Teil des Ausrisses des SUN-Artikels zu zeigen? Ist es da noch nötig die Fotos – wenngleich verfälscht – in größerer Auflösung nochmals abzudrucken?

Was eine weitere Frage aufwirft: Wieso verfügen die Fotos über größere Ausrisse als die im “Sun”-Artikel abgedruckten? Zum Beispiel hier:

Ausriss: ÖSTERREICH, Ausriss des Ausrisses: SUN
Ausriss: ÖSTERREICH, Ausriss des Ausrisses: SUN

Natürlich verfügt ÖSTERREICH ohne Zweifel über außerordentlich talentierte GrafikerInnen, doch dieses Kunststück scheint unmöglich. Zum Glück weist uns der Artikel zu den Fotos auf eine mögliche Quelle dieser wundersamen Bildvermehrung hin:

30 Tage vor dem Sensationsprozess in St.Pölten, bei dem sich Josef Fritzl für sein Jahrhundertverbrechen verantworten muss, will die Sun die Fotos international vermarkten – bietet sie in Skandinavien und Deutschland unverscannt zum Kauf an.

Und wie es scheint auch mit Erfolg in Österreich.

Wer den Spott hat…

…sorgt selber für den Hohn. Im Falle ÖSTERREICHs zumindest. Nachdem ja ÖSTERREICH im Juli letzten Jahres groß enthüllt hatte, dass Karadzics nicht als serbischer Wunderheiler in Wien gehaust hatte, enthüllte “Datum” in seiner Septemberausgabe die Details zu dieser Enthüllung. Der Bericht liest sich wie ein schlechter Agententhriller, statt der Agenten agieren jedoch ein Informant der sich um sein Geld geprellt sieht, eine deutsche Boulevardzeitung und ein Verleger der die Schuld auf die eben genannten schiebt.

Und was macht ÖSTERREICH heute? Es verklagt den Informanten, er habe den Stillhaltevertrag gebrochen.