Über Uns

keuner_brechtSeit der Auflösung des Österreichischen Presserats 2002 gibt es in Österreich nur mehr einen Rumpf-Presserat, dessen Autorität zu vernachlässigen ist. Der Presserat sorgte für eine freiwillige Einhaltung des „Ehrenkodex für die österreichische Presse“. Vor allem die KRONE hat die Autorität des Presserats nie akzeptiert. Diese ist allerdings mit einer Reichweite von über 40% und ungefähr drei Millionen LeserInnen täglich eines der wirkmächtigsten Boulevardmagazine europaweit weltweit. Zur Auflösung führten letztlich Kompetenzstreitigkeiten zwischen Gewerkschaft und Verlegern.

Im Sommer 2007 gründete sich auf Initiative des Vereins der Chefredakteure der österreichischen Printmedien die Leseranwaltschaft als Nachfolgeorganisation des Österreichischen Presserates.

Zusammenfassend bemerkte die Journalistin und Chefin der Leseranwaltschaft Elisabeth Horvath:

“Österreich war fünf Jahre lang das einzige Land der zivilisierten Welt ohne Selbstkontrolle der Medien.”

Doch die Leseranwaltschaft hat nie die Akzeptanz und die Autorität des Presserates erlangt. Und so gibt es nun seit bereits acht Jahren keine Selbstkontrolle der Medien in Österreich. Ein Presserat als Instrument freiwilliger Selbstkontrolle ist aber längst überfällig – nicht erst seit der Boulevard-Berichterstattung über Natascha Kampusch und den Kriminalfall von Amstetten. Dass die Boulevardmedien die österreichische Medien-Branche fest im Griff haben und einen zentralen Beitrag zur Meinungsbildung in Österreich beitragen, zeigen die Fülle und die Auflagenstärke der Blätter, angefangen bei der kostenlosen U-Bahnzeitung HEUTE, der Fellnerschen BILD-Variante ÖSTERREICH bis hin zur auflagenstärksten Tageszeitung Österreichs, der KRONE.

Für das Jahr 2010 einigten sich nun der Verband Österreichischer Zeitschriften (VÖZ), die Journalistengewerkschaft und der Verein der Chefredakteure auf eine Neuauflage des Presserates, den “Verein der Selbstkontrolle der österreichischen Presse”. Doch es gibt genügend Gründe, den neuen Presserat für einen fahlen Kompromiss zu halten.

Warum Medienschelte?

Wir verstehen uns nicht als Kontrollorgan für die Boulevardmedien KRONE und ÖSTERREICH. Wir zeigen nur beispielhaft Fragwürdiges, Merkwürdiges und Diskussionswürdiges aus der KRONE und ÖSTERREICH und wollen auf diese Weise zu einem kritischen und offenen Medienbewusstsein in der Öffentlichkeit beitragen. Dies halten wir gerade in Zeiten, in denen journalistische Vielfalt durch Konzernbildung der großen Verlage immer stärker eingeengt wird, für sehr nötig.

Dabei gilt es erstens ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Informationen und Fakten nicht neutral oder objektiv dargestellt werden können, sondern immer in einem Argumentationszusammenhang stehen.

Zweitens muss die Meinungsbildung durch Boulevardmedien hinterfragt werden. Gerade für die Fremd- und Eigenzuschreibungen sind für Boulevardmagazine zentral. So ist es auch kein Zufall, dass das neueste Boulevardblatt ÖSTERREICH heißt.

Auf die Idee, diese Art von Watchblog zu gründen, sind wir natürlich nicht von alleine gekommen. Wir möchten deshalb einen besonderen Dank an den Bildblog richten.