Außenschelte: Von (Beinahe-)Killerblitzen

Dienstagabend schlug ein Blitz in ein Fußballfeld im steirischen Leoben ein. Dabei wurden 25 Personen verletzt. Michael Nöhrig hat die gestrige Berichterstattung ÖSTERREICHs zu diesem Ereignis auf seinem Blog dokumentiert. Wir wollen nicht zu viel verraten, möchten uns aber seiner abschließenden Bemerkung gern anschließen:

Karl Valentin fand es seinerzeit “erstaunlich, dass jeden Tag genau so viel passiert wie in eine Zeitung hineinpasst“. Genauso erstaunlich aber auch, was heutzutags alles nicht passiert aber trotzdem in eine Zeitung wie ÖSTERREICH hineinpasst.

Außenschelte: Umfragen im Boulevard

Dass der Sommer angefangen hat erkennen wir nicht zuletzt an der von Hans Dichand ausgelösten Bundespräsidentendebatte. Dass die KRONE nun gehorsam diese Sommerlochgeschichte weiter trägt, versteht sich von selbst.

Vor zwei Tagen hat nun Max dazu einen interessanten Beitrag über die etwas eigenwillige Interpretation von Umfragenzahlen zum fiktiven Präsidentenduell veröffentlicht.

Dass eindeutige Zahlen nicht immer eindeutig interpretiert werden müssen, ist uns aber eh schon seit der Lehrerdebatte klar.

Außenschelte: Wenn die KRONE über Abschiebungen empört ist

Auf “Wut im Bauch” findet sich heute ein interessanter Beitrag zur KRONE und der überraschend lautstarken Empörung über eine Abschiebung:

Oft liest mensch in der Krone von zu lascher Asylpolitik, von Kriminalitätstourismus und dem Ruf des Volkes nach Mehr für ÖsterreicherInnen und Weniger für “Fremde”.

Doch die Krone kann auch anders.

Der Aufenthalt […] war also nur von kurzer Dauer: Bereits Mittwoch früh saßen [sie] wieder in einer Hercules-Maschine und flogen heim nach Afrika. Bei der “Krone” […] liefen die Telefone heiß: “Die Leute sind […] erbost über den Rückflug. Das ist das Todesurteil […], so “Krone” […] Lady Maggie Entenfellner.
[Kronenzeitung]

Da kann mensch wieder sehen, so ganz böse kann dieses Blatt doch gar nicht sein.

Leider ist das dann doch zu schön um wahr zu sein. Klicken Sie hier um herauszufinden was es mit der Kehrtwende der KRONE wirklich auf sich hat.

1000 Tage ÖSTERREICH

Passend zum gestrigen Feiertag feierte sich ÖSTERREICH auch gleich selbst. In einer farbigen Beilage wurde die 1000. Ausgabe verkündet, komplett mit Jubelmeldungen aus der Redaktion, salbungsvollen Worten aus Politik, Medien und Sport und einer Sammlung der besten Stories ÖSTERREICHs der letzten 1000 Ausgaben.

Auch wir gratulieren natürlich zu dieser Leistung, wollen es uns aber nicht nehmen lassen, den von ÖSTERREICH aufgezählten Stories ein paar hinzuzufügen. Schließlich sollten ja auch die kreativen Leistungen der ÖSTERREICHischen Redaktion bedacht werden:

  • Die Posse um die Flickschen Sargräuber, durch ÖSTERREICH um eine spannend zu lesende, aber schlussendlich völlig falsche Episode erweitert.
  • Die Enttarnung des Kriegsverbrechers Radovan Karadzic, den ÖSTERREICH kurzerhand als Wunderheiler nach Wien verfrachtete, nur um dann die Schuld an der Presseente auf den Informanten zu laden.
  • Selbst die Flucht aus Österreich schützt nicht vor den gnadenlosen Enthüllungen ÖSTERREICHs. So vermeldete ÖSTERREICH im Dezember des Vorjahres  die Heimkehr des jahrelang flüchtigen Tibor Foco als Exklusivmeldung. Dass sich dieser trotzdem nie in Österreich sehen ließ, verwunderte schlussendlich niemanden.
  • Und fehlen darf natürlich auch nicht die Affäre um die Bestellung des neuen Direktors der Wiener Staatsoper. ÖSTERREICH war sich seiner Sache da einfach zu sicher, und als sich Neil Shicoff nicht als der neue Direktor herausstellte, wälzte ÖSTERREICH die Schuld einfach auf einen anderen ab. Diesmal allerdings nicht auf einen unbekannten Informanten, sondern gleich auf den Bundeskanzler.

Wir freuen uns auf jeden Fall auf 1000 weitere spannende Tage mit ÖSTERREICH.

Die KRONE und die Bildung

LehrerInnen sind faul und geldgierig, das wissen wir ja schon lange. Die KRONE will es uns aber beweisen!

Und darum sollte es auch niemanden verwundern, wenn seit dem Vorschlag der Ministerin, LehrerInnen länger unterrichten zu lassen, die KRONE alles daran setzt, die geneigte Leserschaft davon zu überzeugen, dass das der einzig richtige Weg sei. So wurde zum Beispiel für die gestrige Ausgabe kurzerhand Platz für einen Gastkommentar der Ministerin eingeräumt:

Ausriss: KRONE
Ausriss: KRONE

Dass es sich bei dem Gastkommentar in Wirklichkeit um einen Brief handelt, den Ministerin Schmied an LehrerInnen, Eltern, SchülerInnen und MitarbeiterInnen versandt hat, ist da eher nebensächlich. Der Originalbrief ist übrigens hier als PDF abrufbar.

Wie es sich für eine volksnahe Zeitung natürlich gehört, wurden auch gleich noch Passanten befragt:

Lehrer sollen Vorbild sein und mehr arbeiten

lautet die Überschrift zu dem doppelseitigen Spezialbericht. Dass beinahe alle der Befragten sehr dafür wären, Lehrer mehr unterrichten zu lassen, versteht sich von selbst.

Wenn nun also schon das offizielle Österreich und das Volk zu Wort kommen dürfen, dann darf natürlich der offizielle Briefschreiber der KRONE, Jeannée, nicht fehlen:

Ausriss: KRONE
Ausriss: KRONE

Auch er findet nur salbungsvolle Worte für den Mut der Ministerin, Gegner wie Gewerkschafter werden gewohnt wortgewaltig als “Schaumschläger” abgekanzelt.

Das war gestern. Und da der KRONE offensichtlich eine Menge daran liegt, zu vermitteln, wie fehlgerichtet jegliche Kritik am Vorstoß der Ministerin ist, wird heute nochmals mit schweren Geschützen aufgefahren. Auf Seite 3 findet sich ein Kommentar von Peter Gnam, der, wen wundert’s, kein gutes Haar an den LehrerInnen lässt:

Ausriss: KRONE
Ausriss: KRONE

Zur Untermauerung des Volkswillens prangt daneben natürlich nochmals eine Grafik, die eindeutig zeigt, dass Österreichs Bevölkerung die Nase voll von faulen, arbeitsunwilligen LehrerInnen hat.

Aber um ganz sicher zu gehen, dass selbst leiseste Kritik an der Lehrerkritik verstummen mag, präsentiert die KRONE auf der Titelseite eine erschreckende Zahl:

Ausriss: KRONE
Ausriss: KRONE

Die Zahl entstammt einer AK-Studie aus dem Jahr 2008, die sich eigentlich mit der Teuerung bei Nachhilfeangeboten beschäftigt hat, die nun aber gut in den Kurs der KRONE passt. Besonders weil im Blattinneren dort auch noch Folgendes steht:

Von den insgesamt 140 Millionen Euro, die pro Jahr für Nachhilfe ausgegeben werden, geht ein großer Teil an die Lehrer. Denn 32 Prozent der heimischen Schüler werden von offiziellen Pädagogen betreut.

Also nicht nur faul, auch geldgierig!

Da diese Zahl übrigens nicht in der AK-Studie vorkommt, ist es wahrscheinlich, dass sie dieser OECD Studie aus dem Jahr 2002 entnommen wurde. Dort ist zwar die Rede von Nachhilfe und 32 Prozent, allerdings, wie hier nachzulesen, eingebettet in äußerst interessante Aussagen:

Die Studie zeigt auch, dass die erreichte Leistung nicht unbedingt mit der Anzahl der in der Klasse verbrachten Pflichtstunden übereinstimmt: Bei der PISA-Studie zur Leseleistung am Ende der Schulpflicht erreichte Finnland trotz der geringen Pflichtunterrichtszeit sowohl von Schülern als auch von Lehrern Rang eins.

und

Besonders in den skandinavischen Ländern, die in der PISA-Studie hervorragend abgeschnitten haben, werden […] für fast alle Schüler individulle Fördermaßnahmen und Nachhilfe durch die Lehrer angeboten – im Durchschnitt der OECD-Länder erhalten demnach 68 Prozent der Schüler Nachhilfe durch Lehrer, in Österreich liege der Anteil nur bei 32 Prozent.

[Alle Hervorhebungen von uns]

Lesekompetenz, also das Verstehen des Gelesenen, scheint tatsächlich zu kurz zu kommen. Allerdings nicht nur bei SchülerInnen, sondern auch bei KRONE-RedakteurInnen.

ÖSTERREICH und die Oscars (II)

Nach der völlig fabrizierten Oscarberichterstattung von Montag, versuchten es die fleißigen SocietyreporterInnen von ÖSTERREICH tags darauf nochmals. Eine mehrseitige Beilage gab es sogar, vom Titelblatt lachte Oscargewinnerin Kate Winslet, wohl nicht zuletzt aufgrund der attestierten amourösen Gefühle für ihre Person. Doch wen lieben – laut ÖSTERREICH – noch alle?

Ausriss: ÖSTERREICH
Ausriss: ÖSTERREICH

Komisch, oder? Alle lieben den Inder? Welchen Inder denn nun? Klar, der Abräumerfilm des Abends war eindeutig Slumdog Millionaire, der Film über Kinder aus indischen Slums. Doch der einzige Inder, der tatsächlich einen Oscar erhielt, war der Komponist der Filmmusik, A.R. Rahman. Schon wichtig, aber über den wurde im Blattinneren kein Wort verloren. Der kann also kaum der Geliebte sein.

Ist vielleicht DER Inder gemeint, der Schauspieler der mit indischem Akzent für Telering wirbt? Denkbar wäre es ja, dass der einzige Bezug den die RedakteurInnen zu Indien haben, eine Kunstfigur der Werbeindustrie ist. Schließlich war ja auch vor einigen Monaten im Zusammenhang mit der Affäre um einen ehemaligen kasachischen Botschafter in ÖSTERREICH einige Male die Rede von “Borats Botschafter”.

Und wenn schon die wöchentliche Gesundheitsseite nicht mehr als eine Erweiterung des Anzeigenteils mit pseudo-redaktionellem Inhalt darstellt, wieso dann nicht auch mal die Societyseiten?

ÖSTERREICH und die Oscars

Nicht richtig, aber schneller. Das scheint bei ÖSTERREICH ja schon immer die bevorzugte Variante beim Verfassen von Exklusivmeldungen gewesen zu sein.

Auch in der heutigen Ausgabe beeindruckt der USA-Korrespondent Herbert Bauernebel die LeserInnen mit seinen Einsichten in ein Ereignis, das zur Drucklegung der Zeitung gerade erst im Anfangsstadium war: die Oscar-Verleihung.

Gespickt mit vermeintlichen Fotos von der Verleihung – in Wirklichkeit jedoch zusammengesammelte Bilder früherer Veranstaltungen – wird da über Kate Winslets Kurven und Hugh Jackmans Charme schwadroniert. Mit Details wird verständlicherweise gegeizt, einzig zu einer etwas gewagten Aussage lässt sich der Autor hinreißen. So schreibt er über den Gang Angelina Jolies und Brad Pitts über den roten Teppich:

Pikant, fast zeitgleich lief auch Ex-Ehefrau Jennifer Aniston […] über den Red Carpet – Jolie würdigte sie den ganzen Abend lang keines Blickes.

Nun, das ging dann wohl leider knapp daneben. Erstens war Jennifer Aniston bei der gestrigen Verleihung gar nicht über den roten Teppich, sondern einen Hintereingang zum Veranstaltungsort gekommen. Ein Umstand, den sie mit anderen Stars teilte und der laut Branchenblatt Variety für einigen Unmut bei den anwesenden Fotografen gesorgt hat.

Und zweitens war im Laufe des Abends trotz der von den Medien hochstilisierten Feindschaft keinerlei Feindseligkeit zu erkennen. Im Gegenteil, das amerikanische People Magazine schreibt in seiner Onlineausgabe ausführlich darüber, wie kollegial sich beide Frauen während der Verleihung verhalten haben sollen.

Übrigens, wen es interessiert wer denn nun wirklich alles über den roten Teppich marschiert ist, auf der offiziellen Oscar-Seite gibt es dazu eine eigene Bildergalerie mit Fotos, die wahrscheinlich morgen schon weltexklusiv in ÖSTERREICH zu sehen sind.

Gegendarstellung einer Gegendarstellung

Schon auf der Titelseite darauf hinweisend, druckt ÖSTERREICH heute eine Gegendarstellung ab. Sie beschäftigt sich mit der Berichterstattung über die Tochter des damals noch-Kanzlers Gusenbauer. In dem Artikel, der dieser Gegendarstellung bedarf, wurde unter Anderem behauptet, Selina Gusenbauer hätte aufgrund schlechten Schulerfolgs und des Mitbringens einer Ratte ins Schulgebäude die Schule verlassen müssen. Dass diese Behauptungen unwahr waren, hatten in den folgenden Tagen Selina und ihre Eltern festgestellt, rechtliche Schritte wurden angedroht.

Resultat dieser rechtlichen Schritte ist nun diese Gegendarstellung. ÖSTERREICH, das sich offenbar nicht mal ein klein bisschen für die Berichterstattung über eine Person die nicht mal im öffentlichen Interesse steht, geniert, lässt diese Gegendarstellung natürlich nicht so einfach stehen.

ÖSTERREICH hat “Pressefreiheit” nicht verletzt

wird unter der Gegendarstellung getitelt. Was genau die Anführungszeichen aussagen sollen, wird nicht klar, allerdings zitiert ÖSTERREICH beleidigt ein Urteil eines Richters des Handelsgerichts, an dem ebenfalls eine Anzeige gegen ÖSTERREICH einging. Dort wurde ÖSTERREICH – in der ersten Instanz – freigesprochen:

Seine “rechtliche Beurteilung”: Die Artikel in ÖSTERREICH “enthalten nichts Ehrenbeleidigendes”. Sie würden “im Kern wahre Tatsachen” mitteilen. Dass die Klägerin im Lycée “durchgefallen” sei, sei Fakt. Ob das einmal oder zweimal war, sei “bestenfalls journalistische Übertreibung”. Die ÖSTERREICH-Berichterstattung sei “in der Pressefreiheit gedeckt”.

Der Balance halber wollen wir nun ebenfalls aus einem Artikel zu einem Urteil zitieren, das diese Gegendarstellung auf ö24, dem Internetableger ÖSTERREICHs, nach sich zog. Auch dort war der Artikel aus der Printversion in leicht abgeänderter Form erschienen:

Am Ende des Beweisverfahrens kam die Richterin zum Schluss, die geklagte Zeitung habe sich offenbar “dubioser Informanten” bedient und “ohne großartige Recherche ziemlich grobe Unwahrheiten verbreitet”. Es liege “ein relativ gravierendes Verschulden” vor, weshalb dem Klagebegehren weitestgehend stattgegeben wurde.

[Hervorhebungen von uns]